Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 223 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSSET TRUMPELDOR du hast midi bekleidet. Du hast midi mit deinem Blute schöner ausgestattet, als die strahlende Braut des Tages. Habe Dank, mein Sohn, mein Liebling. Nun darfst du endlich ruhn in meinen Mutterarmen.« SCHECH: Jossef, komm doch zu dir! TRUMPELDOR: Leb wohl, 'Abd er ra'uf! SCHECH: Nicht also, Freund. Wir setzen den Weg gemeinsam fort. Bald werden wir auch unter einer Dedte ruhn. Dann wird man singen vom Araberhäuptling und vom Judenführer, die als Freunde gestorben sind. ALLE UMSTEHENDEN: Wie, Scheeh, bist du verwundet? SCHECH: Audi ich. Den ersten Stoß ins Herz hab idi vor Tagen von Deborah erhalten. Den zweiten Schlag hat mir jener Hund mit seiner Sprenge versetzt. SCHMUEL: Wie sollen wirs deinem Vater sagen? SCHECH: Daß ich als Ehrenmann gestorben. (Zieht aus dem Busen ein Tuch, in das etwas gewickelt ist.) Gebt ihm meinen Schmuck und bittet ihn, ihn für meinen kleinen Bruder aufzubewahren. (Sich aufrichtend.) Mir ists plötzlich so leicht ums Herz geworden, als trüge ich Schwingen. Ich möchte hinauf zu den Schlafenden oben und versuchen, ob ich doch nicht fliegen kann. (Er macht einige Schritte zur Treppe und wankt.) DIE UMSTEHENDEN: Schech, Schedi - du wirst fallen. SCHECH: Weil ich zu hoch geflogen bin. (Fällt dem Nachstehenden in den Arm.) Mein Mantel fällt, ich aber setze meinen Flug fort. (Schwach.) Grüßt Trumpeldor — lebt — (stirbt.) TRUMPELDOR: Bald folg ich nach. LETZTER AUFTRITT (Farkas, Aharön und Andere treten zu den Vorigen auf.) FARKAS: Schalom! SCHMUEL: Schalom! Wer ist zurückgeblieben? FARKAS: Rodiebeth und fünf andere Brüder. TRUMPELDOR: Ist der greise Wanderer hier? Mir ist, als hört ich seine Stimme. SULAMITH: Es ist Farkas, der gekommen ist. TRUMPELDOR: Wo ist der Wanderer, Farkas? FARKAS: Ich vermutete ihn hier. TRUMPELDOR: O, daß er bald käme! (Plötzlich aufschreiend.) Ach! Brüder . . . SCHMUEL: Haben wir keinen Verband? SULAMITH: Hier ist Verbands genug. (Zerreißt ihr Oberkleid.) (Harfenklänge hinter der Szene.) TRUMPELDOR: Horch, das ist er. SCHMUEL: Wie ein unsichtbarer Seraph wandelt dieser Wanderer vor uns her. TRUMPELDOR: Hört ihr seine Stimme? (Wanderers Stimme mit Harfenbegleitung.) Wie lacht das Land im Sonnenschein, Als glitzerte ein Edelstein. Die Zeder rauscht ein altes Lied, Die Jordanwelle abwärts flieht Und trägt die Kunde mit sich fort: Der Schöpfer sprach sein neues Wort: CHOR DER UMSTEHENDEN: Von Ost und West, von Süd und Nord Ruf ich mein Volk an seinen Ort. TRUMPELDOR: Wie wohl wird mir bei solchem Gesang. WANDERERS STIMME WIE OBEN: Der Weinstock sieht nachts einen Traum, Still schauert der Olivenbaum. Und auf dem Feld die Lilie glüht, Die auch an Ölbergshängen blüht. Wild braust ein Lied durchs ganze Land Vom Karmel bis zum Jordansstrand. (Chor wie oben.) Von Ost und West, von Süd und Nord Ruf ich mein Volk an seinen Ort. TRUMPELDOR: Das ist der einzige Balsam für meine Wunden <—. Immerzu, immerzu! (Schwächer.) Seraphim und Cherubim hör ich mit euch singen. (Wanderers Stimme wie oben:) Der Landmann auf dem Ährenfeld Eilt zu den Seinen in das Zelt. Er findet drin der Wanderer viel, Die Gott der Herr geführt zum Ziel. ALLE: Ein neuer Geist beseelt die Schar, Sie bringen Dankesopfer dar. Und alles singt aus einem Mund: Wir sind ein Volk in Gottes Bund. TRUMPELDOR: Ein neuer Geist ~ und ein neues Lied. Eine neue Erde — tut sich — vor mir auf, — mit duftenden — Blumen — und glitzerndem —- Tau, — mit Engeln — und — seligen — Brüdern. — Wie schön ists doch für die Heimat zu sterben. Lebt . . . wohl! ... (Stirbt.) SULAMITH (aufschreiend): Wehe mir! SCHMUEL: Weine nicht um diesen Helden, Sulamith! Er setzt sein strahlenderes Dasein unter uns fort. SULAMITH (wirft sich über ihn und küßt ihn): Mit diesem Kusse habe ich meinen Witwenstand besiegelt. VORHANG 223