Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 245 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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OTTO GUTTREUND war, mußte — auch wo er persönlich Neues schaffen und den plastischen Wert seiner Arbeiten steigern konnte — doch in den realistischen Bahnen seines Lehrers bleiben. Der frei wirkende Gutfreund dagegen konnte sich an der Kunst ganz Europas schulen. So ist Stursa eigentlich, trotz zeitweiliger Ausflüge in die aktive Plastik, der Bildner, dem die statische Ausgleichung eines Bildwerkes die Hauptsache ist. Gutfreund hingegen ist der Plastiker der Bewegung,- aus seiner innerlichen Fluktuation entspringt die seinen Schöpfungen immanente Bewegung, Den ersten Eindruck empfängt Gutfreund, der in Prag die keramisehe Fachschule und die Künste gewerbeschule absolviert hatte, als Zwanzigjähriger von Bourdelte. 1909 fand in Prag eine Bourdelle- Ausstellung statt und sie veranlaßte den werdenden Künstler, nach Paris zu gehen und ein Jahr bei Bourdelle zu arbeiten. »Es hat mich schwere Mühe ge* kostet, das dort Gelernte wieder zu vergessen«, hat mir Gutfreund einmal gesagt. 1910 kehrt er nach Prag zurück, wo er bis zum Jahre 1913 bleibt. Vorerst entstehen die Skulpturen für die von Pavel Janäk gebaute Hlävka^Brücke. 1911 dann die »Zie« gelarbeiter«. Zum erstenmal in diesem Relief tritt in Gutfreundsideen« kreis die DarsteU lung der Landschaft in der Pia« stik. In seinen OTTO GUTFREUND reifsten Arbeiten ist er zu diesem Problem des Zusammenhanges zwischen Plastik und Landschaft zurückgekehrt. Doch davon später. Die »Ziegelarbeiter« sind keine gute Arbeit. Dieses Relief stellt die Körper in eine Landschaft, die nicht gedacht, sondern nur zur Darstellung gebracht ist. Der Wert der Plastik aber liegt darin, daß ihre körperlichen Gebilde die Landschaft vorstellbar machen. Sie sollen ja auch vom Bildner (fast immer) in eine solche gedachte Landschaft komponiert werden. 1911 noch, im Jahre der Gründung des »Umelecky Mesicnik«, formiert sich in Prag die künstlerische Avantgarde. Den Malern Filla,Kubista, Coubine, Capek, Späla und Benes, den Ar« chitekten Janak, Gocär und Hoff« man gesellt sich als einziger Plastiker Gutfreund. Seine ersten ku« bistischen Plastik ken entstehen. Ihre Vorstudien kann man noch in »Angst« und »Bei der Toilette« sehen. Die »Angst« stellt Gutfreund im Ausdruck eines Kopfes dar, der als einziger realistisch durchgear« beiteter Teil aus einem Block her« auswächst. Diese Arbeit ist gewiß noch keine Lösung für die auf Be« wegung hinzielen« den Absichten Gutfreunds ge« wesen. In diesem Block liegt noch zu viel Statisches, die Bewegung ist nicht ausgelöst, sie wird nur durch die Zergliederung BEI DER TOILETTE des Materials in 245