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Das Zelt · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 288 (sequence 59)
Language
German
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JÜDISCHES INDER TSCHECHISCHEN LITERA TUR DESXIX. JAHRHUNDER TS wertete er in dem wunderschönen Gedicht »Das Mussaphgebet«, in dem die tschechische Übersetzung des Unsane Taukef besonders wirksam ist. Auf den prager Sagen von Rabbi Low Bezalel beruhen die Gedichte »Die erste Rose«, »Der Golem« und das gelungene Lustspiel »Die Weisheit des Rabbi«. Vrchlicky war ein Verehrer Morris Rosenfelds. Er feierte ihn in zwei Gedichten (»Morris Rosenfeld«, »Der blinde Rosenfeld«) und in einer begeistere ten literarhistorischen Studie (»Ein Jargondichter«) und übersetzte Rosenfelds »Lieder des Ghetto« ins Tschechische. <— Ein beitenstück zu den bereits erwähnten »Hebräischen Melodien« bilden die »Neuen hebräischen Melodien«, die jedoch, mit Ausnahme der »Rabbinischen Sprüche«, im Gegensatz zu jenen keine Paraphrasen althebräischer Poesien, sondern auf das neuere Judentum bezugnehmende Original^ gediente enthalten. So ist »An Euch« eine begeisterte Lobeshymne auf das jüdische Volk, im »Thora* Schreiber« wird ein bekannter Typus aus dem jüdischen Ghetto geschildert, im Gedicht »Kisdhe* new« beklagt Vrchlicky das Vorkommen von Judenpogroms und in den »Alten Synagogen« schildert er den wundervollen Zauber, der alte Synagogen umgibt. Im Gedicht »Moslim, Protestant und Jude« predigt er religiöse Toleranz und im Gedicht »Aus dem Ghetto« empört er sich über die Roheit einiger christlicher Gassenjungen, die im Ghetto eine arme schwangere Jüdin in schamloser Weise behelligen. — Vrchlickys enge Verbindung mit den tschechischen Juden zeitigte die Gedichte »Die Klage« und »Auf dem judenfriedhof«. Im zweiten, das das Erstere künstlerisch bei weitem übertrifft, verlangt er von seinen christlichen Mh> bürgern Toleranz den Juden gegenüber und von diesen nationale Anpassung an die Tschechen. Von den Dichtern der letzten drei Jahrzehnte, die hier in Betracht kommen, sei J. S. Machar besonders hervorgeholten. Seine Memoirenwerke <»Bekenntnisse eines Literat ten«, »Dreißig Jahre«, »Das Rudolfinerhaus«, »Kriminal«) sowie seine beiden Bücher »Wien« und »Wiener Profile« enthalten bald leicht hingeworfene Skizzen, bald sorgfältig gezeichnete Bilder von Juden, denen er auf seinem Lebens« weg begegnet ist. Es seien hier nur Machars ALFRED JUSTITZ Jugendfreund Jariowitz aus Brandeis an der Elbe, sein Chef Theodor Ritter von Taussig, dem Machar mit seinem Aufsatz ein bleibendes und pietätvolles Denkmal gesetzt hat, der Bibliothekar der Wiener Parlamentsbibliothek Dr. Lipiner und der Direktor der Parlamentskanzlei Doktor Heinr. Blumenstock Ritter von Halban, Dr. Sieghart (ursprünglich Singer, Kantorssohn aus Troppau), Lucian Brunner und Dr. Hermann Kadisch genannt. Während er den beiden polnischen Juden Lipiner und Blumenstock höchste Anerkennung zollt, spottet er über den Hotelbesitzer Rosenblatt aus Sranislau (»im Rudolfinerhaus«) und äußert sich in einer recht abfälligen Weise über die polnischen Juden, mit denen er während des Krieges die Zelle des wiener Gefängnisses teilte (»Kriminal«). Machar schrieb vielfach gegen den Antisemitismus, sowohl gegen den wiener Antisemitismus (»Wien«) wie auch gebenden daheim und nahm wiederholt Veranlassung, sich zur Judenfrage zu äußern. Er verlangte von seinen jüdischen Landsleuten, daß sie die Volkszählungsbogen folgendermaßen ausfüllen: Nationalität: jüdisch, Umgangssprache: tschechisch, Religion: atheistisch (letzteres in Konsequenz seiner Stellungnahme zur christlichen Religion). Die jüdische Nationalität verteidigt er gegenüber den ihm sonst sehr nahe stehenden tschechischen Juden, denen er zu geringe Mithilfe an der kulturellen Arbeit des tschechischen Volkes zum Vorwurf macht, insbesondere, weil sie bisher die Werke ihrer tschechisch-jüdischen Schriftsteller nicht herausgegeben und sehr wichtige hebräische Schriften nicht ins Tschechische über« setzt haben. Ähnlich wie Vrchlicky versuchte auch Machar in einem großen Werk die Geschichte der Menschheit darzustellen und so entstand eine ganze Gruppe von Gedichtsammlungen mit dem gemeinsamen Titel »Das Gewissen der Jahrhunderte«. Die bei* den ersten, die Antike behandelnden Bücher heißen »Im Glanz der hellenischen Sonne« und » Gift aus Judäa«. Dieses ist nicht etwa, wie man leicht aus dem Titel schließen könnte, anti* semitisch. Das Buch richtet sich nicht gegen das Judentum, sondern gegen das aus Judäa kommende Christen« tum. Solange Rom im Glänze der hellenischen Sonne erstrahlte, befand sich seine Kultur in auf* steigender Linie, sobald BILDNIS 288

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