Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 340 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSET TLOCH Aber diese Zeichnungen für die Lithographien sind ein Sonderfall. Wenn er sonst zeichnet, tut er es wie die alten Meister: die Zeichnung repräsentiert nicht einen Wert an sich, sie ist stets nur Studie, Entwurf, Vorarbeit für das Ölgemälde. Aus diesen Zeichnungen wachsen sehr langsam, sobald die Farbe hinzukommt, die Bilder. Denn Zeichnung und Farbe sind, wie Cezanne sagt, nicht verschieden. In dem Maße als sich die Farben harmonisieren, verwesentlicht sich die Grundzeichnung des Flochschen Bildes. Wenn die farbigen Flächen den höchsten Reichtum an Farbigkeit erreicht haben, hat die Form ihre Fülle, die Gestalt ihr Volumen erlangt. Die Kontraste und Beziehungen der Töne: in ihnen liegt die Essenz der Farben des Malers Floch. Aus den Farben wieder wachsen unmerklich die Grundformen, welche die Sphäre ausfüllen und zur großen Form der figuralen Komposition zusammenklingen. Josef Floch will nichts als Maler sein. Ein Mensch, der sich durch Farben ausspricht. Worauf es ankommt/ ist hier, was alles ein Maler durch Farben auszusprechen imstande ist. Böcklin hat Märchen gemalt/ Max Klinger Weltanschauungen. Beide werden bald vergessen sein, denn ihr Werk ist literarisch, nicht malerisch. Aber sich an der Fülle der in der Natur vorßancfenen Tonnen zu versuchen, um sie malerisch, künstlerisch auszudrücken, ohne daß der Eindruck eines gekünstelten Werkes entsteht: darin liegt der Sinn der wirklichen Malerei unserer Tage. Die Linie eines Hügels, der Würfelblock eines Hauses, die runde Krone eines südlichen Baumes, 340