Mannheim
Compact Memory

Das Zelt · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 229 (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3139318-3133277-3133283--288-3133593
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

BUCH. KUNST UND KÜNSTLER großer Sachkenntnis und bewundernswürdiger Hingabe, vor allem aber aus dem Geiste des Originals heraus unternommen wurde. Dies zeigen auch die Anmerkungen, die einen fortlaufenden lebendig geschriebenen Kommentar bilden, der den Leser dazu bringen will, jedes Gedicht als ein Ding für sich zu nehmen, wie es der Dichter als ein Ding für sich gedacht hat. Den besten Gebrauch der Übersetzungen wie der Anmerkungen wird man aber machen, wenn man das Original daneben hält. Das Buch ist eine vorbildliche Arbeit, einem der kostbarsten Kleinode unseres historisdien Erbes gewidmet, und ist besonders geeignet, dem Verständnisse der herrlichen Dichtungen, die als der vollkommenste Ausdruck der jüdischen Religiosität der Gallith anzusehen sind, ein Führer zu sein. H. K. Das Tote Meer. Von Dr. H Schroetter (M. Perfes=Verfag, Wien). Ein dankenswerter Beitrag zur Kunde des Bahr lüt, sonderlich was die physikalischen, respektive thermischen Verhältnisse betrifft. Interessant und sicherlich wichtig auch die Feststellung der, wenn auch bescheidenen, aber doch existierenden Flora an den Rändern des Salzmeeres. Über den engen Kreis der Fachgelehrten hinaus fesselt die Broschüre auch den Laien, weil Schroetter glücklicher^ weise wissenschaftliche Trockenheit missen läßt und nie geschlossenen Auges an den einsamen Schönheiten der Wüste und des Toten Meeres vorbeigeht. Für uns aber, die wir damals am Bahr lüt waren, als es nicht im Bereiche europäischen Kommerziantentums lag, still und ruhig, Gebiet wandernder Beduinen, für uns ist Schroetters Arbeit eine Erinnerung an eine wunderbar schöne Zeit. E. H. Maßatma Gandßi. Von Romain Roffand CRothapfef=Verfag, München). Wenn auch dieses Buch weder mit Palästina noch mit Judentum stofflich etwas zu tun hat, sei es dennoch hier angezeigt, denn es ist ein erschütterndes Dokument der großen asiatischen Seele. Gandhis Bedeutung überschritt längst die Grenzen Indiens, und wenn auch sein Name dem Panasiaten in Damaskus oder in Kabul vielleicht unbekannt ist, ist das Ziel dieses größten Asiaten der Gegenwart das Ziel Aller, die für die Freiheit und für die Zukunft des Morgenlandes ihr Leben einsetzen. — Der Mahatma sei vorbildlich auch für das palästinensische Judentum: als Mensch und als Politiker. Darum sei dieses Buch an dieser Stelle registriert. Ist nicht die Tosereth=haares=Bewegung im neuen Jischuw Palästinas ein zarter tastender Anklang an die SwadeshUBewegung Gandhis? Kann nicht einmal der volle Akkord über ganz Asien mitklingen: Befreiung des Ostens von der Vorherrschaft des Westens? E. H. Traum und Traumdeutung im Tafmud Von Dr. A. Kristianpoffer (Benj. Harz=Verfag, BerfinJ. In dem Bestreben, die Realien des Talmud zu erschöpfen, ist es endlich auch zu einer systematischen Behandlung des Traumes und der Traumdeutung in dieser gewaltigen Literatur gekommen. Wir haben das schöne Werk Dr. Alexander Kristianpoller, einem jungen Wiener Gelehrten, zu verdanken, und es bildet einen Teil der Monumenta Talmudica, einer vortrefflichen Sammlung von erläuterten hebräischen und aramäischen Texten der rabbinischen Literatur, ein Monumentalwerk, das, wie viele andere, durch den Krieg in Gefahr stand, ein Torso zu bleiben, nun aber, dank der Rührigkeit des Verlages, wieder Aussicht hat, vollendet zu werden. Dr. Kristianpoller hat sich seiner Aufgabe sehr gut erledigt. Die Texte sind gut gewählt und mit allen Mitteln der philologischen Deutung und der einschlägigen Literatur gut erläutert,- man muß nur die zu jedem Text ausreichend gegebenen Notizen lesen, um wahrzunehmen, daß hier tüchtige Arbeit geleistet wurde. Aber eben diese Notizen zeigen auch, wie schwer es ist, die Gedankenwelt, die aus diesen Texten zu uns spricht, völlig zu erraten und zu ergründen. Manches, was noch im Zweifel gelassen wurde, wird durch künftige Arbeit erklärt werden müssen. Soviel aber läßt sich schon jetzt sagen, daß die so notwendige Erforschung des Talmud auf seine Realien hin, die von so vielen Seiten in Angriff genommen wurde, nach Allem — kein Traum mehr ist. S. K. Durch die Wüste. Von Ernst Bfocß. (Pauf Cassirer= Verlag, BerfinJ Durch die Sprachwüste. Etwa: »Bereits denn ja soll dem Psychologen Narciß Ach gelungen sein, eine so vollkommene Versuchsanordnung herzustellen, daß man der Versuchsperson selber endlich entraten kann.« Bereits denn nein! . . . Essays müssen — als literarischer Gegenpol der Dichtung — auf ein Gesellschaftsniveau zurückdeuten, nicht auf ein individuelles. In Deutschland sollten Essays nicht geschrieben werden. »Es gibt nur wenige bessere ältere Männer in diesem subalternen Kreis, so der scharfsinnige Stumpf <!>, und dann jene langsam aussterbenden enzyklopädischen Köpfe wie Külpe . . .« Wo aber Stumpf, der Scharfsinnige, lebt, und Külpe, der Kopf, dort sollen die Beiden ihre epitheta ornantia lieber in Esperanto formulieren ... J. K. Kirjatß Sefer. A Quartafy Bihfiograpßicaf. Review ed. hy Hugo Bergmann und Hermann Pick. Cjerusafem, Aprif1924J Die rührige Leitung der National*, beziehungsweise Universitätsbibliothek in Jerusalem gibt eine biblio* graphische Vierteljahresschrift heraus, deren erster Band eben vorliegt. Ihr wurde zunächst das Ziel gesetzt, über die Druckbewegung Palästinas zu informieren und auch womöglich die gesamte laufende hebräische und judaistische Literatur zu registrieren. Die Einleitung berichtet über die Bewegung des Bibliotheksbestandes, insbesondere über die Schenkungen, unter denen die Popper=Lynkeussche sowie die Goldzihersche Bibliothek, letztere als die größte arabistisch=islamitische Sammlung der Welt, besonderes Interesse beanspruchen. Die Nationalbibliothek umfaßt zirka 72.000 Bände, wobei die naturwissenschaftliche und medizinische Abteilung aus Platzgründen separiert wurde. Interessant im Hinblick auf die Vielseitigkeit des palästinensischen Lebens, aber auch Zeugnis eines allzu stark literarischen Zuges darin ist das Verzeichnis der Zeitschriften, das, ein* schließlich der wenigen christlichen und arabischen Periodica, 140 Nummern, darunter 122 jüdische nebst Regierungspublikationen, enthält. Weitere Verzeichnisse betreffen die laufenden jüdischen Zeitschriften überhaupt und einiges aus der allgemeinen jüdischen oder Judentums* literatur. Ein literarischer Teil enthält wissenschaftliche Beiträge, welche zum Teil an Schätze der Bibliothek anknüpfen. Hervorhebenswert sind eine kabbalistisch*literarische Studie von G. Scholem, die einen Liebeshandel betreffende alte Korrespondenz aus der Karäergemeinde, eine Anzahl von Briefen an Moses Mendelssohn, endlich eine aus* führliche Beschreibung des nach Jerusalem gespendeten, zeitgeschichtlich sehr interessanten SmolenskUArchivs. E. M. 229

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.