Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 361 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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GRETE WOLF-KRA KAUER LANDSCHAFT (GRAFITZEICHNUNG) GRETE WOLI VON FRITZ Diese Malerin hat sdhon mit neun Jahren zu zeichnen angefangen. Ganz bewußt und mit der Absicht, darzustellen. Älter geworden, hat sie die Kunstschule für Frauen und Mädchen besucht und dort bei Friedrich, Jettmar und Kurzweil zeichnen gelernt. Ohne sich allzuviel um die Lehrer zu kümmern, hat sich Grete Wolf an das Modell gehalten. Einen Monat war sie bei Tina Blau, der einzigen Malerin von Bedeutung, die Wien im vorigen Jahrhundert gesehen hat. Bei Tina Blau mag Grete Wolf verschiedene Rätsel der Farbe kennen und lösen gelernt haben. Dann ging sie zu Albert Weißgerber, dem im Kriege gefallenen münchener Freund des Matisse. Bei Weißgerber blieb sie das halbe Jahr 1912, um die folgende drei Jahre allein zu arbeiten. 1915 finden wir sie bei Adolf Hölzl in Stuttgart. Sie ist auf »die Walz« gegangen, sie hat dabei mannigfache Eindrücke empfangen, viel gesehen und viel Verschiedenes gelernt. Die Einflüsse der deutschen Lehrer sind an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Ich habe die Bilder der Grete Wolf zum ersten^ 7 KRAKAUER TUGENDHAT mal 1919 in der Ausstellung des »Bundes der geistig Tätigen« im Künstlerhaus gesehen. Ich erinnere mich noch an die entsetzten Gesichter der eingeborenen Künstlerhäusler. Sie standen vor den Bildern der Wolf und wackelten mit ihren Köpfen wie chinesische Götzen. Der »Bund der geistig Tätigen« verficht die Theorie, daß der geistig Tätige, d. h. Derjenige, welcher auf diese Bezeichnung Anspruch erhebt, aus eigenem Geiste schöpferisch, nicht fremden Geist nachbildend, wirken müsse. Vielleicht ist Grete Wolf durch überstrenge Exegese dieses Axioms zu rein abstrakter Kunst gelangt. Die Bilder, die in jener . Ausstellung zu sehen waren, schienen Darstellungen seltsamer Träume zu sein. Eine Welt von farbigen Kristallen türmte sich da inundgegeneinander. Gebilde einer mystischen Geometrie, durchzuckt von fremdartig zackigen Lichtstrahlen, waren in diesen Bildern gebaut worden. Selbstverständlich mußte diese Art malerischer Schöpfung unfruchtbar sein und auch die Malerin gelangte bald genug zu dieser Überzeugung. So wandte 361