Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 297 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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die mArischen juden im verschiedener Stilarten und Anaenronismen, wo oft Renaissanceornamentik sich mit Barodt* formen neben uralten Volkserinnerungen und phantastischen Erfindungen friedlich unharmonisch vereinigte. Der mährisch=jüdische Goldschmied des Mittelalters und des Vormärz befindet sich genau in der gleichen Lage und verwendet wie sein polnischer oder orientalischer Volksgenosse bei seinen Arbeiten ein buntes Gemengsei mannigfacher Künste Stile. Doch muß es auch in Mähren wirkliche Künstler gegeben haben, die, wie das oft in Italien der Fall war, für kunstsinnige Adelskreise arbeiten, wie beispielsweise der vorerwähnte, mit Meistermarke ]. S. arbeitende Salomon Joachim »philigran* und dratarbeit für die Herrschaft Butschowitz machet«. Dieser und andere jüdische Goldschmiede sind oft die einzigen einschlägigen Handwerker im Orte, und es ist zu bemerken, daß die jüdischen Meister meistens »Professionierte« sind, das heißt, daß sie nach dem Wortlaut der Konsignation von 1732 »das Goldschmiedehandwerk ordentlich erlehret«, haben, während bei christlichen Fachgenossen manch* mal ein »ausgelernter« Schneider, Schwertfeger, Gürtler usw. neßenßei das Goldschmiedehandwerk betreibt. Bei den Juden kann so etwas nicht vor* kommen, weil ihnen scharf, überscharf auf die Finger gesehen wird und sie in ihrem Handwerk tüchtig sein müssen, ehe ihnen die gütige Erlaubnis gewährt wird, es ausüben zu dürfen. In eine Zunft werden sie bis auf den früher erwähnten Aus* nahmefall nicht aufgenommen, und unter Maria Theresia wird ihnen verboten, »ihre Arbeit weder zu zeichnen, weniger aber Proben darauf zu schlagen«. Zuletzt sei noch Einiges über die Anzaßf der jüdischen Gofdschmiede in Mäßren erwähnt. Im Jahre 1732 werden unter dreizehn Goldschmieden im brünner Kreis drei Juden, unter neununddreißig in ganz Mähren acht Juden aufgeführt. In der Liste des Jahres 1769 erscheinen neßen dreizehn christfießen »seßhaften« Meistern vierzeßn .Juden, wobei außer den bereits früher genannten Orten Ungarisch* Brod, Groß*Meseritsch, Pohrlitz, Trebitsch und Holleschau erwähnt werden, in welch letzterer Stadt neben Trebitsch die ersten jüdischen Meister auf* treten, welche ihre Arbeiten mit Namens* und Feingehaltsmarke versehen. Die meisten unter ihnen sind tüchtige und geschickte Handwerker, die die »getriebene und gestochene Arbeit, Filigran* und Drahtarbeit« verrichten und, wie Emanuel Polnauer in Trebitsch, als »geschickte und gutte arbeither« von christlicher Seite geschätzt und gerne aufgesucht werden. In der Zeit der napoleonischen Kriege und dann unmittefßar vor den Achtundvierziger" jaßren ßört jedoch Mäßren auf, für das jüdische Handwerk von Bedeutung zu sein. Es ßann symptomatisch sein, daß dieser Zeitpunkt fast zusammenfäfft mit dem Aufhören tafmudischer 'Forschung in diesem Lande. Beides findet eine Zuflucht im Osten, das jüdische Volksleben in dem alten Zentrum Mähren hat sein Ende gefunden. * Das ist so in dieser Fassung zutreffend. Denn das Material das im 17. und 18. Jahrhundert verarbeitet wird, und hauptsächlich jenes, welches als Marktware raschen Absatz finden soll, ist allgemein ein stark legiertes, mit allen üblen Praktiken des Schmelzens behandeltes, und erreicht nur in den seltensten Fällen den damals erforderlichen Zwölf* lothgehalt, sondern kommt höchstens auf zehn, meist nur auf sieben Loth. Dieses minderhältige Silber eignet sich eben seiner Billigkeit wegen als Handelsartikel, und ebensowie die »mit Kärnther waaren handelnden T y r o 1 e r und Bayerländer«, so vertreiben es die Juden über das flache Land. CHANUKAHLEUCHTER: RECHTS MIT DEM KOPFE KARL VI. LINKS MIT DEM KOPFE JOSEF II. 297