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Das Zelt · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 375

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 375 (sequence 40)
Language
German
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BUCH, KUNST UND KÜNSTLER und Zionismus die Tendenz verrät. Es soll die Kluft zwischen religiösem und nationalem Judentum als nicht vorhanden oder wenigstens als bei gutem Willen leicht überbrückbar erwiesen werden. Der Stil ist fließend, das Hebräische elegant auch in den Reimpartien. S.H.L. Dr. Joß. de Groot: Die Aftäre des Safomonischen Tempefhofes. Beiträge zur Wissenschüft vom Aften Testament, herausgegeßen von R. Kitte f. Neue Tofge, Heft 6. W. Koßfßammer, Berfin, Stuttgart, Leipzig 1924. Der Autor untersucht, ob es im Salomonischen Tem* pelhof zu Jerusalem einen oder zwei Altäre gegeben hat und er gelangt zu dem Ergebnis, daß es deren zivei gegeben habe, einen kleinen kupfernen, auf dem man Brandopfer, und einen großen steinernen, auf dem man Schlachtopfer dargebracht hatte. Man sollte es kaum für möglich halten, daß diese biblisch=archäologische Frage noch nicht gelöst ist und sie ist gleichwohl auch jetzt durch de Groot nicht gelöst, denn seine Deutung von I. Könige 8,64 (der König heiligte das Innere des Vor* hofes usw., denn der kupferne Altar war zu klein, um all die Brand*, Speise* und Fettopfer fassen zu können) — auf einen zweiten großen, am Eingange des Heilig* tums errichteten Altar: scheitert an dem Wortlaute der Schriftstelle und an der Macht der Tatsache, daß gerade der Bau dieses großen Altars nicht erwähnt wird. Aber Groots Schrift hat dennoch einen bleibenden Wert, weil er zur Begründung seiner These außer biblischem Ma* terial auch noch ethnographische Parallelen heranzieht und außerdem die Kunstgeschichte sprechen läßt. So führt er z.B. den von König Ahas erbauten Altar <II. Könige 16, 14) und den, der von Ezechiel <c. 43, 13) für die Zu* kunft geplant wurde, auf das Zikurrat*Muster der alten Babylonier zurück. Gelungene Abbildungen und Zeichnungen erhöhen den Wert der gedanklichen Ausführungen. Im Anhang behandelt Groot die Treppe des Ahas* Altars <auf der der Sonnenschatten einmal zurück* gewichen ist) und die »Hörner« des Altares, die er, nicht ganz schlüssig, so deutet, daß sie entweder die göttliche Kraft symbolisierten oder apotropäisch gegen Dämonen schützen sollten. Man lernt viel aus dem Buche, aber man lernt auch, daß noch immer nicht alles erforscht ist, was in der Bibel steht. S. K. Ozar=Cßajim: ZtoöffJahrhunderte jüdischen Leßens. Kulturhistorische Beiträge aus der raßßinisehen Responsenfiteratur vom Beginn iß res Entsteßens ßis Ende des 19- Jahrhunderts. Aus=* gewäßft und nach Themen und Zeitaßscßnitten geordnet und mit kritischen Anmerkungen und Register verseßen von Cßajim BCoch. Sefhstver* Cag, Wien. Der bekannte Schriftsteller Chajim Bloch, der in den letzten Jahren durch seine Schriften außerordentlich viel für die Popularisierung der Kenntnisse vom Chassidismus und seinen Führern geleistet hat, legt den Plan zu einem großangelegten Werk vor, das ein Quellen werk ersten Ranges zu werden verspricht. Er will alles kulturhistorisch und historisch Wertvolle aus der schier unüberseh* baren Responsenliteratur herausheben und systematisch und chronologisch ordnen. Hoffen wir, daß das große Werk gelingt. S. H. L. Z. T. Tin fielstein: Stürmer des Gßetio. Safruth=Verfag, Ratß 'SD Präger, Wien. In einer Reihe von Essays führt uns der Verfasser die größten Männer der jüdischen Gegenwart vor. Trotz stärkster Individualität sind diese Großen doch nur ein Ausdruck ihrer Zeit, sind sie Typen, die uns die Leiden und Kämpfe des ganzen jüdischen Volkes vor Augen führen. Alle stehen sie irgendwie an der Grenze zweier Welten, auf der einen Seite das Ghetto mit seinen be* engenden und drückenden Fesseln und auf der anderen Seite die weite lockende Welt. Es ist das Schicksal des jüdischen Volkes, das sich in diesen Einzelschicksalen spiegelt, des jüdischen Volkes, das die Grenzen des Ghetto durchbrochen hat und um neues Leben und Erneuerung seines Volksdaseins kämpft. Diese Essays sind interessant und lehrreich und bieten eine Bereicherung des Wissens um jüdisches Volkstum. Immerhin ergibt sich die Gefahr der Schematisierung einer gewissen Armut der Ideen zugunsten der einen Idee der Zusammenfassung, wenn man Vieles und Ver* schiedenartiges und nun gar Menschen, große Person* lichkeiten, unter einem einzigen Gesichtspunkt zusammen* fassen will, wenn man ihr Leben und Wirken von einem einzigen Punkt aus betrachtet. Eine Gefahr, die hier nur zum Teil vermieden ist. J. O. Der schwarze Tod. Eine Chroniß der Pest. Von Johannes Nohf. Gustav=Kiepenheuer=Verfag, Potsdam. Mit großem Fleiß wurde hier in ernster Forschung ein Beitrag zur Sittengeschichte Europas geschaffen. End* lieh liegt das so verstreute Material über diese Materie gesammelt vor,- durch die objektive Wiedergabe zeit* genössischer Dokumente wird ein grauenhaft großes Bild der finstersten Zeit Europas aufgerollt, das nicht allein den Laien in hohem Grad fesseln muß, sondern auch dem Forscher zum wohl brauchbaren Hilfsmittel wird. Uns interessiert Nohls Arbeit schon darum, weil sie erschütternde Beiträge zum Martyrologium des mittel* alterlichen Judentums bietet. Das Kapital über die Juden* Verfolgungen im Anschluß an das Auftreten der Pest, die Berichte von den Leiden ohne gleichen, aus denen unsere Vorfahren ihr Judentum bezeugten, gehören in ihrer objektiven Darstellung zu dem Besten, was über diesen Teil unserer Geschichte zusammengetragen wurde. Nohls Buch ist zu empfehlen,- mehr als fünfzig sehr interessante Bilder, die dem Buche beigegeben sind, lassen diese Empfehlung noch begründeter erscheinen. E. H. Seftsame Geschichten aus dem Lido Cßai des P'u Sung Ling. Äff Häger Ver Cag, Berfin. Alle Kritik dieses Buches kann man, scheint mir, in einem Worte zusammenfassen: fabelhaft. Es ist eines der besten Bücher aus dem Geschichtenschatz des Ostens. Es enthält Stücke, die den Stücken aus der Tausend und der einen Nacht gleichwertig sind <wenn auch ein Ver* gleich mit dieser Sammlung nicht so einfach zu ziehen ist). Diese Seltsamen Geschichten stelle ich höher als irgend eine andere der vielen Übersetzungen und Pseudo* Übersetzungen fernöstlicher Dichtung der letzten Jahre. Die Seltenheit, daß ein gelehrter Sinologe auch deutsch schreiben kann, die feinen, mitunter sonderbar bizarren und phantastischen Schwingungen der chinesischen Seele in nichtchinesischer Sprache darzustellen vermag, ohne ihr Zwang anzutun, das sei doppelt vermerkt in einer Zeit, da von Klabund bis zum Herrn Hauser jeder Unberufene Jagd auf östliche Literatur zu machen sich berechtigt fühlt. Der Verlag verspricht weitere neun Bände dieser Sammlung »Ex Oriente lux«. Wenn sie das halten, was dieser wirklich ganz vorzügliche erste Band verspricht, dann muß dieses Werk des Herausgebers und Uber* setzers Erich SaSmitt von jedem Freund östlicher Li* teratur unterstützt werden. Das erlesene Vergnügen aus 375

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