Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1 (4.1.1839)
- Date
- 1839-01-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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terr uns anheischig machen; sonst aber muß jeder Verfasser eines Artikels auch die Vertretung des Inhalts übernehmen. Literarische Berichte. I. Neue Ansichten über Maimonides. Referirt von vr. Creizenach. Im Laufe des vorigen Jahres ist der dritte Band der von H. Goldderg zu Tarnopol unter dem Titel Ke rem Chemed veranstalteten Sammlung erschienen. Dieselbe enhält hebräische Briefe gelehrter Israeliten, meistens Zeitgenossen, über alle Zweige der hebräischen Literatur. Dieser dritte Band empfiehlt fich besonders durch Aufsätze sehr wichtigen Inhalts von Luzzato *), Rappoport, Reggio, Almanzi u. a. m., in welchen durchgängig das eifrige Streben vorherrscht, der jüdischen Theologie eine wissenschaftliche Grundlage zu geben, und es ist erfreulich zu sehen, wie diese Männer eine edle Freimüthigkeit des Urtheils mit einer entschiedenen Ehrfurcht für das Bestehende zu vereinen wissen. Zur Probe theilen wir hier in sehr gedrängter Zusammenziehung mit: I. eine Würdigung des Maimonides von Samuel Luzzato und Reggio; n. eine Erörterung über die Zeit, in welcher die Mischnah geschrieben wurde, von denselben und Rappoport. i. Maimonides, schreibt Luzzato, hat uns mit aller seiner Philosophie Verderben gebracht. Was der Talmud schwebend gelassen, hat durch ihn eine eiserne Festigkeit erhalten. Ohne Raabeds Glossen wären Mischnah und Talmud längst vergessen und wir ständen jetzt unter der Herrschaft von Maimonides und Aristoteles, ohne an die Quellen gelangen zu können. Ich sage von Aristoteles, denn Manches findet sich im Iad Hachasakah, das nicht aus dem Talmud, sondern aus Aristoteles und seinen arabischen Auslegern gezogen ist. Nicht umhin kann ich, seine Lehre von der menschlichen Seele zu rügen, die nach seiner Vorstellung nur dqnn Fortdauer hat, wenn sie auf dieser Erde zum Besitz einer metaphysischen Gqtteserkenntniß gelangt ist, ohne dieselbe aber nichts von dem hat, was die menschliche Würde begründet. Durch diese Ansicht wird er zu einer äußerst finstern und fanatischen Strenge verleitet, welche die herben und leidenschaftlichen Aeußerungen des.Talmuds, die er hätte mildern sollen, noch zu schärfen veranlaßt, ohne Rücksicht auf andre Stellen, die uns allgemeine Menschenliebe als eine heilige Pflicht auferlegen. Zwei andre Nebel, die uns seine Lehre von der menschli¬ *) Dieser durch mehrere Schriften rühmlichst bekannte Gelehrte ist Professor der hebräischen und chaldätschen Sprache, der Exegese, Dogmatik, Moral und der Israelitischen Geschichte am Collegio Rabbinico zu Padua. Sein Werk Prolegoineni ad una gramatica ragionata della lingua Ebruica, Padova 1836. kl. 4. werden wir ehestens für deutsche Freunde der hebr. Literatur analysiren. D. H. chen Seele zugezogen, sind, dasik ihn zur Entstellung zweier Glaubenswahrheiten gebracht hat. Erstens läugnet er die Auferstehung der Tobten, denn er giebt nicht für den Leib, sondern nur für die Seele eine Auferstehung zu, und auch diese nur für die, welche zugleich fromm und weise waren. Er sagt, wer ihn deßwegen verdächtige, werde dafür von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Konnten seine Ankläger aber nicht zu ihm sagen: „Wir wissen, daß du eine Auferstehung der Tobten glaubst, aber nicht die unsrer Väter, sondern die des Aristoteles und seiner Ausleger, und der Unterschied ist höchst bedeutend. Wie du lehrst, giebt es für den Sünder nach dem Tobe keine Vergeltung, da die Seelen der Sünder mit der Auflösung des Leibes zernichtet werden. Außerdem ist auch die Auferstehung, welche für den Frommen verheißen ist, nicht die unsrige. Denn nach deiner Lehre werden die Seelen der Frommen mit der Gottheit vereint und verlieren alle Individual,tät, alles Bewußtsein der Vergangenheit. Mit den Subtilitäten der Metaphysik unbekannt, haben wir deine dreizehn Glaubenspunkte angenommen, ohne wahrzunehmen, daß du die Lehre von der Auferstehung listig zu umgehen suchst." Das zweite Uebel, das von Maimonides herrührt, ist sein abgeschlossenes Glaubenssystem, eine Erfindung, von der die Alten keine Ahndung hatten. Nie haben sie gesagt, daß wer dieß oder jenes glaube, dadurch aufhöre, ein Israelite zu sein; sie urtheilten nach Werken und nicht nach den Begriffen. Er freilich mußte eine Dogmatik geben, weil man nach ihm ohne richtige Gottcserkenntniß keine Fortbauer zu hoffen hat. (Forts, folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Frankfurt a. M. — So eben erscheint der 13te Bericht des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten. Es ist wahrhaft erfreulich folgende Stellen zu lesen: „Ueberall begegnet der Verein einem „kräftigen Sinne, welcher sich bald zur Selbstständigkeit „emporringt. Kein Handwerk ist den Lehrlingen zu schwer, „und es ist nicht die Schwäche und Arbeitsscheu, sondekN „nur die Gelegenheit, welche sie bei der Wahl eines Ge., „werbes zu Rathe ziehen. Die sich täglich mehr kund geben-, „den wohlwollenden Gesinnungen der betreffenden verehr- „lichen Regierungen für die Zwecke des Vereins, tragen „nicht wenig dazu bei, diesen trefflichen Geist hervorzurufen." Unterstützt wurden im I. 1837 — 38, in allem 439; davon gehören?U dem Großherzogrhume, und 72 dem Kurfürstenthume Hessen; 35 der Landgrafschaft Hessen-Homburg; 59 dem Herzogthun, Nassau; 15 dem Königreich Bayern, und 47 der freien Stadt Frankfurt an. Neuausgenommen?0; entlassen als Gesellen 19; zur Wanderschaft unterstützt 39; zur Niederlassung als Meister 12. Andere wurden mit Kleidung, Werkzeug und Geld unterstützt. Alle Lehrlinge werden vor ihrem Ausscheiden geprüft. Die diesjährigen Ergssbniffe waren beftiedigend. — Die Zöglinge haben, wo es angeht, auch Unterricht in den Sonntagsschulen.