Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 362 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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GRETE WOLT-KRAKAUER sie sich dem Porträt, der Landschaft, dem Blumenstück zu und hier sind ihr sehr schöne Arbeiten gelungen. Der Übergang vollzog sich nicht plötzlich. Im Bilde »Zwei Menschen« z. B. ist das Suchen nach der Form schon ganz offensichtlich. In die Mitte des Bildes sind, rot und blau, Mann und Weib gestellt eine Gruppe von großer Geschlossenheit, die sich schön in die Fläche fügt. Nach diesem Bilde, das noch einer expressionistischen Periode im Schaffen der Künstlerin zuzuzählen ist, erfolgt der Übergang zu jenen naturalistisch organisierenden Landschaften vom Traunsee, die in der letzten Graphikausstellung des Hagenbundes zu sehen waren. Daneben entstehen unter anderem Akte und in der GRETE WOLF^KRAKAUER BILDNIS (OEL) GRETE WOLF-KRAKAUER SONNENBLUME (GRAFITZEICHNUNG) Linie ruhig fließende Porträtzeichnungen, durchwegs Zeugnisse eines geschulten Auges, einer sicheren Hand und kultivierten, sich stetig entwickelnden Könnens. Aus dieser Zeit kenne ich auch einige Tierstücke, Blumenmalereien und Bewegungsstudien, wie die vielen Blätter zu Tänzen der Trude Brod. Schließlich fällt noch in die letzte Schaffensperiode der Malerin das hier reproduzierte große Ölporträt der jüdischen Schauspielerin M. Sch.=H., dessen dominierendes Blau sich sehr gut dem orientalisch bunten Muster des als Hintergrund dienenden Teppichs einordnet. Der Schwerpunkt des Bildes liegt in der plastisch herausgehobenen Helligkeit des Gesichtes der Schauspielerin. Die großen Augenbogen, die das Bild gewissermaßen gliedern, werden oben durch den Haaransatz, nach den Seiten hin durch den Übergang in die Wangenrundungen zusammengehalten. Aus diesem Kreis übergeht das Rechtedt des Halses in das tiefe, stark nuancierte Blau des Gewandes, das, kreisförmig auseinanderlaufend, eine in größere Maßstäbe projizierte Parallele zur Form des Gesichtes ergibt. Der Weg von dem Bilde »Zwei Menschen« bis zum letzterwähnten Porträt ist ein weiter Weg. Er führt aus einer noch ganz dem Gefühl ergebenen Gestaltung zum schöpferischen Werk im Dienste der gestaltenden Formen und Farben. 362