Mannheim
Compact Memory

Das Zelt · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 228 (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3139318-3133277-3133283--287-3133592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

H I O B VON MANFRED STURMANN Meine goldnen Fluren hast Du aufgerissen und Durchgewüstet mit den Fingern Deiner Riesenhand. Daß ich blindlings schreien könnte mit dem Aussatzmund! Doch ich weine nur mein krankes Blut in meine Hand. Meine Kinder hat die schwarze Seuche hingerafft, Meine Herden in den dürren Gärten siechen hin. Wie ein Birnenstamm, vom Wind zerkeilt, ist meine Kraft, Und vom Schauder meiner Fieber ausgehöhlt mein Sinn. O, ich friere so und bin doch Deines Hauches Sohn! Ewiger in Deinen Sonnen, ich erkenne Dich, Sieh, aus Palmen senkt sich Deiner Heerschar Jubelton, Lind die Fäulnis meines Leibes deckend, über mich ... Gott Jaakobs, Du erstehst in meinem wachen Traum, Die Versöhnung Deiner Stirne sprengt das Erdenlos! Und ein Schwärm von Deinen Engeln fliegt durch Stern und Raum Und auf Flügeln tragen sie mich still in Deinen Schoß. BUCH, KUNST UND KÜNSTLER Unser Mitarbeiter Afexander Efiasßerg ist, sechsundvierzig Jahre alt, nicht zuletzt an den Folgen des bayerischen Antisemitismus gestorben. Was Eliasberg dem Judentum gewesen ist, sagte Arnold Zweig in treffender Weise: »Mit diesem bescheidenen und vornehmen Schriftsteller ist ein Botschafter des östlichen Judentums bei der deutschen Sprache und Kultur zu Grabe gegangen,- und wäre er weniger Jude gewesen, wenn er, den Sinn der Juden für allgemeinere VeranU wortung verleugnend, sich nur auf das Jüdische beschränkt hätte und nicht auch der anderen, breiten und gewaltigeren nah-östlichen Welt, dem Russischen, zum treuen DoU metsch geworden wäre.« Eliasberg war ein braver, fleißiger Mensch mit weiten Horizonten. Ädordcße Spektor stammt aus Uman (Gouvernement Kiew). 1882 schrieb er, angeregt durch den hebräischen Schriftsteller und Gelehrten A. Zweifel, seine erste Erzählung »A Roman uhn Liebe«,- 1884 — 1887 war er Mitarbeiter des Volksblattes <Jiddisch> in Petersburg. In dieser Zeit verfaßte er die Erzählungen: »Die jüdische Musik«, »Rab' Trajtel«, »A stummer guter Jud« und »A Welt mit kleine Weltalech«. Gegenwärtig lebt er in New York und arbeitet, trotz seines hohen Alters, für verschiedene Zeitschriften. Bis heute sind von ihm mehr als fünfzig Romane und Erzählungen erschienen. Leo Tiscßmann ist der Autor des erfolgreichen Romanes »Die gelbe Fahne« <bei Rikola=Verlag>. S. D. LuzzatO, von dem in diesem Heft ein Gedicht gebracht wird, legte neben Krochmal und Rappaport den Grundstein zu einer modernen Behandlung jüdischer Geschichte. Er war nicht nur Dichter, sondern auch Grammatiker, Bibliograph, Bibelforscher und, wie erwähnt, Historiker. Er starb 18Ö5 als Lehrer am Collegio rabbinico in Padua. ManfredSturmann, ein junger Lyriker, auf dessen Nachdichtungen biblischer Dichtung im vierten Heft des »Zelt« hingewiesen wurde. Cßajim Btocß, ein ostjüdischer Gelehrter, der sich hauptsächlich mit der Darstellung des Lebens der ChassU dim beschäftigt. Neben einer Anzahl hebräischer Werke sind bemerkenswert seine <meist bei B. Harz=Verlag erschienenen) deutschen Bücher, von denen genannt seien: »Der Prager Golem«, »Ostjüdischer Humor« und »Hersch Ostropoler«. Prof. S. Krauss, der 186Ö in Ungarn geboren wurde, ist Professor an der israelitischen theologischen Lehranstalt. Aus der außerordentlich langen Reihe der Werke, die Professor Krauss zum Verfasser haben, seien genannt : »Leben Jesu nach jüdisdien Quellen«, »Synagogale Altertümer«, »Talmudische Archeologie«, ein hebräischer Kommentar zu Jerapa. Gegenwärtig arbeitet der Gelehrte an der Fort= Setzung seines Werkes: »Kadmonijoth hattalmud«. NEUE BÜCHER Besprochen von Erwin Tefßer, Eugen Hoefficß, Professor Dr. J. Krauß, Josef Kafmer, Hugo Knöpfmacßer und Ernst Müffer. Sechzig Hymnen und Gedidote des Jefmda Hafevi, Deutsch von 'Franz Rosenzweig COskar Wößrfe=Verfag, Konstanz}. Franz Rosenzweig hat es sich zur Aufgabe gemacht, in seinen Übersetzungen nicht nur Sinn und Stil, sondern auch die Reime und den Strophenbau und in gewissem Maße auch die Rythmik des Originals getreu nachzubilden, er verziehtet auf jede eigene Zutat und wendet Umschreibungen nur an, wenn die Einhaltung der Form es erfordert. Seine Übersetzungen, auf den ersten Blick schwer verständlidi, wollen immer wieder und wieder gelesen werden. Sie lassen uns aber auch die ganz eigenartige Form des spanisch =jüdischen Dichters ahnen, eine Form, die so untrennbar mit dem Inhalt zusammenhängt, daß Über= Setzungen, die diese Form aufgeben, auch den Inhalt verwässern und verfälschen. Rosenzweigs Übersetzung ist ein neue Wege einschlagender Versuch, der mit 228

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.