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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 308 (sequence 11)
Language
German
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JUDEN IN SURINAM DIE JUDENSAVANE IN SURINAM NACH DEM BILDE VON J. A. KALDENBACH derungen der Waldneger. Einmal noch ist ein Aufblühen zu verzeichnen, als der Kordonpfad angelegt wurde und bei der Savane einige Truppen lagerten, was dem Handelsverkehr zugute kam. Doch mit der Anhänglichkeit an den Boden ihrer Väter hielten die Kolonisten fest an den Plantagen längs des Surinamflusses, wo der Boden nicht überall genügend fruchtbar war. Oft forderten sie von ihren Sklaven zu große Leistungen, wodurch Anlaß zur Desertierung entstand. Diese Deserteure schlössen sich alle oft den Buschnegern an, die zu dauernder Gefahr für die Plantagen wurden. Überdies kam kein neues Blut durch Immigration jüdischer Landbauern in die Kolonie. Die Geldanleihen bei dem Hause Deutz in Amsterdam und der Handel ä la baisse in Wechselbriefen brachten bedeutende Verluste mit sich, welche die Ursache des Verkaufes eines Teiles der jüdischen Plantagen und der Verminderung des jüdischen Kapitals wurden. Viele Juden zogen sich damals vom Landbau zurück, um sich schließlich in Paramaribo mit Handel und Industrie zu befassen. Hier fanden sie aber ebensowenig günstige Umstände. Die Stimmung der Obrigkeit und Bürgerschaft war allmählich antijüdisch geworden, ihre Rechte wurden durch Behörden angefochten, so wie zum Beispiel das Recht, am christlichen Sonntag ihre Sklaven arbeiten zu lassen. Im Jahre 1730 besaßen die Juden in Surinam noch 115 von den 400 Plantagen, die sich aber größtenteils in vernachlässigtem Zustand befanden. Ein Erlaß von 1718 entzog ihnen das Recht, Geschäfte zu eröffnen, und ein halbes Jahrhundert später war die Stimmung ihnen gegenüber so feindselig geworden, daß man in Paramaribo ein Ghetto nach dem Muster des mittelalterlichen Deutschlands, mit etlichen Beschränkungen verbunden, errichten wollte. Sie durften selbst das von Christen gegründete Theater nicht besuchen, was zur Folge hatte, daß sie eine jüdische Bühne errichteten, welche sich eine gewisse Zeit hielt. Öffentliche Ämter wurden ihnen entzogen und aus dem gesellschaftlichen Verkehr wurden sie verdrängt. Diese Zurücksetzung stand in Verbindung mit dem Neid der christlichen Kaufleute von Paramaribo, welche diese Konkurrenten am liebsten als lästige Ausländer angesehen haben wollten. Und es wären im »Kolonialen Raad« wohl noch mehr Beschlüsse zu ihrem Nachteil gefaßt worden, wären diese nicht durch das Veto der Verwaltung der W.-J. Kompanie verhindert worden. Inzwischen verlief sich die »Joode Savane« mehr und mehr, dadurch, daß der größte Teil der Bewohner sich nach der Hauptstadt und nach anderen Orten wendete. Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts befanden sich noch zweiundzwanzig wenig begüterte Familien in der Savane. Der Platz aber wurde als ein historischer Ort, als der Geburtsort des jüdischen Elementes in Surinam, und als Begräbnisplatz der alten jüdischen Familien in Ehren gehalten. An hohen Festtagen zog alles, was jüdisch war, nach der Savane, wo Mahlzeiten und Familienfeste veranstaltet wurden, wo eine allgemeine Verbrüderung, die Reich und Arm an derselben Tafel vereinigte, stattfand. AuchdieNeger wurden dann mitgenommen, die auf ihre lärmende Weise mit Tänzen und Trommeln mitfeierten. Das gab zuweilen Anlaß zu Zügellosigkeiten, so daß die Regierung eine Verordnung dagegen erlassen mußte. Im Jahre 1825 wurde das jüdische Gericht 308

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