Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 279 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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GEDICHTE VON RUDOLT TUCHS EIN MENSCH MIT GEWISSEN Ein Mensch mit Gewissen muß sterben, der Gewissenlose lebt. Beladen mit Schnee und Verderben, ein Ast, der im Frost sich erhebt. Es klirren im Winde die Scherben, am Himmel die Gruftlampe schwebt, die Krähen, die flatternden Erben, durchpflügen die Luft, die erbebt. Ein Mensch mit Gewissen muß sterben, der Gewissenlose lebt. Er selbst ist ja Schnee und Verderben am Ast, der im Frost sich erhebt. Er lacht, und es klirren die Scherben, er ruft, und die Gruftlampe schwebt, er fliegt, und die flatternden Erben durchpflügen die Luft, die erbebt. Doch was die Augen getrunken, wird Licht in der letzten Stund, und was den Lippen entsunken, wird selbst ein liebreicher Mund. Wenn Rosen die Lenzlüfte färben, es ist doch sein Leben, das schwebt. Denn der Mensch mit Gewissen darf sterben, der Gewissenlose lebt. WIEDER ZOGEN. . . Wieder zogen deiner Heimat Täler, deiner Heimat Hügel, grüne Triften, Hauch der Minze, weiße Erdbeerblüten still vor mein verlassnes Herz. Wieder kam die Sonne nach dem Regen, rot und goldne Flammen auf den Wellen, und der Dörfer abendliche Hänge, Vogelflug in der geklärten Luft. Wieder wurden schwer die späten Schritte, aber heimatlos und ohne Ende ging ich hin, so weit die Blicke reichten, in Erinnerung an dich. 279