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Das Zelt · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 283

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 283 (sequence 54)
Language
German
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DER VATER TyCHO DE BRAHE NACH EINEM STICH in einem Zuge zu formen, — denn es heißt: Die Gegenstände, die zur Vollziehung eines Gebotes erforderlich sind, sollst du schön machen. — Übrigens ist er bemüht, die Vorschriften des Rabbenu Ascher und des Maimonides miteinander in Ein^ klang zu bringen, indem er von mehreren möglichen Verfahren stets dasjenige wählt, in dem diese beiden großen Autoritäten übereinstimmen. Auch hiedurch erwirbt er sich ein Verdienst. Ist er nicht mit seinen Denkriemen beschäftigt, so studiert er. Am Nachmittag versammeln sich seine Schüler, von denen manche älter sind als er. Denn man schätzt seine scharfsinnigen Auslegungen. Dennoch gibt es keinen bescheideneren Menschen als ihn. Mit fünfzig Jahren hat er einst begonnen, die Ergebnisse seiner Forschungen niederzuschreiben. Bis dahin hatte er aber nur die Schriften der »Früheren«, das heißt der Erklärer vor Maimonides studiert, denn er ging sehr gründlich und methodisch zu Werke, wie es dem erhobenen Gegenstand entsprach. Nun schrieb er eine Zeitlang sehr eifrig,- doch es war sehr vieles dabei was die Schriften der »Späteren« längst bekanntgemacht hatten, ohne daß er es wußte. Aus Ehrfurcht wagten Freunde und Schüler nicht, darauf aufmerksam zu machen. Als es dann doch geschah, strich Simson Lemel ruhig das Geschriebene durch und legte es in die Lade. Keinen Augenblick reute es ihn, sich auf diese Art fruchtlos abgemüht zu haben. Kannte er denn den Begriff des Ruhmes? Und ist nicht jede Beschäftigung mit der Lehre in sich selbst höchstes Glück und die eigentliche Bestimmung des Menschen? So lebt Simson Lemel nun schon im sechzigsten Jahre seiner schlichten unerschütterten Herzens^ ruhe. Er kennt den Sinn seines Lebens und er kennt den Sinn der Welt: Gott zu dienen. Er weiß auch, daß es Myriaden von Geheimnissen gibt, und er ehrt diese Geheimnisse, indem er das Joch der himmlischen Herrschaft auf sich nimmt. In seiner Mäßigkeit, ja Enthaltsamkeit ist er gleichmäßig heiter, doch kann er auch zur Feier des Sabbaths oder der Freudenfeste kindlich froh werden und seine fröhlichen Stunden sind von demselben Frieden erfüllt wie seine ernsten. Fünf Kinder hat ihm Krankheit weggerafft, nur der Jüngste ist am Leben geblieben. Aber nie hat man ein Wort der Auflehnung oder gar Verzweiflung aus seinem Munde gehört. Nie hat er auf seinem Wege gewankt, nie auch nur Zögern oder Aufregung verraten. 283

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