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Das Zelt · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 226

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 226 (sequence 41)
Language
German
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HEXAGRAMM UND HAKEN¬ KREUZ IN DER SyNAGOGE VON PROF. DR. S. KRAUSS <M1T DREI AUFNAHMEN AUS KEPHAR NAHUM VON K. R. MAX KLEIN) Als vor einigen Jahren die Ruinen der antiken Synagogen in Galiläa von zwei deutschen Forschern, Koßf und Watzinger, gründlich aufgenommen und beschrieben wurden (Leipzig 1916), glaubten sie, in diesen Synagogen das erste Vorkommen des Pentagramms und Hexagramms, die man gewöhnlich als jüdische Symbole ansieht, festgestellt zu haben. Der bekannte Architekt und Synagogenforscher, Affred Grotte in Breslau, hat auf das hin in der »Monatsschrift« (1921, 27) die Erwartung ausgesprochen, daß dieser Fund in theologischen Kreisen Aufsehen erregen werde, und apostrophierte mich, diesem Funde doch Rechnung zu tragen. Ich antwortete darauf (ebenfalls in der »Monatsschrift« 1921, 219), daß ich von diesem Fund nichts halte, da ich in dem betreffenden Zeichen kein Symbol, noch weniger ein jüdisches Symbol erblidte, sondern es für ein Steinmetzzeichen ansehe. Steinmetzzeichen hat es schon in alter Zeit gegeben und nichts beweist dessen Vorkommen besser, als der Umstand, daß O. Ricßter ein eigenes Buch über antike Steinmetzzeichen geschrieben hat (Berlin 1885). Jedermann kann sie sehen, zum Beispiel in der Stadtmauer von Pompeji. In Sern bekannten Buche von Joh. Over Beck, Pompeji, 4. Auflage, S. 43, heißt es darüber wörtlich: »In den Quadern der Innenwand finden sich vielfach buchstabenähnliche Steinmetzzeichen eingehauen, welche in vielen Fällen, aber nicht immer, mit Buchstaben der altitalienischen Alphabete übereinstimmen. Andere, einfachere Zeichen und in viel geringerer Anzahl zeigen die Steine der Außenwand«. Also selbst Buchstaben bedeuten nichts, wollen nicht als Schrift bewertet werden, sondern sind bloß Zeichen, mit denen der Steinmetz seine Arbeit, allenfalls auch die Sicherung des Gefüges von Stein zu Stein, angeben will. Im Mittelalter hatten die Steinmetzzeichen, zum Beispiel solche in der Stephanskirche zu Wien, eine erhöhte Bedeutung. Es wurden in die einzelnen Werkstücke Zeichen eingeritzt, teils um an ihnen die Löhne der Steinmetzen zu berechnen, teils um als Monogramm des betreffenden Arbeiters zu dienen, wodurch man zum Beispiel Gesellen vom Meister unterschied. Diese Zeichen wurden den losgesprochenen Gesellen von der Bauhütte gewissermaßen als Diplom mitgegeben und ihr Mißbrauch wurde mit Strafe belegt. All das beweist, daß wir es hier mit einer Jahrhunderte langen Entwicklung zu tun haben. Warum nun soll man dies nicht auch für die galiläischen Synagogen, die doch in die römische Zeit fallen, annehmen? Auch das Penta- und Hexagramm, wenn auch auf den Steinen deutlich zu sehen, sind schließlich nur geometrische Figuren und solche werden in großer Zahl angewendet. Wären sie als Symbole bedacht, müßten sie eher im Innern der Synagoge und in überragender Stellung angebracht sein, was aber 226

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