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Das Zelt · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 291 (sequence 62)
Language
German
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SCHABBA TIANER IN BÖHMEN UND MÄHREN insbesondere der Rabbiner von Krakau Schau! Heschels scharf auftrat, so daß sich ein Großteil dieser Sekte, »Chassidim«* genannt, hundertzwanzig Personen an der Zahl, gezwungen sah, mit ihren Führern Juda Chassid und Chajim Malach in das heilige Land auszuwandern <1Ö99>. Auf ihrer Wanderung kamen sie auch nach Mähren, ließen sich für längere Zeit in Nikolsburg und Proßnitz nieder, wo säe für den Schabbatianismus fleißig warben und auch zahlreiche Anhänger gewinnen konnten, insbesondere durch die gewaltige Beredsamkeit des Juda Chassid, so daß ihre Zahl bald auf 1500 Personen stieg, die sich zu einer Gemeinschaft zusammenschlössen. Aus ihrer Mitte entstand sogar ein schabbatianischer Prophet, Löbele Proßnitz, auf welchen der polnische Schabbatianer Mosche Meir Kamenker durch öftere Diskussionen besonderen Einfluß ausübte, der <Löbele> dann in Mähren viele Verehrer und Anhänger um sich sammelte. Er deklarierte vorerst Schabbatai Z'wi, dann Jonathan Eibeschütz, schließlich aber sich selbst als den erlösenden Messias. Daß er mit dem später so vielfach verehrten und verachteten Jonathan Eibeschütz geheimen Verkehr übte, leuchtet aus dem Beschlüsse des Rabbinergerichtes in Mannheim <i725> hervor, durch welches über Beide, des Schabbatianismus angeklagt, der »cherem«, der Bannfluch verhängt wurde. Im Jahre 1725 durchwanderte ein armseliger, frommer Mann die Judengemeinden Böhmens und Mährens. Niemand ahnte es, daß diese Scheinheiligkeit einen schabbatianischen Sendboten berge, Mosche Meir Kamenker aus Zolkiew <Polen>, welcher heimlich hieher kam, um Verbindungen mit den Schabbatianern anzuknüpfen,- vielleicht auch, um Geld zu sammeln für die Vollziehung eines Planes der polnischen Schabbatianer, nämlich, der Verhöhnung des Talmud und Ersetzung desselben durch den Sohar, das Hauptbuch der Kabbalah. Er befreundete sich mit Löbele Proßnitz und Jonathan Eibeschütz, um sie für diesen Plan zu gewinnen. Ob ihm dies gelang, ist unbekannt. Er zog dann weiter nach Mannheim und Frankfurt a. M., wo er im Hause des Rabbiners Jakob Kahane als Ketzer entlarvt wurde und bald ward über ihn, wie vorher über Löbele Proßnitz und Eibeschütz, der Bannfluch ausgesprochen. Der nächste Sendbote, der sich nach einigen Quertreibereien in Italien und Deutschland, Böhmen als Wirkungsfeld erwählte, war der aus Jerusalem verwiesene Nehemia Chija Chajon <i650 [?] —1726). Er fand, insbesondere in Prag, durch seine bezaubernden Predigten eine stattliche Anhängerschar, welcher auch Führer der Gemeinde, Rabbiner und Schriftgelehrte angehörten. Hier schrieb er Amulette, behauptete mit dem Propheten Elijahu zu verkehren und anderes mehr. Er schrieb ein Werk, beinhaltend die Lehre von der Dreieinigkeit als Glaubensartikel des Judentums, welches auch der Rabbiner und Kabbaiist Naftali Kohen begutachtete. Als er dann nach Amsterdam fuhr, wurde er vom Rabbiner Z'wi Aschkenasi (1656—1718) als schabbatianisdier Ketzer entlarvt und verfiel dem Bannfluche. Diesem folgten noch Bannbullen aus Nikolsburg, Aleppo, Konstantinopel, Smyrna, sowie aus fast allen Gemeinden Italiens und Polens. Nun mußte er Amsterdam verlassen und kehrte in die Türkei zurück. Auf dieser Reise streifte er Nikolsbürg und Proßnitz, wo er Löbele Proßnitz anregte, nicht zu erlahmen und in seiner Tätigkeit fortzusetzen. Nach längerem Aufenthalte im Orient, kehrte er nach Mitteleuropa zurück, wurde aber nirgends mehr von Juden aufgenommen. Er versuchte noch einmal nach Prag zu gelangen, wo er einst eine Schar von glühenden Anhängern hatte, aber vergebens,- man ließ ihn nicht mehr in die Stadt. Nur die Frau des Jonathan Eibeschütz schickte ihm Speise hinter die Stadtmauer, damit er nicht verhungere. Eibeschütz selbst aber, der einst zu den andächtigsten Zuhörern der Predigten Chajons zählte, riet ihm, das Wanderleben einzustellen. Er ging nach Nordafrika, wo er starb. Im Jahre 1696 war die ganze Judenheit Böhmens und Mährens in Atem gehalten. Einem polnischen Jüngling in Nikolsburg, den ein böser Geist beherrschte, wurde dieser von Mosche Präger, oder wie er sich selbst nannte: Mosche ben Menachem Mendele Graf, auch grundlos oft »Baal Schern« bezeichnet, ausgetrieben. Präger entstammt einer nach Prag eingewanderten polnischen Familie, wo er um 1650 geboren wurde. Im talmudischen Schrifttume scheint er weniger bewandert gewesen zu sein, dafür aber pflegte er seit seiner frühesten Jugend das Studium der Kabbalah. Als bei der Feuersbrunst der prager Judengemeinde <2i. Juni 1689) seine Bibliothek den Flammen zur Beute fiel, verließ er Prag, wo er ohnedies nicht die gewünschte Anerkennung fand, um sich nach einigem Hin- und Herfahren in Nikolsburg niederzulassen. Dort scharte er zahlreiche Verehrer um sich, besonders Jugendliche, denen er, gemeinsam mit seinem Freunde, Gönner und Anhänger, dem mährischen Landesrabbäner Elieser Mendel ben Mordechai Fanto, täglich über Sohar und Kabbalah vortrug. Nach dem Tode des Landesrabbiners (lögo) gewann Präger für sich dessen Nachfolger und späteren Oberrabbiner von Prag, David Oppenheim (1664 bis 1736), durch dessen Gunst sich seiner der wiener Mäzen Mosche ben Josef Austerlitz und Rabbi Abraham Naftali Hirsch Spitz annahmen, welch Letzterer sich auch an der eingangs erwähnten Geisteraustreibung beteiligte. Durch deren Hilfe gelang es ihm auch, seine zahlreichen Schriften zu veröffentlichen. Sein Hauptwerk ist: »Wajakkel Mosche«, für welches er zahlreiche Approbationen erhielt. Um diese zu vermehren, begab er sich auf die Wanderschaft. Er war in Wien, in Fürth <iÖ96> und in Dessau <tÖ98>. Weiter wissen wir von ihm nichts. Ob er nach Böhmen oder Mähren zurückkehrte, wird nirgends berichtet. Er starb, der Ort ist ebenfalls unbekannt, zwischen 1700 und 1710. Die markanteste Persönlichkeit dieser Periode ist zweifellos Jonathan Eibeschütz. In Krakau 1690 geboren, kam er bald nach Eibenschütz <Mähren>, wo sein Vater Rabbiner war. Nach dessen jähem Tode wurde er von Fremden weitererzogen und 291

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