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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 323 (sequence 26)
Language
German
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BECALEL, DER ZÖLLNER DER RUSSISCHEN LANDE VON DR. MEIER BALABAN Matitjahu Straszun, der Begründer der berühmten jüdischen Bibliothek in Wilna, erzählt in seinen Annexen zur »Geschichte der Wilnaer Juden«, er habe in irgendeiner alten Chronik nachstehende Erwähnung gefunden: »Ein Mann war, und er nannte sich Becafef, der in den Augen des Königs Johann Sobieski Gnade fand und zu jenen gehörte, die Zutritt zum Palaste hatten. Die Polen nannten ihn Mordecßai IL, und auch die Königin war ihm sehr gnädig.« Viele Hofjuden vulgo Makler hatte Johann III. Sobieski, mehr vielleicht noch als alle seine Vor^ gänger auf dem polnischen Throne. Der Titel des Maklers (»Faktor«) war zu jener Zeit der Intoleranz der höchste, den ein Jude erlangen konnte,- die Reichsten bemühten sich, ihn zu erhalten, da er ihnen doch wenigstens die persönliche und die Sicherheit des Besitzes verlieh. Der Hof- oder königliche Faktor stand unter dem Schutze des Hofmarschalls und unterstand, wenn er vor Gericht geladen wurde, nur dessen Gerichtsbarkeit. Faktoren waren die jüdischen Krösusse in Wien, welche die türkischen Kriege finanzierten: Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer,• dieser Letztere war nicht nur Faktor des Kaisers <Oberhoffaktor), sondern auch Faktor der polnischen Könige. Von den pol* nischen Faktoren Johann III. kennen wir Hermann Salomonowicz, Benas Abrahamewiez, den krakauer Juden Pesach Lewkowicz, Abraham Nasanowicz Rebec und viele Andere. Am 16. Juni des Jahres 1675 ernennt Johann III. in Jaworow den krakauer Juden Joachim Pacanowski zu seinem »servitor... digaum uaui aulae nostrae judicantes« ... <Relationes cracovienses. Band 101, pag. 647. Stadtarchiv in Krakau.) Das königliche Privileg für Joachim wiederholt Andrzej von Skrzynn Dunin Karwicki als Bürgermeister der Stadt Krakau, indem er »allen gemeinsam und jedem einzeln« zur Kenntnis bringt, daß Pacanowski ausschließlich der Jurisdiktion des Marschalls untersteht. Neben diesen Titularfaktoren gab es einen, der dem König wirklich nahestand und an dessen Hofe Bankiersdienste verrichtete. Es war das Jakob Becafef Ben Nathan, oder wie man ihn allgemein nannte Becal. Woher dieser Becal stammte, ist unbekannt, wir können nur feststellen, daß sein Vater während eines Kosakensturmes ermordet wurde, woher sein Beiname »der Heilige, oder der Märtyrer« stammt. Um das Jahr 1685 siedelte sich Becalel in Zölkiew an und erhielt hier das Heimatsrecht in der jüdischen Gemeinde. Am 10. Tamuz versammelten sich die Ältesten der zolkiewer Gemeinde unter dem Vorsitze ihres Rabbiners Hilel Naftalewicz und hier wurde der Akt der Cßaza^a für den »Herrn und Fürsten Becalel, den Sohn des Märtyrers Natan« gezeichnet, in welchem man Becalel verpflichtete, auf alle Privilegien, seien es solche des Königs oder des jüdischen Rates, zu verzichten, sofern sie mit den Rechten der jüdischen Gemeinde kollidierten, weiters alle Gemeindesteuern zu zahlen und alle Lasten zu tragen, genau wie die anderen zolkiewer Juden. Und dieser Privilegien hatte Becal ziemlich viele. Vor allem war er königlicher Faktor, unter* stand also einer anderen Gerichtsbarkeit als die übrigen Juden, weiters war es nicht gestattet, ihn zur materiellen Verantwortung für die Schulden der Gemeinde zu ziehen, zu der er gehörte, er wohnte in einem königlichen Hause, also außerhalb des Territoriums der Judengasse usw. usw. Angesichts seiner Glaubensgenossen aber wollte Becal aus diesen Privilegien keinen Nutzen ziehen und entäußerte sich ihrer, wie man es von ihm verlangte. Dafür wählte man ihn auch schnell zum Aufseher der Hauptsynagoge und im Jahre 1689 sogar zum Vorsteher der zolkiewer Gemeinde. Becal nahm diese Ehrungen an, offenbar freute er sich über sie, sie schmeichelten seinem Ehrgeize, aber er hatte keine Zeit, die mit ihnen verbundenen Ämter zu versehen. Aus diesem Grunde bedang er sich auch schon bei seiner Wahl zum Gemeindevorsteher aus, daß ihm gestattet sei, sich durch seinen Schwiegersohn Henoch vertreten zu lassen, wenn er selbst verhindert sei. Nur wenn es sich um eine wichtigere Angelegenheit handelte, um eine Intervention beim König oder großen Herren, machte er selbst die Bittgänge. Seiner Intervention verdankt die zolkiewer Gemeinde vermutlich ihre Privilegien für den Bau eines neuen Gotteshauses im Jahre i687 sowie die Approbation dieses Bauwerkes im Jahre 1692 durch den lemberger Erzbischof Lipski. Tatsächlich erstand gegen das Ende des XVII. Jahrhunderts in ZöJkiew eine herrliche befestigte Synagoge, die heute noch eine Zierde der Gemeinde und der Stadt ist. Und rings um dieses Gotteshaus gruppierte sich das Leben der Juden, das zu jener Zeit sehr rege und üppig war. Hier in der Nachbarschaft des Königs, der hohen Herrschaften und der Funktionäre des Hofes wohnte der jüdische Arzt Emanuef de Jona, 323

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