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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 309

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 309 (sequence 12)
Language
German
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JUDEN IN SURINAM der Savane aufgehoben,- das Archiv wurde später der kolonialen Bibliothek geschenkt*. Trotzdem im Jahre 1827 nur mehr 8 Familien in baufälligen Wohnungen hausten, wurde in diesem Jahre die Synagoge verbessert und umgebautaugenscheinlich gab es in Paramaribo doch noch Gläubige, die das historische Gebäude vor dem Untergang zu behüten wünschten. Der Brand im Jahre 1832 vernichtete von den wenigen Häusern noch fünf, so daß das Dorf, oder das was noch davon übrig war, als ausgestorben betrachtet werden konnte. In seinem im Jahre 1854 erschienenen Werk »Zes jaren in Suriname« schrieb A. Kappler:] »Der Posten Gelderland, oder besser die Joden Savane, ist der erste Ort, wo das Land wirklich höher und die Eintönigkeit der Flächen durch Sandhügel unterbrochen wird. Auf einem ungefähr zirka 70—80 Fuß über dem Meeresspiegel des Surinamflusses erhobenen Hügel liegt ein sehr in Verfall geratenes Dorf, wessen Bewohner der portugiesisch=jüdischen Gemeinde angehören, und dessen aus Ziegelsteinen errichtete Synagoge von früherem Wohlstand zeugt. Gegenwärtig leben dort nur mehr einige wenige Familien in alten, halb verfallenen Häusern von den Wohltaten ihrer Glaubensgenossen in Paramaribo und dem Erlös einiger Kühe, die auf den dürren Savanen geringe Nahrung finden. Das hohe Alter dieser Leute, von denen einige weit mehr als achtzig Jahre erreichen, ist eine Folge ihrer einfachen Lebensweise und der gesunden Lage des Ortes.« Bis um das Jahr 1865 wurde dort in der Synagoge noch Gottesdienst abgehalten. Später wurden Gesetzesrollen und Synago^ genschmuck nach Paramaribogebracht und das Gebäude seinem Geschick überlassen. Es dauerte nicht mehrlange und die Synagoge wurde zu einer Ruine. Auch die beiden Friedhöfe, der älteste an der »Cassipoera^Kreek«, der andere eine Viertelstunde von dem baufälligen Gebäude entfernt, verwahrlosten, bis sie in späterer Zeit restauriert wurden. Dabei wurden viele Grab^ inschriften von geschichtlichem Belang ans Licht gefördert. Das jüdische Zusammenleben hatte sich schon lange in der Hauptstadt konzentriert. Doch man hatte dort im Handel auch mit der Konkurrenz der Herrenhuter Rechnung zu tragen, die über Kapitale und Handelsbeziehungen in Europa verfügtenmehr noch mit denen der Chinesen, die durch Einfachheit und Fleiß selbst die Israeliten hinter sich ließen. Dieser Zustand veranlaßte etwa 20 jüdische Kau£= leute im Jahre 1911, ein Gesuch beim Gouverneur der Kolonie einzureichen, mit dem Zweck, eine so gefährliche Konkurrenz einzuschränken. Der Versuch hatte aber nicht den gewünschten Erfolg. Auch durch andere Lirsachen wurden die Zustände in Handel und Industrie so schwer, die Aussichten so schlecht, daß viele Juden die Kolonie verließen, um in Europa oder Amerika ihr Glück zu versuchen. Es waren nicht die schlechtesten Elemente, die auswanderten, und dieser Verlust intellektueller Kräfte unter dem jüngeren Geschlecht mußte für die jüdische Gemeinschaft verhängnisvoll sein. Dazu kamen noch Mischehen von Juden mit christlichen Frauen. Unter Denen, die auf die Zeichen der Zeit achteten, waren Solche, die prophezeiten, daß das Judentum in Surinam einst eine der Grundsäulen der An^ Siedlung, immer mehr seine besten Kräfte abgeben und sich im Gros der weißen Bevölkerung fortdauernd auflösen wird. Doch solch ein Urteil klingt gewagt, zumindest voreilig. So wie die Vorfahren über solche Prophezeiung gen zu sagen pflegten: »De tyt sal 't leeren!«<Die Zeit wird es uns lehren.) * Die jüdischen Archive aus Surinam befinden sich jetzt im »Rijksarchief« im Haag. I RUINE DER SYNAGOGE IN DER JUDENSAVANE 309

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