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Das Zelt · 1924-09-01 · Heft 9 (September 1924) · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 9 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 307 (sequence 10)
Language
German
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JUDEN IN SURINAM VON S. KALFF, SOESTDIJK Die erste jüdische Niederlassung in Surinam datiert aus dem Jahr 1632,- nach anderen Quellen seit etwa 1650. Die ersten Siedler schlugen ihren Sitz an der »Cassipoera^Kreek« auf, doch als im Jahre 1666 eine neu angekommene Gruppe einen anderen Punkt am rechten Ufer des Surinamflusses zum Wohnsitz wählte, siedelten auch die ersten Kolonisten dorthin über, weil der Aufenthalt dort viel gesünder war und natürliche Vorteile besaß. Im Jahre 1659 erhielt David Nassy von der W.^J. Kompanie die Bewilligung, in Cayenne eine Nieder^ lassung zu gründen, doch fünf Jahre später wurde er und die Seinen von den Franzosen von dort vertrieben,- sie sind dann nach Surinam geflüchtet. Eine andere Gruppe der jüdischen Bevölkerung bildeten die Emigranten aus Brasilien, die das Land nach der Besetzung des Landes durch die Portugiesen verlassen hatten. Surinam war seinerzeit eine englische Besitzung, doch als das Land 1667 durch die Zeeuwen (Bevölkerung Seelands) unter Admiral Krynssen erobert worden war, wurden die Vorrechte der Juden, welche von den Engländern den jüdischen Kolonisten verliehen worden waren, aufrecht erhalten. Diese Vorrechte waren im Charter vom 17. August 1665 festgelegt. Dieser Staatsakt bildete die Grundlage für die Privilegien der portugiesischen Juden, kodU fiziert im Jahre 1746. Die Juden wurden den andern Bewohnern gleichgestellt, konnten zu öffentlichen Ämtern berufen werden, hatten eigene Gerichtsbarkeit für Zivilsachen und bildeten ein selbständiges, freiwilliges Militär unter eigenen Offizieren. Gemeingefährliche Personen wurden dem Gouverneur der Kolonie zur Verbannung vorgeschlagen. Aus Brasilien hatten viele Juden die Kenntnis des tropischen Landbaues mitgebracht ,• die Kulturen von Zucker, Baumwolle und Indigo gaben ihnen Lebensunterhalt. »Man erkennt,« schrieb Alphonse Esquiros in seinem Kapitel über die Juden in den Niederlanden, »daß überall, wo die Umstände günstig sind und die Juden dieselben Rechte wie die anderen Bewohner genießen, sie sich mit Vorliebe auf den Landbau und auf praktische Kunstarbeit verlegen.« Im Jahreiögo zählte ihre Gemeinde 570 Seelen, bei einer europäischen Bevölkerung von zirka 1800. Viele Mitglieder derselben gehörten der vermögenden Klasse an. Sie besaßen 40 Plantagen mit 9000 Sklaven. Diese Plantagen trugen zum Teil biblische Namen, wie: Berseba, Karmel, Gerar, Haran, Hebron, Mahanaim, Moriah, Ramah, Sukkoth usw. Sie wohnten in der »Joode Savane« (»jüdisches Dorf«), 10 Ruderstunden von der Hauptstadt Paramaribo entfernt und auf einem Hügel gelegen, von welchem man eine weite und herrliche Aussicht auf den Fluß und die umliegenden Täler hatte. Das Dorf bestand aus drei breiten, einander kreuzenden Straßen mit einem runden Platz, auf welchem die Synagoge und 16 Privat* häuser standen. Die erste Synagoge war im Jahre 1672 auf dem Terrain errichtet, welches von Da Costa und Solis der Gemeinde geschenkt worden war, doch zehn Jahre später stellte Samuel Nossig Grund für eine größere Synagoge zur Verfügung, welche im Jahre 1685 unter dem Namen Berachah we schalom eingeweiht wurde. Derselbe Spender über* gab der Stiftung noch 50 Äd\er in der Umgebung des Gebäudes, während die Regierung 100 Äcker zur Verfügung stellte. Und dadurch, daß die Arbeitskräfte (Negersklaven) billig, die Preise von Zucker, Tabak, Baumwolle und Indigo sehr hoch waren, erreichte die Joode Savane einen hohen Grad der Wohlhabenheit. Auf diesem Flecken war das Trinke wasser so klar und reichlich, daß die Schiffe der Reede von Paramaribo hinkamen, um sich mit Trinkwasser zu versorgen, trotzdem es von so weiter Ferne geholt werden mußte. Dabei wurde die Stätte für so gesund gehalten, daß noch im Beginn dieses Jahrhunderts die Regierung den Plan in Erwägung zog, dort einen Erholungsort für Kranke zu gründen. Die Bevölkerung wuchs allmählich auf 200 Familien an. Das Dorf war mehrmals der Schauplatz von Festlichkeiten, so bei der Huldigung des erst ein* gesetzten Gouverneurs der Kolonie, und gelegentlich der Feier des hundertjährigen Bestandes der Synagoge im Jahre 1785. Ungefähr 1600 Personen, unter ihnen der Gouverneur Wichers und die Mitglieder der Regierung, waren anwesend. Diese Festlichkeit gab Anlaß zur Herausgabe einer Festschrift »Zecher Rab« (Große Erinnerung), welche eine Anzahl hebräischer und holländischer Gedichte enthielt, mit einer historischen Übersicht, einer Gedenkrede usw. In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts begann sich der Wohlstand der Juden durch den Druck der Zeitumstände zu verringern. Überdies wurde 1712 durch den Überfall des französischen Kaperkapitäns Cassard, der dort plünderte und brandschatzte, viel Schaden angerichtet. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der kostbare Synagogenschmuck erbeutet, doch vor Cassards Abzug erlangte man ihn wieder zurück. Die Plantagen litten sehr unter den Plün* 307

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