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Israelitische Annalen · 1839-01-04 · Heft 1 (4.1.1839) · p. Seite 5

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 1 (4.1.1839)
Date
1839-01-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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tungen und menschlichen Gebrechen; wir mögen sie sogar öfters als Kunstwerk bewundern; und wo sie mir Ernst und Wahrheit hervortritt, ist sie das beste Mittel zur Selbfterkenntniß und Besserung. Aber als angebliche Characterzüge der Gesammiheit und als Grundlegung zu weiter« Verhalten gegen diese dürfen sie nicht gelten wollen, wie es doch häufig genug der Fall ist. Unter solchem Gewirre von Urtheilen, Ansichten und Wirkungen auf die Lebensverhältnisse, muß Aufklärung und Verständigung allen denen, welche das Gute wahrhaft erstreben, willkommen erscheinen, und diese wünschen wir durch die Gründung unsrer Annalen herbeizuführen. Wir wünschen in ihnen jenen Mittelpunkt zu gewinnen, von welchem aus alle Thätigkeiten der Gegenwart und nächsten Zukunft mittelst tüchtiger Geschichtskunde beleuchtet und in ihrem charakteristischen Wcrthe erkannt und gewürdigt werden können. Characteriftisch ist aber zunächst der innerste Kern der uralten in der Geschichte fortlebcnden Religion, und deren vielseitige Entfaltung; characteristisch dann die hieraus hervorgegangenen mannichfachen Erscheinungen, sowohl der allgemeinen Bildung des Geistes und der Gesinnung der Israeliten, als insbesondere die verschiedenen Gestaltungen, welche das Wesen der Israeliten nach Zeiten und Klimaten, nach feindlichen und freundlichen Berührungen mit andern Völkern, Sitten und Gesinnungen annehmen mußte und noch annimmt. Weder einzelne Tugenden, noch einzelne Gebrechen und Mißverständnisse berechtigen zu einem durchgreifenden Urtheile. Nur aus einer nach allen Richtungen hin beleuchteten Ansicht von den gemcinsamern Zuständen und deren nächsten Ursachen, und aus einer vielfältigen Vergleichung der Wirkungen anderer Ursachen, geht ein gründliches Urtheil hervor. Die Leistungen der Geschichte lernen wir nur aus der Geschichte richtig kennen, und darum machen wir sie zu unsrer Schule. Sie hat uns die Thätigkeiten und Leiden, die Kämpfe und Schicksale, die Versuche und getäuschten Hoffnungen, die guten Werke und die Fehler, die Tugenden und die Schwächen der Israeliten vorzuhalten, deren innere und äußere Ursachen zu entwickeln, und auf das, was geschehen soll, zu verweisen. Wir wünschten freilich überall größere, vollständigere Gesammtansichten aufstellen zu können; allein bei der Unmöglichkeit, die in der Natur des Gegenstandes liegt, müssen wir die fragmentarische Form der periodischen Mittheilung vorziehen; sie erleichtert uns den Gang und unfern geneigten Lesern die Begleitung. Indessen wollen wir nicht verhehlen, das wir durchaus nicht beabsichtigen, jedes kleine, an sich unbedeutende, oder alle Tage und überall wiederkehrende Ereigniß, zumal wenn solches gar nicht von gemeinsamem Interesse zu sein scheint, selbst wenn es sonst die Unterhaltung zu fördern geeignet wäre, hier mirzutheilen. Wir wollen nur eben die Punkte in's Auge fassen, worauf cs zur Würdigung der Schicksale, Arbeiten, Verhältnisse und Zustände sowohl im Allgemeinen als in einzelnen bedeutsamen Erscheinungen und Fragen ankommr, und so weit cs durch die vereinte Kraft zahlreicher, sachkundiger, gewissenhafter Mitarbeiter geschehen kann, d.r-I ute befördern, das Irrige, Schlechte, Unbrauchbare, welches zu unrichtigen Ansichren und Maßregeln verleiten könnte, als solches Nachweisen. Wir wissen sehr wohl, daß diese Erklärung uns viele Leser abwendig machen werde, welche in einer Zeitschrift eben nur die ansprechendere Einzelheit bis in die kleinsten Momente aufsuchen, und daß mancher vielleicht es sogar für Selbstüberschätzung halten dürfte, wenn ein Blatt den Werth kleinscheinender Thatsachen im Voraus bestimmen will, da sie oft die Anfänge der wichtigsten Veränderungen sind. Wir glauben, daß für die Verbreitung und Erörterung specieller Thatsachen von bloß augenblicklichem Interesse hinlänglich gesorgt ist, und werden Unsrerseits diejenigen Umstände, welche wir entweder gjmz übersehen oder nur kurz angedeutet haben, erst alsdann näher beleuchten, wenn die Zeit ihren Werth hervorgehobcn hat, und sie Momente zum Verftändniß anderer Ereignisse geworden sind. Inzwischen können wir nur wicdcrholentlich betheuern, daß wir fern von jeder Anmaßung unsere wissenschaftliche Bahn, wie bisher, fortwandeln, jeden wohlwollenden Rath gerne befolgen, jede Berichtigung mit Vergnügen aufnehmen, dagegen jede Polemik gegen Andere Institute, so weit es mit unsrer Ehre verträglich ist, durchaus vermeide n werden. Uebrigens bleiben wir, wie dieß sich eigentlich von selbst versteht, nur für dasveran twortlich, was wie entweder selbst mittheilen oder für Andere zu venre-

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