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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 320 (sequence 23)
Language
German
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SALOMONS RING dem Herrn Rede stehe und die Wendungen künftiger Tage vermelde. Es blitzte der Fisch aus dem Wasser zum Land, öffnete den ewig verschlossenen Mund und sprach: »Hüte Dich, Asmodei, denn nicht einen Tag länger als der Wille des Herrn wird die Prüfung seines Knechtes Salomon währen!« Und während der üble Betrüger Zorn über diese Drohung mühsam bezwang, schnappte der Hecht nach dem Ring zu seinen Füßen, verschlang den magischen Reif und verglitzerte damit in der Tiefe des Meeres. Der Neugier erwiderte Asmodei, als seine Wangen sich wieder belebten: »Der Künder der Tiefe hat mir versprochen, daß über ein Jahr Ihr mein lieber Gast sein werdet wenn meines Reiches Herrlichkeit am höchsten sein wird.« Aber sein Herz war bange und er drängte zur Heimfahrt, denn alles Bedrohliche ahnte ihm, seit er den Ring von Gibeon nicht mehr besaß. Salomon aber versah unerkannt als der Knechte Letzter an König Hirams Hof alles was die Sklaven zu tun verschmähten und er war es, an dem die ewig Geknechteten Rache nahmen für ihre schlechte Geburt, für ihr mißachtetes Leben, ihre Striemen^ narben und eingebrannten Zeichen, für ihre Willen^ losigkeir, und dafür, daß nicht das Kleinste ihr eigen war. Sie bürdeten Salomon mehr Arbeit auf als er ohne Nachtschlaf bewältigen konnte, schlugen ihn, wie man sie schlug, warfen ihm die Knochen aus der Hundeschüssel zu und Keiner war unter ihnen, der ihn eines Wortes würdig befunden hätte. Darüber zehrte Gram und Krankheit an seinem Fleisch, daß es abnahm vom Morgen zum Abend und jede Kraft seinen Armen entströn te. Auch verloren seine Augen ihre Schärfe, die Bereitwilligkeit seiner Ohren versagte. Bald meinte er, würde er sterben müssen und es riß ihn jähe Sehnsucht ins Knie, noch einmal zu schauen Jerusalem, die heilige Stadt, die Anhöhe von Gibeon mit dem Altar seiner frühen Gebete, das Blumental von Ajalon, und Sichern, die Grabstätte der Väter. Darüber grub er vor Kraft des Schmerzes tief die Fingernägel seiner Rechten in die Schwären seiner Linken und hob zitternd, wie zu letztem Gebet, zum Herrn seine Arme, die schmal geworden waren wie die verhungerter Knaben. Und vergaß seines Schwures, seines dämonischen Feindes und der Strafe des Todes über seinem verurteilten Haupte und entlief dem phönizischen Hof und hungerte sich, bettelte sich durch die Dörfer, die Wegraine entlang lief er, nächtigend im Wald, ein Gespenst dem einsamen Wanderer,- und überstieg den Kidron, was ihm verboten war, und durcheilte, von Liebe zu Tode geschwellt, Samaria, das blühende Land, des Edrons Gebirg und die Ölwälder Hebrons bis auf die Höhe Gibeons, auf der die Bundeslade stand, das heilige Gerät und die nie verlöschende Flamme. Hier aber erblickte ihn Jojathan der Priester, der allezeit seinen Befehlen aufs Wort getreu gewesen war, und eilte rasch herzu, ihn zu fangen, wie jedem Bürger geboten war, dem Verbannten zu tun. Salomon aber mit letzter Kraft des Ersterbenden, ohne Atem mehr, noch Pulsschlag, umklammerte blutleerer Finger die Hörner des Altars, den Trost des Verfolgten. Der König aber hatte geboten, ihn zu fangen, wo immer man ihn fände, und deshalb zögerte Jojathan nicht, die krampfigen Finger von den Hörnern abzubiegen und in Fesseln zu schlagen, ebenso die geschwollenen Fußgelenke des Aussätzigen und ihn so zur Stadt einzuführen in den Kerker^ türm zwischen den königlichen Gärten. Dort saß der König für den Rest seines letzten Tages, denn am nächsten Morgen sollte ihm der Holzpflock aufgerichtet werden, das Urteil des Gerichtes zu vollstrecken. Er saß hinter eisernem Gitter und an ihm vorbei gingen die Männer und Frauen <weil ihnen die Gärten an diesem Tag geöffnet worden waren) und hatten ihren Spott daran zu sehen, wie der Rest seines Leibes von Todesfurcht durchschüttelt war. Und sie spieen in sein Gesicht des namenlosen Schmerzes. Errief: »Oh, mein Gott, Entsetzlicher, unergründlieh in Deinem Haß, wie in Deiner Gnade! Gibt es in Deiner Erde noch eine Pein, der Du mich aufgespart halten könntest? Hast Du ein Grauen, das meinem Herzen neu ist, eine Schmach, für die mein Rüdten zu steif geblieben ist. So wirst Du das Wunder wirken, das meine Tage verlängert, auch die letzte Qual zu erleben. Bin ich aber sdion heute das elendste aller Deiner Geschöpfe, daß am Brand meiner Schmerzen Dein Zorn kalt wurde, also daß ich bald werde eingehen dürfen in das Haus des Todes, wie Du mir bestimmt hast, so antworte mir hier oder dort, was ist es, für das Du so maßlos mit Deinem Haß mich verfolgst? Ist es nicht jedes Sterblichen Teil, daß er sündigt wie er lebt, und sein verheißener Anspruch, daß Du seiner Sünden gering achtest um Deines Namens und seines ehrfürchtigen Herzens Willen? So sagen von Dir alle Propheten und auch mir hast Du Deine Gnade zu schauen gegeben an vielen Sündern. Warum aber bist Du mir strenger als Allen, als dem Niedrige geborenen, dem Heiden, dem Sohne der Hure? Was ist es für grausames Maß, mit dem Du meine Schuld allein zu messen Dir vornimmst? Oh, A1U gerechter, was ist Gerechtigkeit, wenn nicht die Ein- 320

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