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Das Zelt · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 339

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 339 (sequence 4)
Language
German
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DAS Z E LT L JAHRG. 1925 HEFT 10 O O C H VON JOSEF KALMER Einige Stunden lang bin ich in der Galerie Würthle vor einem Bilde des Malers Floch gesessen. Eine Landschaft war das, rot, blau, grün, die er vor dem Motiv gemalt hat, wie er mir später erzählte, als ich in seinem Atelier wieder durch eine ganze Stunde das Bild betrachtete. Er hatte es nur als Skizze, als Übungsarbeit gewissermaßen gedacht und bewertet. Mir fielen die freudigen Farben auf, die ganze südliche Stimmung, in die das irgendwo in Triests Umgebung gemalte Bild getaucht war. Ich war fröhlich, solange ich dieses Bild betrachtete, in ihm war noch unsichtbare Sonne, ich empfand die Wirkung eines starken Eindruckes, den ein Maler gehabt hatte, der ihn stark zu vermitteln wußte. Als ich fortgegangen war — ich hatte noch viele andere Bilder zu sehen bekommen —, begann ich über Floch nachzudenken. Wie konnten bei einer Ölskizze die Farben und die Form so ausgeglichen sein? Und da erinnerte ich mich jener Bilder, die Floch in Holland gemalt hatte, jener Ziege fei am Teicß und der Baggermascßine, in denen er sich schon mühte, das Problem der Farbe zu lösen. Ich erinnerte mich an Bilder Flochs, an dieses Zwei SdSwesterti-B'ild zum Beispiel, in denen die blaue Farbe in allen Stufungen auf ihren Wert erprobt worden war. Ich entsann mich der palästinensischen Landschaften Flochs, in denen die Farben zueinander in Relationen gebracht worden waren, die ich nicht für wahrscheinlich gehalten hätte, wäre mir davon erzählt worden, und die ich möglich fand, als ich sie sah. Ja, ich fand sie mehr als möglich, ich fand sie schön, so harmonisch waren sie gegeneinander abgestimmt. Natürlich baut er den Raum aus den Farben, er hat keine Lichteffekte als die in und von der Farbe gegebenen. Seine Stärke aber liegt, von der Tonwertwirkung, die er meisterhaft auszunützen weiß, abgesehen, in der großen Form seiner figuralen Kompositionen, in denen Landschaft, Tier und Mensch und Ding zueinander in Beziehung gebracht werden. Ich weiß, daß er diese Form selbst gefunden hat, denn auf der Akademie bei Bacher und Rumpier hat er sie schwerlich erlernen können. Erstaunlich ist nur, daß Floch diese Formungskraft im Sumpfe Wien erlangen konnte. In den »expressionistischen Sumpf« ist Floch aller* dings, wiewohl ihm das der Kunstkritiker der führenden wiener Tageszeitung zumutet, nicht geraten. Vielmehr war das Streben des Künstlers immer vor allem auf Gestaltung und nicht nur — wie bei den Expressionisten — auf den bildmäßigen Ausdruck seelischer Empfindungen gerichtet. Das beweisen schon Flochs palästinensische Blätter aus der letzthin bei Benjamin Harz in Berlin erschienenen Lithographienmappe „Pafästina", in denen es dem Künstler gelungen ist, das Wesentliche der Landschaff des Heiligen Landes in ihren Zusammenhängen mit Mensch und Tier herauszuarbeiten. Die Qberfülle der Eindrücke wußte Floch in wenigen straffen Linien und Umrissen zu komprimieren, wodurch er dem Beschauer der Blätter eine Vorstellung jener Landschaft vermittelt hat, die nicht entstanden wäre, hätte der Künstler, statt straff zu komponieren, durch überflüssige Details ablenkend und verwirrend gewirkt. Die Zeichnungen vor seinen Lithographien, von denen »Das Zelt« im ersten Hefte einige reproduziert hat, haben ihre malerische Stärke, denn Floch ist vor allem Maler, und es hat ihm große Mühe gekostet, das Bild in rein graphischen Linien zu konkretisieren. 339

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