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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 310

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 310 (sequence 13)
Language
German
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GEORG MERKEL ÖLGEMÄLDE GEO RG MER K EL VON JOSEF KALMER Die Stellung des Malers in dieser bürgerlichen Gesellschaft, in der wir leben, ist eine schier tragische. Der Künstler hat den sozialen Zusammenhang verloren. Sein Werk ist Luxusbedürfnis Einzelner geworden und daraus resultieren die täglich neuen Mißverständnisse, vor die sich der Schaffende gestellt sieht. Seit dem Ende der Renaissance schon, seit Beginn des bürgerlichen Zeitalters, ist der Künstler, der ein Höfling war und dessen Kunst dem feudalen Herrn oder der Kirche diente, in eine Zwitterstellung gedrängt. Denn einerseits hängt er von der Gesellschaft rein materiell ab, andererseits entspricht sein Werk keinem Bedürfnis mehr. So selbstverständlich z. B. der Zeit Leonardos die Freske war, so sehr entspricht unserer Epoche die kahle Wand. An Stelle des Schönheitsist das Nützlichkeitsprinzip getreten. Erst in der letzten Zeit bahnt sich wieder eine Synthese der Künste an und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, in der die Architektur wieder im Einklang mit der Plastik arbeiten wird und der — Malerei. In diesem kommenden Augenblick, da die Freske wieder in den Bau einziehen wird, dürfte auch der Augenblick gekommen sein, in dem das Werk des Malers Georg Merkel in seiner Bedeutung voll eingeschätzt werden wird. Denn Merkel ist — man kann es ruhig behaupten — der einzige Maler in Wien, dessen Werk jene innerliche Geschlossenheit und Größe aufweist, die den Freskomaler macht. Bei keinem wiener Maler habe ich jene Vollendung in der Komposition wiedergefunden, bei der das Bild so sehr in sich geschlossen und abgerundet war, daß sein Rahmen nicht als Überraschung gewirkt hätte. Nur bei Merkels Bildern kann man 310

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