Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 296 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE MÄHRISCHEN JUDEN IM GOLDSCHMIEDEHANDWERK bedeutet. In der »Consignation deren in dem Markgr<afthum> Mähren dermahlen befindlichen Goldschmieden« vom April 1732 werden offiziell drei jüdische Goldschmiede aufgeführt, darunter Isaac Beer, »welcher diese profession von seinem Vattern erfehrnet hat..wie seine Tamifia vor hundert Jahren solche exerciret hat«. Dieser Goldschmied Beer ist allem Anschein nach ein Nachkomme des aus Wien im Jahre 1670 exilierten R. Beer Zoref, von dem eine Arbeit, ein schöner, silberner Chanukahleuchter bekannt ist. Er ist wahr* scheinlich identisch mit dem prager Gemeindevorsteher Behr, welcher in der »Neuen Zeitung und Jüd. Aufzug... zu Ehren ... der Geburth Printz Leopold« im Jahre 1716 , genannt wird. Sein oben erwähnter Vater hatte vom Kaiser ein Privilegium erhalten, das ihn zum Mitglied der »Nicolsperger Christlich Gold- SchmiedundMahler<!>- Zunfit« berechtigte, der einzige jüdische GoldschmiedMährens, dem diese Auszeich* nung im Sinne jener Zeit zuteil wurde. Diese Urkunde ging jedoch bei einer Feuersbrunst zu* gründe. Der Fall, daß sich das Handwerk vom Vater auf den Sohn vererht, ist wie sonst in der jüdischen Diaspora auch in Mähren nicht selten, ein Beweis für die Liebe zum angestammten Gewerbe. Der Goldschmied Salomoh Joachim in Butschowitz (Liste von 1732) erlernt die Profession von seinem Vater aus Kremsier, ebenso Aron Dawid in Schaffa. Das ist hier in Mähren wie sonstwo von dem Umstände bedingt, daß der Jude alles aus sich selbst heraus erlernen mußte. Kein christlicher Meister, kein Künstler von Ruf nahm ihn auf, die große Welt der Kunst war ihm fast überall ebenso verschlossen wie jene der Wissenschaft. So war der jüdische Kunsthand* werker nur auf die Traditionen seiner eigenen Kreise angewiesen und stand in ihrem Banne. Schuf er aber aus ihnen heraus, so wurde sein Ringen nach einem individuellen Kunst« ausdruck bei demMangel, jemals einen ge* ordneten und geschulten Zeichenunterricht genossen zu haben, oft zu einem Stammeln, einem kindischen Lin* kischsein, und die unbelehrte Hand schuf neben genialen Linien triviale Formen. An* dererseits aber, wo der jüdische Kunsthandwerker desMittelalters jenseits der Mauern des Ghettos in der Christenstadt etwas erspähte, was ihm Vorbild war, wurde sein nachbildendes Schaffen zu einem wunderlichen Gemisch GEWÜRZBÜCHSEN AUS MÄHREN 296