Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 9 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 315 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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SALOMONS RING GEORG MERKEL DER VERLORENE SOHN Wirtschaftshöfe zu folgen, wo rasch herbeigelaufene Knechte vom Rücken der gefügig niederknienden Tiere die Säcke voll köstlicher Gewürze, seltener Salben, farbiger Schleier, dünner als Morgennebel, Schnallen, Spangen und Stickereien nahmen. Die Vorratskammern des Königs, weite Bauanlagen hinter seinem Schlosse, eine Stadt fast für sich, reichten bald nicht mehr, die Ballen und Säcke, die Kisten und aufgeschichteten Stöße zu fassen, man hatte begonnen, unterirdische Gänge zu graben und große, hohe Kellergewölbe auszuhauen. Es hieß, der König schreite, wenn er seine Zimmer durchquere, über ein Vorratslager, das groß genug sei, eine belagerte Stadt ein Jahr lang ohne Verkürzungen zu erhalten. Und in Wahrheit war sein Besitz unendlich. Denn ihm waren alle Goldadern im Bauche der Erde kund, und wo sie eifersüchtig ihre schönsten Edelsteine in unauffindbaren Höhlen verbirgt. Für ihn arbeiteten tausend unsichtbare Geister und lange lagen die edelfaserigen Hölzer und die schöngefleckten Marmorsteine zum Baue des versprochenen Tempels bereit, dessen alle Frommen mit Ungeduld harrten. Aber zu seinem tiefen Schmerze war es noch nicht geschehen, daß Gott ihm gesagt hätte: »Salomon, bau mir mein Haus.« Aber so groß war seine Macht und das Glück seiner Tage so leuchtend, daß Asmodei, der gewaltige Dämon, vor Neid entbrannte, an seiner Stelle zu sein. In einer tiefen Nacht, die Salomon bei der schönsten der Dirnen lag, die ihm der Perserkönig ein weniges zuvor gesandt hatte, und entschlafen war zu zärtlicher Ruhe in ihren Armen, schlich 315