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Das Zelt · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 348

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 348 (sequence 13)
Language
German
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AUS DER WELT DER CHASSJDJM und der Engel des Vergessens wird auf der Anhöhe des ewigen Friedens ausruhen. Und das wird ein großer Schaden sein, denn, schon von der Pietät für die Vorfahren abgesehen, schwin* det mit diesem Friedhof eine Menge vonKunstwerten, Schnitzereien und interessanten Inschriften von erstklassigem Wert für die Geschichte. Aufeinem der Grabmäler ist Artemis mit dem Bogen geschnitzt, es ist das Grabmal des so oft erwähnten Abraham ben Chaim (gest. 1762), dessen Vater im Jahre 1706 einen sifBemen Löffef gespendet hatte, der zur Begießung der Toten dient, ehe man sie der Mutter Erde zur ewigen Ruhe übergibt. In diesem Löffel von ungefähr zwanzig Zentimeter Durchmesser ist auf der Innenseite ÄLTESTES GRABMAL AUF DEM JUDENFRIEDHOF LINKS: GRABMAL AUS DEM JAHRE 1543 eine Leiche, umgeben von vier Schädeln, einge^ stanzt, ebenso ist auf dem Handgriff ein Totenschädel ausgestanzt. Auf der Außenseite ist der Name des Spenders, das Jahr der Gabe (1706) sowie die entspre^ chenden BibeU verse: (Ezechiel XXXVI25) »Und will rein Wasser über euch spren^ gen, daß ihr rein werdet von all eurer Unreinigkeit...« und aus JesaiasXXXll 20. Der Löffel ist einzig in seiner Art und es ist mir bis zum heutigen Tage nicht gelungen, in irgendeinem jüdischen Museum einen ähnlichen zu finden. Er befindet sich im Schatze der jüdischen Gemeinde, in der einst der Spender dieses Löffels herrschte, Reb Chaim (gest. ijoj) und andere große Männer in Israel. AUS DER WELT DER CHASSIDIM VON CHAJIM BLOCH DAS AMULETT Rabbi Jakob Joseph von Polennoje besaß ein Amulett, welches der große Rabbi Naftali von Posen mit eigener Hand geschrieben hatte. Er zeigte es einmal dem Baal-Schern. Da sprach dieser: »Er hat es an einem Fasttage und nachdem er vorher ein Tauchbad genommen hat, geschrieben.« Nach einer Weile sagte er: »Glaubt mir, Rabbi Jakob Joseph, ich vermag ein solches Amulett in der Stunde zu schreiben, da ich nach dem Mahle bin.« Denn bekanntlich war der BaaUSchem ein großer Gegner des Fastens und der Kasteiung. * * ACHER• Als einmal auf Elischa ben Abujah die Rede gekommen war, da sprach der Baal-Schern: »Acher war ein Tor! Gerade er, der die Himmelsstimme vernommen hatte: ,Allen Menschen wird verziehen werden, nur dem Acher nicht', hatte, wie kein Zweiter jemals, die beste Gelegenheit, mit Uneigennützigkeit Gott zu dienen wie ein Knecht, der nicht des Lohnes wegen dient, um so zur wahrhaften Vollkommenheit zu gelangen.« * Acher <»der Andere«), Beiname für Elischa ben Abujah, der dem Kreise der Tanaiten angehörte <II. Jahrh. n. d. g. Z.>. Er fiel später vom Judentum ab und wurde zum Verräter an seinem Volke, zum erbitterten Feind des Gesetzes und bekam den Beinamen »Acher*. 348

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