Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 9 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 314 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Adonijah 1× ep/1003245
- Joab 1× ep/1005321
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SALOMONS RING war, mit Freudenpauken, Zimbeln und Gesängen dem falschen Thronerben zu huldigen. Ketten buntbehangener Jungfrauen, zu symbolischen Tänzen verschnörkelt, sperrten dem Eilenden die Straße zum Palaste des Königs. Den Marktplatz konnte er nicht überschreiten, denn das Volk hatte an den vier Ecken Freudenfeuer an großen Stößen geschichteten Holzes entzündet, Kinder kamen spielend den wehenden Flammen zu nahe, Mütter zerrten kreischend die Versengten zurück durch die stauende, quetschende Menge. In dunklen Torbogen oder gedeckt von bläulichen Sykomorenstaudensah der Königssohn die verhaltenen Gesichter seiner Feinde des Augenblicks harren, wo Keiner der Weinbetäubten merken würde, wenn Einer ins Feld geschleppt und erschlagen würde. Ihr dunkles Geflüster zu verstehen, spannte er das Ohr. Da lenkte ein dünnes Zirpen seine Aufmerksamkeit zu Boden und ein Eidechslein äugte aus schmaler Mauers ritze: »Folgemir!« und huschte vor seinem Schritt um die nächste Häuserecke, durch die Gassen der Armut zur Hütte des greisen Propheten Nathan, der dem Feste fern geblieben war. Und blieb auch, die kleine Tochter der heißen Steine, Führerin der Beiden bis an das Ohr des greisen Königs, den der Frevel des ungeliebten Sohnes ergrimmte, und der daran endlich erkannte, daß er, also leicht zu betrügen, zu alt war, ein ungebärdiges Volk zu leiten. So saß, ehe die Sonne untergegangen war, Salomon, ein junger König, auf dem Thron seines Vaters und beherrschte Israel, während gnadeflehend der übermütige Bruder die Hörner des Altars umklammert hielt. Es starb ein Kleines darauf David der Greis und hinterließ dem Erben ein wohlgerundetes Reich und ein Volk voll begeisterter Liebe für seinen König. Und wie konnte es anders sein? Ehedem waren sie eine unscheinbare Horde gewesen, hatte Jedes bloß ein Stück Land und Rinder, soviel es zu seiner Nahrung brauchte, und sie gehorchten Niemand als der Stimme Gottes aus dem Mund seiner Priester. Aber ihr Besitz hatte sich vermehrt, besonders an Vieh, es gab mehr Arbeit als Arme,- da hatten sie Kriege geführt, um Sklaven zu gewinnen — und diese Sklaven waren störrisch, die Nachbarn des Reiches voll Rachsucht. Darum hatten sie einen König verlangt wie die Heiden, der ihren Streitigkeiten vorstünde. Und der König hatte ihre Söhne zu Soldaten genommen und ihre Töchter zu Kebsen, er forderte Steuern und harte Dienste, aber er führte ihre Kriege und hielt ihre Sklaven im Zaun. Und deshalb liebten sie ihn. Und Salomon schonte seiner Widersacher nicht. Es fiel durch die Schärfe seines Schwertes Adonia, der ihm hatte um Krone und Erbe bestehlen wollen, und Abjathan, der mit ihm gewesen war, wurde erschlagen zwischen Weinberg und Festungswall von Jojathan, dem getreuen Priester des Königs,- Joab desgleichen, auf dessen Haupt noch Blutschuld lag aus den Tagen des Davidsverbannt wurde bei Strafe des Todes der Sünder Simai, und wurde hingerichtet, als er es dennoch wagte, den Kidronfluß zu überschreiten. Es war aber bei allem, was er an seinen Feinden tat, die Macht des Ringes dabei, daß keine gegen ihn entbrannte Wut ihm Leides tun konnte, und daß jeder Anschlag gegen sein Leben ihm verraten ward, ehe die Sonne sich neigte. Ihm war kund alles verborgene Gespräch hinter verschlossener Tür, er las die Schrift in versiegelter Rolle ,• ihm sprachen Vogel und Fisch und die Geister, die über den vier Elementen herrschen. Der Verbrecher vor dem hohen Stuhle in der Sommerlaube wußte seine Tat erraten, ehe er zu Lüge und falscher Aussage den Mund öffnete. Bittsteller verloren im Saale des Königs die geborgten Gebärden wahrhafter Dürftigkeit und flohen ohne ihre Schriftstücke zu überreichen. Glasscharfe Gerechtigkeit spaltete das Land in Frevler und Gerechte. Das Volk erschrack über die Strenge seines neuen Königs und fürchtete ihn und ehrte ihn sehr. Die Grenznachbarn des Reiches erzitterten ob seiner Stärke, hielten ihm Frieden und sandten mit jeder Sonnenwende reiche Geschenke, seine Freundschaft geneigt zu erhalten. Das Volk, der vielen Kriege müde, hatte den Boden liebgewonnen, der ihm schwer erkämpft von den Vätern überlassen worden war, begnügte sich gerne damit, die weiten Grenzen des Reiches mit Mauern und Wällen zu befestigen und jauchzte, daß ohne Schwertstreich die kostbarsten Güter der Nebenlande in diese Grenzen flössen die Familien lagen friedlich nach der Ackerarbeit des Tages in den langen Abendschatten der Pinien, während auf hochgepackten Elefanten, in Getürmen von Purpurdecken und Goldstangen die Schätze aus dem Land des Königs Hiram, die edlen Hölzer, zu Ornamenten geschnitzt, die bunten Seiden* Spinnereien Phöniziens und die durchschimmernden Bernsteinketten, welche vielgenannte Seefahrer aus einem Nebellande im fernsten Westen gebracht hatten, ihren Einzug in Jerusalem nahmen. Es jubelten die Handwerker der Stadt, wenn sie des Morgens, aus Werkstatt tretend, ihren König Salomon sehen durften, nach dem Bade im leinenen Leibrock des Priesters auf der Terrasse seines Palastes die Gesandten Arabiens empfangend, während die Wachen zwischen Burgmauer und Graben das doppelte Spalier ihrer bläulichen Schilder schoben, die Neugierigen davon abzuhalten, den silbergezäumten Kamelen bis in die 314