Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 246 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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OTTO GUTTREUND OTTO GUTFREUND MEDAILLON AUF DER HLÄVKABRÜCKE IN PRAG aufeinander stoßende Flächen versucht. Das Werk trägt alle Zeichen der Unruhe, aber kaum eines der Bewegung. Diese ist erst nach schärferer realistischer Durcharbeitung des Bildwerkes in »Bei der Toilette« vorhanden. In das Jahr 1913 fällt neben für die Entwiddungsstruktur weniger belangvollen Arbeiten der »Cellospieler«, den man als eine der Höchstleistungen kubistischer Plastik ansprechen kann. Im »Concert«, das Gutfreund vor dem »Cellospieler« geschaffen hatte, suchte er einen Ausdruck für die dynamischen Relationen zur Musik. Die völlige Auflösung des Körperlichen ließ die restlose Ausdeutung des Rhythmischen zu. Das »Concert« war die Übertragung einer metaphysischen Angelegenheit ins Plastische. Der »Cellospieler« ist Knochen, ist Gerippe eines mit dem Instrument verwachsenen Menschen, ist zum Bild gewordene und erstarrte Bewegung. Im »Concert« reiben sich gegeneinander losgelassene Energien im engen Raum, um die zusammen^ klingende Einheit zu geben, der »Cellospieler« ist die in sich geballte selbstische Kraft, ist die Energie, die aus der Beherrschung des Instrumentes durch den Menschen bricht, ist pfast/scße Einßeit. 1914 übersiedelt Gutfreund wieder nach Paris. Eine Steigerung seiner kubistischen Erfahrungen war nach der Dynamik des »Concerts«, nach der Kraftballung des »Cellospielers« kaum mehr möglich. Was an formalen Gewinnen, was an Erlebnis aus dem Kubismus zu schöpfen war, hatte Gutfreund ausgebeutet. Mit verhältnismäßig wenigen Arbeiten hatte er die Grundbegriffe dieser Kunstrichtung absorbiert. In gleicher Art weiter zu arbeiten hätte zu akademischer Erstarrung geführt. Der Weg für Neues war frei: da kam der Krieg. 246