Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 341 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JOSET 7LOCH eine Brücke mit ihren Bogen, ein Bahndurchstich, zwei nebeneinander sitzende Frauen, ein Fluß, ein Segelboot, ein Mann und ein Pferd, ein Hirt, die Luft über dem Meer: für alle hat Floch gesunde Augen, er behält sie im Gedächtnis, er sieht die überreiche Welt der Erscheinungen — das sind Formen. Weiß man diese Formen auszudrüdten, weiß man sie miteinander zu verbinden, weiß man ihnen Farben zu geben, so entsteht das Bild: eine Erscheinung. Eine andere als die von der Natur empfangene, aber eine andere, die den gleichen und, aus schöpferischem Augenblidt geboren, vielleicht einen höheren Wert und Sinn hat, weil sie vielleicht ein neues Gefühl vermitteln kann, ein höheres, erhabeneres Gefühl als die Natur es schenken könnte. Denn in der Natur ist das Chaos trotz der scheinbaren Ordnung immanent,- die Formen der Erscheinungswelt in Beziehung zu bringen, ihnen Farben zu geben, das ist das Werk des Künstlers, des Malers. Der Maler Floch hat sehr streng an sich gearbeitet. Sein uneingestandenes Leitwort ist Cezannes Satz, Cezannes kategorischer Imperativ: »Man muß immer Fortschritte, täglich muß man Fortschritte machen!« Josef Floch macht diese Fortschritte, von Bild zu Bild wird er stärker. Als diszipliniertester Maler von Wien hat der dreißigjährige Floch von allen Künstlern Wiens die schönste Entwicklung gezeigt. JOSEF FLOCH 341 KINDERBILDNIS