Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 278 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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GEDICHTE VON RUDOLF FUCHS MOSES Der Himmel flammte. Und es schoß die Glut aus halben Mauern. Ihm erstarrt das Blut, da er die Brüder wund und siech und matt zusammenbrechen sah an wüster Ziegelstatt. Und Liebe, nie gekannt und aufbegehrt, biß ihn ins Herz, daß ers mit seiner Hand bedecken mußt, wie man den Schmerzen wehrt mit kühlem Blatt vom feuchten Uferrand. Und der Ägypter, hager, gelb und schief, hieb auf uns ein mit hartem Trümmerstab, daß mir aus frischem Riß das Leben lief. Drei Wolken zogen feierlich vom Nil. Ich merkte noch, daß der Ägypter fiel. Dann nahm er ihn und warf ihn in ein Grab. AMNONS EPILOG Ich möchte sterben. Freunde, bleibt —! Der Krampf vergeht und zähe treibt die Welle mich dahin, die Leben heißt,- der unerschlossne Aderlauf umkreist das arme, kranke, abgehärmte Herz. Mich rüttelt Lust, mich würgt der innre Schmerz ob aller Hoffnung unerfüllbar süßem Gram und aller Tage Truggewalt und Scham. Ich möchte sterben. Aber küssen muß ich rasch noch Lippen, Hände oder Brust. Ich saug mich fest mit irr verzücktem Kuß und freu mich auf den Pfeil im Blau der Lust, der mich hinab aus hohem Abendgold ins Nebelland und Schlafgefilde holt. Die Stunde sei gesegnet! Oft im Licht traf ich von Angesicht zu Angesicht die Engel meiner vielen Wege gehn. Doch die Gestalt, die dann wird bei mir stehn, die Wohltat unter Engeln, neigt sich mild und streift mit Geisterhand, wie Windeswehn, die Träne fort, die noch im Aug mir quillt . . . KÖNIG SAUL Nie hat Saul gebebt. Aus tiefem Krug gelebt, aber heute war er schwach und alt. Der Lüfte grau Gemisch, die Sonne trügerisch, ein letztes wehes Rot, sank kalt und tot. Er ging zwei Schritt voran, er ging drei Schritt zurück und immer rings die Einsamkeit dahin. Und was er nie gekannt: Unstern und Mißgeschick, Vergeblichkeit und Nichts umgeistern ihn. Mit zweien Knechten schweigend angelangt zu Endor, bei dem Weib, das Tote kennt, ruft er den Schatten Samuels. — Es schwankt das Licht der Fackeln unterm Firmament. Und da er ihn, den greisen Hirten, sah und mit ihm redete und vor ihm kniet, da fühlt er fröstelnd seinen Schatten nah, ach, daß er sterben müsse, da doch Blüt auf Blüte herrlich aus dem Boden quillt: ein Leben, ohne nach dem Sieg zu trachten! — Die Knechte stützen ihn,- sein Aug rollt schreckenswild. Das Weib flucht auf, ein Lamm für ihn zu schlachten. DER LEUCHTTURMWÄCHTER Fliehend gefaltete, glühend gestaltete Schwingen umringen das Licht. Riffe und Schiffe, die Wände, die Hände sind schwer, wie im Meer ein Gewicht. Trüber und trüber. Und über die Stufen schon rufen die Sterne bewegt, ich höre die Chöre der Klippen,- die Rippen, sie schmerzen vom Herzen, das schlägt. Ich habe im Grabe im Hafen geschlafen. Ich künde, ich zünde: Gefahr. Ich bin, der ich bin, und ich komm, der ich komm, und ich bin, und ich komm, der ich war. 278