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Das Zelt · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 247 (sequence 20)
Language
German
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OTTO GUTTREUND Vom August 1914 bis zum April 1916 ist Gutfreund Engage Volontaire bei einer Formation der Fremdenlegion. Er hat die Kämpfe vor Reims und Arras, in der Champagne und im Elsaß mitgefochten. Im April 1916 wird er grundlos als »suspect« in einem Konzentrationslager interniert, wo er bis zum Dezember 1918 bleiben muß. Im Jänner 1919 kehrt Gutfreund nach Paris zurück Tagsüber ist er Übersetzer bei der tschechoslowakischen Friedensdelegation, nachts Bildhauer. Nach Friedensschluß wird er nacheinander Fremdenführer, Übersetzer, Zeichner für Parfumindustrielle usw. usw. 1920 kehrt er als Frachtwaggonbegleiter nach Prag zurüdt. In dieser materiell so bitteren Zeit hat Gutfreund seine ersten farbigen Köpfe gemacht. Die Terrakotten mit ihrem faden Ton haben ihn auf die Idee gebracht, durch Bemalung Leben in das öde Einerlei zu bringen. Dieser Epoche verdanken wir Gutfreunds »Selbstportrait«, einige Masken, das »Mädchen mit Hund« usw. 1921 beginnt der Erfolg. Beim Preisausschreiben für ein Denkmal der tschechischen Volksdichterin BozenaNemcova wird Gutfreunds Entwurf zur Durchführung angenommen und mit dem ersten Preis prämiiert. Diese figurenreiche Gruppe steht in der böhmischen Waldlandschaft und sie fügt sich ihr sehr natürlich ein ,• das Werk ist edelste Plastik. Es ist kein Werk der Kunst mehr: wie aus Gebirgen geformte chinesische Götter ist Bozena Nemcoväs Denkmal mit derLandschaft verwachsen. 1922 schafft Gutfreund den Fries für die von Gocär gebaute Bank der tschechoslowakischen Le^ gionen in Prag: eine Darstellung der Heimkehr von Legionssoldaten in lose aneinandergereihten Bildern, deren Art in Dvofäks Fries für die Brünner Bank schon sklavisch nachgeahmt wurde. 1923 schließlich entstehen die beiden Entwürfe für die Zizkadenkmal^ konkurrenz, von denen einer prämiiert wurde, und die Bildnisbüste des Ministers Dr. Benes. 1924 gibt Gutfreund einige Industriegruppen und eine farbige Bildnisbüste, die ihn als vollendeten realistischen Portraitisten zeigt. Er verwendet die Farbe. Aber diese Farbigkeit seiner Skulpturen ist nicht bloßes Kolorieren des Tones, durch die Färbung werden plastisdie Qualitäten geschaffen. Auch nicht zum Zwedie der Schaffung irgendeiner immerhin theo^ retisch denkbaren Synthese von Malerei und Skulptur ist die Farbe von Gutfreund in Anwendung gebracht worden. Ziele, wie sie Ardiipenko bei der Schaffung seiner Skulptomalereien gehabt haben mag, liegen Gutfreund vollkommen fern. Die Farbe ist für den tschediischen Plastiker einfach eine Möglichkeit, die Skulptur leben^ diger zu gestalten. Die Farbe erscheint als plasti^ scher Wert und dient zur Verstärkung der plastischen Einheit. Die Ent= Wicklung der tschechischen Plastik vollzieht sich in von Gutfreund gewiesenen Bahnen. Sie geht ihren Weg ruhig und sicher wie ihr Führer, dessen Werke ihr stets neue Energiequellen sind. OTTO GUTFREUND BILDNISBÜSTE 247

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