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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 321 (sequence 24)
Language
German
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SALOMONS RING heit der vollkommenen Einsicht in das Gute und des vollkommenen Wissens um das Leid des Menschen? Und Allgütiger, ist nicht Dir allein diese Einheit gegeben? Wie magst Du, der meiner Leiden Maß ermißt, so grimmig meiner Schuld gedenken? Ich war König über ein mächtiges Reich und verteidigte eifersüchtig seinen Glanz gegen jeden Schänder,- gefiele es Dir heute mich zum Herrscher der Erde zu machen, ich würde nicht wagen, um ihrer Herrlichkeit willen den Jammer des letzten Frevlers gering zu achten. Und Allgewaltiger, Deine Glorie sollte bedürfen, daß meiner Strafe nichts abgelassen werde?« Während er all diese Worte schrie, lachten vor dem Gitter die Männer und Frauen in den königliehen Gärten und riefen einander zu: »Seht ihn hadern mit Gott, den Bettlerkönig von Israel.« Lachend wie Alle, teilte ihre Häufung der Aufseher, trat hinzu und hielt Salomon auf langer Stange, wie wildem Tier der Wärter, das Mahl seines letzten Tages hin, ein Stück faulen Fisches, das übel stank. »Hier, mein königlicher Herr, die köst^ liehe Mahlzeit, wie recht so geziemt Ihrer hohen Majestät. Daß es Euch schmecken möge, wünscht Euer demütiger Diener Salomon, der auf dem Thron von Israel sitzt.« Diese Rede freute das Volk sehr, denn sie gedachten mit Stolz der gewaltigen Macht des Königs, den sie hatten. Salomon aber antwortete ihm: »Sage dem, der Dich gesandt hat, den Du Salomon und König nennst, daß ich die Speise nicht verschmähe, mit derer mich höhnt, noch ihm anrechne seine peitschenden Worte. Da ich doch das Leben nicht verschmähe aus der Hand des mächtigern Königs, der mich durch ihn verhöhnt, und nicht rechten kann mit ihm, wenn er mich züchtigt«, und er brach den Fisch, sosehr der Gestank seiner Fäulnis ihn widerte und ließ das Volk lachen/ weil er kaute, was der Hyäne zu schlecht gewesen wäre. Plötzlich schrie er auf und fuhr einem Schmerz nach mit zwei Fingern in den Mund. Die Leute riefen sich zu: »Seht, seine Zähne sind faul wie der Fisch, sie fallen ihm aus dem Kiefer wie die Läuse von seinem Kopf.« — Aber es war kein Zahn, den er blutrot aus dem Munde zog, sondern GEORG MERKEL SELBSTBILDNIS 321

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