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Das Zelt · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 287 (sequence 58)
Language
German
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JÜDISCHES IN DER TSCHECHISCHEN beschreibt, dürfte auf eigene Wahrnehmung oder auf Erzählungen seiner Mutter über dieses sdiöne Fest zurückzuführen sein. Biblische Motive ver* wendet Zeyer in der Erzählung »Evas Tod« <Eva sträubt sich, dem Todesengel zu folgen, solange ihr Sohn Kain ruhelos auf der Erde umherirrt), im Schäferdrama »Aus der Zeit des rosigen Morgens« (Die Dramatisierung des I. Buches Mosis, Kap. 26, V. 1—12: Isaak gibt seine Gattin Rebekka in der Hauptstadt der Philister für seine Schwester aus und verwickelt sich dadurch in ein Verhängnis* volles Lügengewebe), in der Legende »Asenat« <der ägyptische Josef wird als Vorfahre Christi bezeichnet, wodurch eine Verbindung des Alten und Neuen Testaments hergestellt wird). Mit der Persönlich* keit des Königs Salomo beschäftigen sich das Drama »Sulamith« und die beiden Gedichte »Das Schicksal« und »Was eine Träne vermag«. In das mittelalterliche Toledo führt uns der Dichter in der spannenden, von christlicher Mystik erfüllten Legende »El Cristo de La Luz«, in das frankfurter Ghetto in der Einleitung zum Buche »Die Märchen der Schoschana«. Einen erfreulichen Gegensatz zu Cechs jüdischen Krämerfiguren bildet der sympathische Trödler aus dem neueren prager Ghetto, Manasse, <in der Novelle »Der Regenbogenvogel«), ein ehr* lieber, grundgütiger Mensch, dessen Wohltaten sich nicht nur auf Glaubensgenossen, sondern auch auf Andersgläubige erstrecken. Unter allen tschechischen Dichtern steht, in bezug auf Anwendung jüdischer Stoffe, Jaroslav Vrchlicky obenan. Nicht weniger als rund hundert Gedichte, zwei Theaterstücke, zwei Erzählungen, drei Über* Setzungen und eine wissenschaftliche Abhandlung enthalten jüdische Motive. Diese Erscheinung hat zweierlei Gründe: So wie bei Zeyer rollte auch in seinen Adern jüdisches Blut, denn Vrchlickys Großvater väterlicherseits war noch Jude, ja es sollen sogar der Familie Frida (dies ist Vrchlickys bürger* licher Name,- sollte er nicht einmal Fried gelautet haben?) mehrere Rabbiner entstammen. Von klein auf von einem Onkel, der katholischer Priester war, erzogen und selbst für die priesterliche Laufbahn bestimmt, fand er stets großen Gefallen an der Bibel. In späteren Jahren stand er in innigen Beziehungen zu jüdischen Kreisen. Ein weiterer Grund für Vrchlickys Vorliebe an jüdischen Stoffen liegt in der Absicht, nach dem Muster Victor Hugos eine Weltepopöe zu schreiben, in deren Kette er eines so wichtigen Gliedes, wie es das Judentum ist, nicht entraten konnte. Vrchlicky, der beste, wenn nicht der einzige wirkliche Kenner des jüdischen Volkes, seiner Geschichte und Literatur unter allen bisher genannten tschechischen Schriftstellern, behandelte talmudische Motive in seinen von wahrer Humanität erfüllten Engels* legenden »Israfel«, »Sandalfon« und »Eloa«. Die Bibel, vom ersten Buch Mosis angefangen bis zu den Propheten, liefert ihm den Stoff für eine große Anzahl von Gedichten, von denen nur einige, wie »Kains Tod«, »Aus dem Leben der Patriarchen«, »Eine Engelsidylle«, »David bei Saul« und eine JTERA TUR DES XIX. JAHRHUNDER TS ganze Gruppe von Gedichten aus dem König Salomo* kreis hervorgehoben seien. Den Simsonstoff behan* delte er dramatisch in der »Trilogie von Simson«, die im Buch der Könige <I. 1—4) erwähnte Begeben* heit von Abisag und König David in der Novelle »Abisag«. Der Ahasverstoff hat den Dichter viel beschäftigt. Vrchlicky plante anfangs eine große Trilogie »Ahasver«, doch kam es niemals zur Aus* führung des Planes, sondern es blieb nur bei einigen Gedichten, von denen »Das Kreuz BozetSchs« am bedeutendsten ist. In die Regierungszeit des Königs Herodes führt das reizende Gedicht »Schammai und Hillel«. — Vrchlicky vertiefte sich sehr gerne in das Studium des Talmud und die Früchte dieses Studiums waren mehrere Gedichte mit dem gemein* samen Titel »Talmudische Motive«, ferner die »Talmudische Parabel« und »Ben Akiba«. Letzteres führt uns zu Vrchlickys größtem und bedeutendstem, auf gründlichen historischen Studien beruhendem Werk, der monumentalen episch*dramatischen Dich* tung »Bar Kochba«, die den Aufstand der Juden gegen die Römerherrschaft zur Zeit Hadrians be* handelt. Offenbar von Heine angeregt, interessierte sich Vrchlicky für den spanisch*jüdischen Dichter Jehuda Halevy, den er in zwei Gedichten <»Nach der Lektüre des Divan von Jehuda Halevy« und »Jehuda Halevy«) pries und dessen Verse er in einer Gruppe von Gedichten mit dem gemeinsamen Namen »Hebräische Melodien« nachahmte. Die aus dem Roschhaschono=Machsor bekannte Erzählung vom Martyrium des Rabbi Amnon aus Mainz ver* ALFRED JUSTITZ AKT 287

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