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Das Zelt · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 292

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 292 (sequence 63)
Language
German
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SCHABEA TIANER IN BC insbesondere in Bibel und Talmud eingeführt. Er studierte auch kabbalistische Werke, welches Studium ihm später beinahe verhängnisvoll geworden wäre. 1711, also einundzwanzigjährig, ist er schon Leiter einer Schule in Prag. Seine geistreichen Vorträge waren von bewundernden Anhängern, besonders Jünglingen, sehr besucht. Das erste Zerwürfnis hatte er mit dem prager Oberrabbiner David Oppenheim, über den er sich überheben wollte. Eine zweite Unüberlegtheit war sein Verkehr mit Jesuiten in Prag/ ja, er besuchte den Jesuiten-Bischof Hassel« bauer, auf dessen Anordnung alle nichtzensierten hebräischen Werke konfisziert wurden. Eibeschütz setzte bei ihm die Herausgabe eines Talmuds durch, aber mit dem Vorbehalte des Bischofs, daß alle Stellen, Christus betreffend, wegzulassen seien. Und wirklich erschienen diese Bücher <von 1728 bis 1739), aber mit verstümmeltem Texte. Gegen diese Verstümmelung protestierte insbesondere die frankfurter Gemeinde und Mosche Chagis soll ein Verbot zum Weiterdruck dieser Büfher vom Kaiser in Wien erwirkt haben. Das Dritte ist seine Neigung zum Schabbatianismus. Als Chajon seine wundervollen Predigten in Prag hielt, zählte auch Eibeschütz zu einem seiner zahl* reichen Verehrer und wurde bald, da er sich ja ohnedies seit jeher mit Kabbalah befaßte, für den Schabbatianismus gewonnen. Er trat bald in freundschaftlichen Verkehr zu Löbele Proßnitz, mit welchem er auch gemeinsam vom mannheimer Rabbinergerichte <i725> mit dem Bannfluche belegt wurde. Um sein persönliches Prestige zu erhalten, mußte er nun jede schabbatianische Betätigung leugnen, ja, er sprach sogar über alle Schabbatianer den Bannfluch aus, wodurch er auf kurze Zeit die Gemüter der Rabbinen beruhigte. Nun erfolgte die vorher erwähnte Jesuitenepisode, nach welcher sich Eibeschütz nicht mehr wohl fühlte und sich fortsehnte. Er wollte nach Metz kommen, wo die Rabbinerstelle frei wurde,- er wäre auch gewählt worden, wenn nicht die Witwe des verstorbenen Rabbiners den Vorstand beschworen hätte, diesen schabbatianischen Ketzer nicht als Nachfolger ihres Mannes zu wählen. Erst später, als der neugewählte Rabbiner Falk nach Frankfurt ging, wurde Eibeschütz das Rabbineramt anvertraut <i74o>. Als er im nun ausgebrochenen ersten schlesischen Kriege 6740—1742) mit dem französischen Oberst über seine Übersiedlung nach Metz verhandelte, sahen die österreichischen Behörden Hochverrat darin und es wurde ihm verboten, österreichischen Boden zu betreten,- ja, Maria Theresia erließ hierauf ein Edikt zur Austreibung der Juden aus Böhmen und Mähren. Aber auch in Metz erging es ihm nicht so, wie er es gewünscht hätte,- er bewarb sich daher um das Rabbinat der drei Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck, welches ihm auch 1750 anvertraut wurde. Hier aber entstand ihm ein großer Gegner in dem Gelehrten Jakob Emden <iÖ98—1776). Es entbrannte ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod. Es wurden mehrere Amulette gefunden, die als von Eibenschütz gefertigt und verfaßt erkannt wurden,- deren Autorschaft aber Eibeschütz in Abrede stellte, von Emden aber wurde )HMEN UND MÄHREN er als Autor derselben öffentlich gebrandmarkt' Eibeschütz mußte sich nun reinwaschen,- er legte auch in der Synagoge den Eid ab <!>, daß er weder der Autor derselben, noch überhaupt An« hänger des Schabbatianismus sei, sonst »möge Schwefel und Feuer vom Himmel auf ihn herab« stürzen«. Mit solch trügerischen Mitteln kämpfte er. Emden sollte nun, da sich dadurch seine Vorwürfe als »grundlos« erwiesen, auf Anordnung des Vor« Standes der Gemeinde, Altona verlassen,- aber das königliche Privilegium und das Befürworten der metzer Gelehrten Heilmann undReischer verlängerten seinen Aufenthalt in Altona, welches er aber dann dennoch freiwillig verließ, um nach Amsterdam zu übersiedeln. Neue Stimmen erhoben sich gegen Eibeschütz und dieser wurde daher vom Vor« stände aufgefordert, sich einem Rabbinergerichte zu stellen. Bis zur Durchführung desselben war er seines Amtes enthoben (ijjz). Aber zu diesem Gerichte kam es nicht. Der Kampf nahm große Dimensionen an, ja, es wurde sogar Friedrich V., König von Dänemark, angerufen, um in diesem Streite zu entscheiden. 1752 kehrte wieder Emden auf des Königs Erlaubnis nach Altona zurück. Nun ließ sich Eibeschütz von seinem getauften Schüler Karl Anton eine Schutzschrift für den König verfassen, worauf er wieder auf dessen Anordnung in sein Amt eingesetzt wurde. Die Gegner wurden aber immer zahlreicher, so daß sich Eibeschütz gezwungen sah (1753), sich freiwillig einem Rabbinergerichte zu stellen. Aber die Wahl dieses Gerichtes kam nicht zustande. Dieweil verlangte der König, auf Ansuchen der Gemeinde, die Durchführung des Prozesses <i755>. Es wurden Gutachten über die Amulette von Professoren und Theologen eingeholt. Einer derselben, Pastor David Friedrich Mergelin, behauptete, Eibeschütz sei in seinem Herzen ein guter Christ, nur wage er es nicht, dies offen zu bekennen. Eibeschütz antwortete darauf nicht! Er hoffte, daß er so viel eher Gnade in den Augen des Königs finden werde, was auch wirklich der Fall war. Der König befahl, ihn wieder in sein Amt einzusetzen <im Dezember 1756). Kurz darauf, 1764, aber starb schon Jonathan Eibeschütz und mit ihm die Persönlichkeit des Schabbatianismus, welcher sich nun allmählich aus Europa zurückzog, und sich sammelte am Orte seiner Entstehung, im Orient, wo noch bis 'heute etwa 4000 Personen den Ideen des Schabbatai Z'wi huldigen. Gestalten sind an unseren Augen vorbeigezogen, Männer, die beinahe ein Jahrhundert unseren Ahnen Trost und Hoffnung bedeutet haben. Wie Strahlen einer wärmespendenden Sonne, die die Dunkelheit der fürchterlichen Golusnacht erhellt und erleuchtet hat, sind sie am Horizonte Europas aufgetaucht, Europas, dessen gellender Schrei Tod, Blut, Krieg damals durch die Lande schallte. Sie sind verschwunden und nur karge Erinnerung an sie blieb zurück. Durch ungeheueren Redeschwung, durch die faszinierende Gewalt ihrer Sprache, durch ihre großen talmudischen und sonstigen Kenntnisse 292

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