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Das Zelt · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 227

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 227 (sequence 42)
Language
German
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HEXAGRAMM UND HAKENKREUZ IN DER SYNAGOGE nicht der Fall ist. Es gibt auch keine literarische Quelle, die ihrer gedenkt. Heute noch bedienen sich die Araber solcher Steinmetzzeichen, die sie wasm nennen, und auch bei uns findet man regelmäßig Tür- und Fensterrahmen mit Zeichen und Nummern versehen, um sie an gehöriger Stelle einfügen zu können. Was ist es nun mit dem Hakenkreuz in der Synagoge? Besagen die geometrischen Figuren, die man hat als Hakenkreuz auslegen wollen, mehr als die Buchstaben in der Stadtmauer von Pompeji, mehr als das deutlich sichtbare Fünf* und Sechseck in manchen alten Synagogensteinen, die man gleichwohl doch nur als simple Zeichen ansehen darf? Zunächst sei bemerkt, daß dieses Hakenkreuzmotiv gar nicht so neu ist, wie es die Zeitungen hinstellen, gar nicht auf die Synagogenruine von Kefar nahum beschränkt ist, sondern auch anderwärts vorkommt. Man sehe sich nur die Abbild düngen 235 und 236 in Kohl=Watzingers Werk an und man wird dieses Motiv sehr deutlich in einem Stein sehen, der zur Synagogenmauer von ed=dikke gehört. Die Verfasser beschreiben wie folgt: »Als Teil des die Front abschließenden Kranzgesimses kommen vielleicht die Bruchstücke eines Geison mit Sima in Betracht, das schwerlich als Wandabschluß ins Innere gehören wird. Es ist in sorgfältiger Ausführung aus dem harten Basalt in zwei durch Astragat geschiedene Rundstäbe, eine Hängeplatte und eine Sima gegliedert,- der untere Rundstab ist mit auseinandergereihten Blattkelchen, der obere mit Eierstab, die Sima einmal mit Mäander, das andere Mal mit einem zopfähnlich geflochtenem Band dekoriert.« Also erklären berufene Fachleute unser Motiv für einen Mäander. Genau dasselbe gilt für das Ornament, das in Kefar nahum gefunden wurde. Dies allein entspricht dem sonstigen Befunde an diesen Trümmerstätten. Man sieht durchaus nur rein dekorative Ornamente und man erkennt deutlich die orientalische Neigung für das verschlungene, geometrische Muster, das ja bekanntlich bei Arabern und Persern bis auf den heutigen Tag vorherrscht. Nur dies allein hat Tradition, während jeder andere Gedanke den Erbauern und den Besuchern dieser Synagogen fremd war. Der Werkmeister hat wohl ein Penta- oder Hexagramm an der Ecke des Steines angebracht, er hat sich aber dabei nichts gedacht,- er wollte nur sein Monogramm an seinem Werke anbringen. Er hat auch, wie ein Dutzend anderer Muster, eine Hakenkreuzverschlingung in den Stein gemeißelt,- wohl ganz gedankenlos,- für ihn war das ein rein dekoratives Motiv, weit entfernt, irgend ein Symbol zu sein. Was das Hakenkreuz wirklich ist, ist unschwer zu erraten. Seine germanischen Träger oder Verfechter haben es für gut befunden, ein altes Motiv des Fehmgerichtes aufleben zu lassen. Die Fehmrichter oder Schöffen bedienten sich eines Schwertes oder Dolches, dessen Griff die vier verschlungenen Haken zeigte, in deren Felde die vier Buchstaben S. S. G. G. eingetragen waren, das ist: Strick/ Stein, Gras, Grün — die geheime Losung der Schöffen. Unsere Herren Hakenkreuzler haben einfach auf ein bekanntes Symbol zurückgegriffen. Es sind noch keine hundert Jahre her, seit der letzte Fehmrichter auf westfälischem Boden, wo sich die Fehme am längsten erhalten hat, gestorben ist,- die Fehme selbst wurde in Westfalen erst durch die Franzosen unter Jeröme beseitigt. Auch die letzten Reste der Inquisition in Spanien wurden bekanntlich von Napoleon um dieselbe Zeit beseitigt. 227

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