Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 9 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 319 (sequence 22)
- Language
- German
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SALOMONS RING mir von Deiner Tafel den Segen des Überflusses, der Dir verderblich würde, und die bescheidenste Kammer des geachteten Hauses, in das Du die Schritte Deines Feierabends lenkst.« Der Fremde prüfte lange in Salomons Antlitz, dann sprach er, ohne zu spotten: »Der Bettler vor meinem Hause bekommt den Überfluß meiner Tafel wie ihm gebührt. Der Obdachlose findet den Schutz meines Daches, so er daran anpocht. Aber von Wahnwitz und Hochmut weiß ich meine Schwelle des einfachen Mannes rein zu halten. Willst Du, daß ich Dich König nenne, so zeige mir Deinen Mantel, Dein Schwert oder Dein Siegel«, und gab die Gerte seiner Eselin, daß sie mit ihrer guten Last von dannen trabte. Wieder verbrachte Salomon die Nacht ohne Dach zwischen Weinberg, und Ackerland und schrie die Qual seiner Verstoßenheit an die Sterne: »Ist es Dein Wille, mein Gott,« rief er, »daß ich vergessen soll, wie Du selbst mich hast gewählt und eingesetzt zum König über Dein Volk und anwesend warst im Raum, wo der Prophet das Salböl auf mein Haar verschüttete? Soll ich der Herrlichkeit vergessen, mit der Du mich begnadet hast zum Ruhm Deines Namens, damit Du mir heute verstattest soviel als Du den im Wald gelassenen Tieren zuteilst, so will ich Dir gehorsam sein.« Und als es Morgen wurde, berief er aufs neue seine hinwelkenden Glieder zum Dienst und schleppte sich die Straße hinab bis an die reiche Stadt Tyrus, die am Meere liegt und in der Hiram herrschte, der mächtigste Nachbar, der noch wenige Wochen zuvor dem Salomon prächtige Wagen mit silber« geschirrtem Gespann geschickt hatte, wenn es ihm gefiele, ihn nach dem Brauch befreundeter Staaten zu besuchen,- daran gedachte sein Herz, wie er nun, siech und ausgehöhlten Leibes, die Stufen des könig« liehen Palastes umging, die hinauf, hinab belaufen waren von Bedienten, die sich mühten, mit Kränzen und Laubgewinden, Kissen und Decken ein Fest zu bereiten. Aber er verschwieg ihren Fragen wer er sei, schritt hinter die Mauer zu dem breiten niederen Haus, darin das Gesinde gerade sein Mahl bereitete, gesottene Fische und ein Lamm am Spieß. Hier klopfte er an die Türe und sprach: »Seht mich an, Ihr Zufriedenen, ein Bettler bin ich, der Elendsten Einer, zu all meiner Armut bin ich noch krank. Gebt mir, was Euch nicht mundet, eh daß Ihr die Hunde ruft, denn es ist lange her, daß mich hungert.« Der Oberaufseher kam zu ihm, prüfte seine Gestalt und sagte : »Faulpelze haben wir genug im eigenen Land, die dem Fleißigen den Lohn seiner Arbeit ab« betteln, kommen sie uns nun auch aus der Fremde zugelaufen? Hier hat Jeder sein richtig gemessenes Teil, an der Arbeit wie am Mahl. Der König ist reich und kann viele Eifrige ernähren. Wollte er den Müßigen den Bauch stopfen, wäre er bald ein Bettler wie Du.« So neigte denn Salomon das Haupt und bat um sein Teil an Arbeit und Lohn. Der Aufseher meinte, zum Dienst im Hause nicht, wohl aber zur Sorge der Stallungen könne er ihn brauchen, zur Säuberung der Tröge für Pferde und Rinder und zur nächtlichen Wacht. So gut er es denn ungeübt vermochte, reinigte der König mit Besen und Schaufel und gekrümmtem Rücken die Ställe vom Kote des Viehs, schichtete den Widerspenstigen, die nach ihm schnappten, Stroh für die Nacht und wusch die Gefäße, in die man ihr Futter schüttete. Am Abend saß er dann, vor Dieben zu wachen, bei den heim« gekehrten Herden und nagte an den Knochen, die man ihm zugleich mit den Hunden gereicht hatte, während im fackelerleuchteten Vorhof der König Hiram den Dämon Asmodei als vielgeehrten und gefürchteten Nachbarn empfing. Es lag Salomon der Aussätzige, zwischen Pferd und Rind, auf dem übel« riechenden, stachligen Stroh, ohne Bettuch und ohne Zudecke, als Asmodei, gestützt auf zwei perienge« schmückte Sklavinnen, den Rhythmen der griechischen Knaben zusah, die Hiram Fremden nur ungern zeigte, und zugleich alle versammelten Weisen und Vielunterrichteten des Landes durch die Schärfe seines Verstandes und Kenntnis verborgener Dinge um die Anerkennung ihrer Schüler brachte. Schon war Salomon mit erstem Morgenwind aufs neue bei seiner Arbeit des verachtetsten Knechtes, da führte der König Hiram seinen Gast Asmodei im chrysantemengeschmückten Phaethon an die Küste des Meeres, daß ihn die Kühle des morgenlichen Wasserwindes nach überhitzter Nacht erfrische. Einem Hasen, der bis an die Räder des leichten Gefährtes sprang, nahm Asmodei die Botschaft eines Sieges Hirams über seine nördlichen Feinde ab, und gleichzeitig mit dem ersten grünen Meeresstreifen sahen sie auch schon die Freudenflaggen gehißt auf heimkehrender Barke. Weil aber Hiram diese un« erhörte Kenntnis seines Gastes im Ringe vermutete, den er am Finger trug, den Karneolring mit den vier Buchstaben des heiligen Gottesnamens, prahlte Asmodei mit der Größe des. eigenen Verstandes und tat ab den Reif, den Salomon auf der Höhe Gibeons gefunden hatte und legte ihn zu seinen Füßen auf den Strand des Meeres vor der Stadt Thyrus,- und rief, der Dämon, den Hecht, dessen stählerner Leib durch die Wellen schlüpfte, daß er 319