Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 9 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 322 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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KOKOSNUSS der Ring, der Ring von Gibeon, den er wieder hielt zwischen dankenden Gebeteshänden. Derweil noch seine Lippen zu leisen Worten ge» teilt waren und im Innern seiner Lider noch einmal der Rauch des Höhenopfers stieg, bei dem er den Herrn um die rechte Weisheit des Fürsten gebeten hatte, krochen hervor aus Winkeln und Ecken die Mäuse und Ratten des morschen Gemäuers und fraßen den schweren Balken entzwei, der die Türe der Zelle versperrte, und hindurch schritt Salomon der Aussätzige, zu Gott erhobenen Hauptes. Ehe aber die Häscher und Wächter den Flüchtigen greifen konnten, waren, schnellfüßiger als sie, an die Seite des Bettlers alle wilden herrenlosen Hunde der Stadt gelaufen, mehrhundert an Zahl, die sperrten den Weg von ihm zur Menge mit ihren dampfenden, klaffenden Gebissen ,• soviele auch die Bogenschützen erlegten, immer neue strömten aus allen Richtungen herbei und sicherten Salomon den Weg zum Palast, daß vor ihnen die Hüter des Tores entflohen und er, ohne Menschenangesicht zu erblicken, bis in die Kammer gelangte, in der Asmodei, froh des baldgerichteten Feindes, den Schlummer auf sanftgeschichtetem Lager suchte. Kraft seines Ringes bannte der König den Dämon, nahm an sich seine frühere Gestalt, Kraft und Schönheit. Behielt aber als Geheimnis verborgen des Frevlers Schuld, daß Keiner darum wußte, denn Gott. Also herrschte er wieder als mächtiger König in Israel und war ein milder und rechter Führer seinem Volke. Sein Gericht war das weiseste und ange« sehenste, das je in der Welt gehalten war, denn ihm graute des Richtspruchs. Bald darauf geschah es auch, daß Gott ihm sagte: »Salomon, baue mein Haus.« Dieses tat er mit großer Freude und legte noch im selben Jahre Fundament und Gerippe des Gemäuers. Und im nächsten Jahre entstand der Vorhof, das Tor und die mächtige Halle. Und wieder ein Jahr, so waren Wände und Fliesen geziert mit reicher Arbeit vielhändigen Fleißes und über Davids getürmte Stadt ragte die goldene Kuppel. Im Allerheiligsten war bereit auf mächtigem Anstieg der Altar. Dahin trugen im vierten Jahre erwählte Männer des Priestertums die Hütte des Bundes, das heilige Gerät und den Stein, wie Moses befohlen hatte, unbehauen, ohne Spuren menschlicher Hände, trugen ihn hinab von der Höhe Gibeons in den Chor des Hauses unter die Flügel der Cherubim. Und der Herr weilte an diesem Tage in seinem Hause, eine Wolke. In den Stein aber vergrub in tiefer Nacht Salomon den Ring, den goldenen Reif um den bräunlichen Karneol, in den röter noch die vier Buchstaben des heiligen Gottesnamens gegraben waren, und hob darüber die Bundeslade des Herrn, an der fürder kein Sterblicher rühren durfte, bei Strafe des Todes. KOKOSNU SS VON FRANTISEK GOTTLIEB Liegst auf dem Tische, reglos hingewälzt, du: Ostens Frucht! Von deiner Heimat weit ist dieses Land entfernt, über die See in feuchtem Verschlag bist du gepilgert, über Meer, über fremdes Land, dennoch duftest du nach der Heimat, nach dem heißen Boden des Ostens, du meine Nuß! Wenn ich dich wäge in den kalten Händen, der Tropen Sonne saug ich da in midi. Im Winde wie dein mütterlicher Zweig wiegen verzückt sich all meine Sehnsüchte und mein Gedanke, du meine Nuß! Ich schaukle dich,- und üppig rauscht dein Saft, er plätschert tückisch und er raunt mir zu: mir scheint es, wenn ich in cjen Händen deinen Quastbart glätte, ich klammre sie ums Haupt des Widersachers, und daß zu mir ein unbekannter Haß singt, der voller Gier gesättiget sein will, du meine Nuß! So daß ich dann schon nicht mehr anders kann: ich schleudre dich aus allen Kräften fort, daß deine Hülle tausendfach zersplittert und daß dein weißes Blut durchs Zimmer spritzt! Mein Neid will erlöst werden und das große Leid, daß du in rasender Sonne gewachsen bist und ich sie nicht kennen gelernt habe, daß du auch in der Fremde noch nach Heimat duftest, von Erinnerung schäumst, Palmennuß, Schicksal, mein Widersacher! <AUS DEM TSCHECHISCHEN ÜBERTRAGEN VON JOSEF KALMER> 322