Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 222 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSSET TR MEHRERE CHALUZIM: Gerungen? Wir halten alle mit. (Viele ab.) TRUMPELDOR (stößt einen gellenden Pfiff aus. Getümmel im Hintergrund.) FREMDER OFFIZIER: Fräulein, Sie haben mir noch jenes Dachstübchen nicht gezeigt. DEBORAH: Es ist des Hauptmanns Zimmer. TRUMPELDOR: Führe ihn nur hinauf. Die Entscheidung ist schon gefallen. SCHECH: Da geh ich mit. ZWEI CHALUZIM (die zurückblieben): Wir auch. (Fremder Offizier, Deborah, Schech, zwei Knechte und zwei Chaluzim gehen schweigend hinauf.) (Axtschläge gegen das Tor rechts.) TRUMPELDOR: Wer will hier seinen Eingang ertrotzen? VIELE STIMMEN (hinter der Szene): Wir. TRUMPELDOR: Wer seid ihr? VIELE STIMMEN (im steigenden Tone): Kinder des Landes. TRUMPELDOR: Zurüdd Wir werden schießen. VIELE STIMMEN (donnernd): Dann wanken unsere Leichen hinein. DEBORAHS STIMME (von der Dachstube): Jossef, sie haben mir die Waffe entrissen! TRUMPELDOR (mit aller Macht rufend): Feuer! (Bar Goel und Schmuel drücken gegen das Tor los. Zwei laute Schreie folgen, dann Stille. In der Dachstube schlägt eine mächtige Sprenge ein, der dicker Rauch und Feuer folgen. Gewehrgeknatter hinter der Szene.) OFFIZIER (aus der Dachstube tretend): Da liegen sie nun wie Schmeißfliegen beisammen. (Labib stürzt an ihm vorbei.) Wohin, Bube? LABIB (aus vollem Halse schreiend): Weh mir, wer befreit mich aus den Klauen dieses Tigers? SCHMUEL: Der Fürst dieses Abends — der Tod. SCHECH: Halt, Schurke! (Er stürzt aus der Stube auf den Offizier, der mit ihm und Labib die Treppe hinuntereilt. Handgemenge, wobei Labib entschlüpft und in den Stall flüchtet.) FREMDER OFFIZIER: Laß mich, Beduine! Sonst bist du des Todes. SCHECH (ihn erstechend): Dein Maß ist voll. Stirb, Mörder! (In diesem Augenblick geht das Tor auf. Ein ungeordneter Haufe Bewaffneter stürzt herein. Trumpeldor pfeift wiederholt, worauf vom Stall her und aus dem Hintergrund viele Chaluzim hereineilen. Getümmel. Langanhaltender Donner.) TRUMPELDOR: Werft sie hinaus! Der Geist Jehuda Makkabis schreite uns voran! (Er wird von einer Kugel getroffen.) Potz Element! Nun hab ichs weg. SCHMUEL: Was ist dir, Jossef? SCHECH (springt auf Trumpeldor zu): Komm, Jossef! Meine Brust sei dein Ruhekissen. Lehn dich an mich! TRUMPELDOR: Was ist das, was ich vor mir sehe? SCHECH: Du meinst die Bande? Sei getrost, sie wird hinaus gejagt. TRUMPELDOR: Nein, nein. Ich meine die wirren Bilder. Wie ein Wirbel von Ereignissen fliegt mein Leben an meinem geistigen Auge vorüber. SULAMITH (herbeieilend): Ist es wahr - O Gott, Jossef. Was ist dir? TRUMPELDOR: Hast dus schon erfahren? Weiche zurück! Fürchtest du dich vor dem Kugelregen nicht? SULAMITH: Nimmermehr, Jossef. (Indem sie sich neben ihn auf dem Boden setzt und seinen Kopf in den Schoß nimmt.) Hast du unseren Verlobungsspruch vergessen? »Wo du stirbst, da sterbe ich auch,- da will ich auch begraben werden.« TRUMPELDOR: O Sulamith! (Plötzlich wendet er das Gesicht zur Erde und speit Blut aus, dann ruft er mit Anstrengung): Schmuel, du hast die Führung. (Eine Weile finstere Nacht.) SCHMUEL: Im Namen Dessen der Himmel und Erde geschaffen. Fadteln her! (Zwei gehen ab. Posaunenstoß in der Ferne.) EINE STIMME: Die Hilfe naht. BAR GOEL: Sie weichen schon. MEHRERE: Sie fliehen. ALLE CHALUZIM: Sieg! Sieg! (Die Angreifer fliehen. Chaluzim kehren mit Fackeln zurück.) SCHMUEL: Keiner gehe hinaus! Schließt das Tor zu und verriegelt es! (Geschrei hinter der Szene: »Sieg! Sieg! Sie fliehen.«) SCHECH: Gelobt sei Allah für diesen Sieg. SULAMITH: Wie teuer ist er aber erkauft. (Sie weint. Tiefe Stille. Ajalas weinerliche Stimme hinter der Szene): Weh mir! Weh! Wie schauderhaft still ist es um mich geworden! Wie hat sich alles im Augenblick verwandelt. (In steigendem Tone): Gott meiner Väter! Bin ich allein am Leben geblieben? (Aufschreiend): Wo sind denn meine Brüder und Schwestern? Sulamith, Deborah, seid ihr tot? BAR GOEL (geht ab): Komm, Ajala, wir wollen nach meiner Schwester suchen. (Nach einer Weile kehrt er mit ihr zurüdt.) AJALA (laut aufschreiend): Jossef. (Sie stürzt zu seinen Füßen nieder und weint still. Bar Goel geht die Treppe hinauf.) TRUMPELDOR (wie aus einem Traum erwachend): Sulamith, bist dus? SULAMITH (schluchzt laut auf). TRUMPELDOR: O, warum weint denn meine Sulamith? SCHMUEL: Streng dich nicht so an, Jossef. Komm, laß dich hineintragen und betten, bis wir den Arzt herbeigerufen. TRUMPELDOR: Kann mir der Arzt mein Leben zurüdtgeben, das wie ein Adler hoch über den Wolken dahinfährt? SULAMITH: Ist es schon so weit, daß dein Geist über den Wolken schwebt? TRUMPELDOR: Und weißt du, Geliebte, wer mich so sanft in seinen Armen hält? SULAMITH: Ists nicht der Engel deiner Träume? Die Seele dieses heiligen Bodens? TRUMPELDOR: In der einen Hand hält sie eine leuchtende Sternenkrone, um den Hals trägt sie den Regenbogen statt eines Geschmeides, wäh^ rend ihr schneelichtes Gewand aus den reinsten Sonnenstrahlen gewoben zu sein scheint. SULAMITH: Was flüstert sie dir ins Ohr, daß du so selig lächelst? TRUMPELDOR: Hörst du denn ihre Stimme auch? »Ich war nackend«, ruft sie ergriffen, »aber 222