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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 324

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 324 (sequence 27)
Language
German
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BECALEL, DER ZÖLLNER DER RUSSISCHEN LANDE hier eröffnete der amsterdamer Buchdrucker Uri Toeßus Hafewi, der zum Stammvater der hebräischen Buchdrucker in Lemberg werden sollte, seine Offizin. Becal seihst konnte seiner neuen Gemeinde wahrscheinlich nicht viel Zeit widmen, hielten ihn doch zahlreiche Interessen in Lemberg fest, wo er in der Zollkammer »residierte« und die Rechnungen und Einnahmen der Zollstationen in der ganzen Rus, Podolien und Wolhynien kontrollierte. Man muß dessen nämlich gedenken, und es erinnerte daran in der Nationalversammlung <Sejm> des Jahres 1748 der Abgeordnete des ciechaner Bezirkes, der hochgeborene Herr Pulaski, »daß, als während des endlosen Türkenkrieges Podolien und die ukrainischen Wojwodschaften, vollkommen ruiniert, nichts für den Staatsschatz importierten und die Schatzmeister nur einen Eingang von dreihundert und einigen zehntausend Münzeinheiten anzeigten, der Jude Becafaufstand, wefcßer insgesamt viermafßunderttausend zu geßen si<£ erßot.« <Konopczynski: Sejmdiarium vom Jahre 1748, Seite 79.) Der Schatzmeister war über dieses Anbot hoch erfreut, und von diesem Zeitpunkte an pachtet Becal den Zoll auf allen südöstlichen Zollstellen des Staates und kontrolliert als Pächter die Beamten und Intendanten dieser Stellen, gibt Quittungen aus und kassiert Rechnungen ein. Schon sein Titel zeigte, welch hohes Amt er versah. »Jakob Becal, Administrator der Kronzölle seiner königlichen Majestät« oder lateinisch »Bezal Jakobus theloneator sanctae regiae majestatis et rei publicae, admini» strator in Rusia«. Die von ihm ausgegebenen Schriften haben den Charakter öffentlicher Dokumente: »Jakob Becal, Zolladministrator seiner königlichen Majestät« — lesen wir zum Beispiel in einer von ihnen aus dem Jahre 1688 — »kund und zu wissen tue ich jedem, dem davon zu wissen ziemt, daß die ehrenwerten Herren Nikolaus Michalewicz, seine Gattin und die Nachfahren des verblichenen Eustachius Gieorgiewicz usw. usw. ich aus den Akten über die Einhebung der Maut von den orientalischen Kaufleuten nach Erlöschen der Pacht der klementower, horodynsker, sniatyner, czernobylskier, lucker und anderer Zollstationen, welche deren Machtbereich in den Jahren 1680 und 1681 unterstellt waren, . . . kassiere und streiche. Geschehen in Lemberg, auf der Kammer, meiner ZolU residenz, am Tage des 14. Januari 1688.« Ein andermal beurkundet Becal, »daß er von Herrn Lukas Winkler, Superintendanten der kleinpolnischen Zölle sowohl die Zollregister seiner Majestät des Königs, als auch Schatzrechnungen, Auszahlungsassignaten sowie die gebührende Percente aus den Rechnungen des Staates usque ad ukimam Juni anni 1693 empfangen, mit deren Übernahme er aus allen Ansprüchen der Zolladministration quittiert, zum Beweis dessen er sich eigene händig neben dem Siegel unterschreibt« . . . Diese hohe Würde, versehen durch einen Juden zu einer Zeit, in der die anderen Juden wie über^ haupt die Andersgläubigen nur Ungläubige waren und im Staube vor Jedermann krochen, der nur die Stimme über sie zu erheben sich getraute, war eine seltsame Erscheinung. Der ruthenische Kleinadel, der auf den Grenzstraßen durch die ZolU Stationen zog, mußte sich dem Juden oder seinen Knechten ausweisen, daß es eigene Waren waren, die er führte, und die Einwohner von Lemberg, denen man unverzollte Waren nicht selten an der Maut selbst konfiszierte, schäumten vor Wut. Im lemberger Rathaus, auf den herrschaftlichen Schlössern und den Höfen des Landadels erzählte man über diesen Juden schreckliche Dinge: »er sitze in der Kammer und habe ein Kruzifix unter der Bank, und wenn ein Ritter vorbeikomme, nehme der Jude das Kruzifix heraus, reiche es zum Schwüre und werfe es dann geringschätzig unter diese Bank.« Das Volk glaubte solches gern und willig, es stellte sich vor, daß dieser Becal — der Millionenherr — selbst irgendwo »bei den Mautbalken an der Chaussee« sitze und bei den Vorüberfahrenden den Mautgroschen einhebe. In jedem Juden, der den Brücken¬ oder Weggroschen nahm, sah man »Becal«, jenen schreddichen Räuber am Staate. Die Magistrate der königlichen Städte fragten eilig bei der lemberger Schwester an, was das doch für ein schrecklicher Jude sei, und der Schreiber der Stadt Lemberg gab traurig zur Antwort, daß jene unwahrschein= DIE SYNAGOGE IN ZÖLKIEW 324

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