Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 221 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSSET TRUMPELDOR FREMDER OFFIZIER (zum Schech, spöttisch): Kommst du nicht mit? SCHECH: Ich bleibe hier, so erforderts meine Ehre. TRUMPELDOR: Das sprach ein Ehrenmann. FREMDER OFFIZIER: Laß dir eine Schüssel voll Artigkeiten darbieten, Schech. TRUMPELDOR: Vergessen Sie nicht, Herr Amtsbruder, daß Sie unter unserem Dach stehen, und daß das Tor, das Sie hereinließ, noch immer nicht geschlossen ist. FREMDER OFFIZIER: Verzeihung, Hauptmann. Woher sollte ich wissen, daß ein Araber sich hier zu Hause fühlen darf. TRUMPELDOR: In Ihrer Heimat scheint der Bibelunterricht abgeschafft worden zu sein, sonst müßten Sie wissen, daß Ismael und Isak Abrahams Söhne waren. (Geht die Treppe hinauf.) FREMDER OFFIZIER: Leider gibt man auf solche Ammenmärchen nichts mehr bei uns. Darf ich bitten, Fräulein? (Ab mit Deborah und seinen Knechten.) 6. AUFTRITT (Die Vorigen ohne Deborah, den Offizier und seine Knechte.) BAR GOEL: Was soll aus dem drängenden Haufen am Tor? SCHECH: Da hat der Hauptmann das Wort. TRUMPELDOR: Er bleibe draußen. BAR GOEL: Habt ihr gehört? MEHRERE: Wir gehen nicht. SCHMUEL: Sie haben noch kein Abendbrot bekommen. EINER: Wir warten auf unseren Schech. SCHECH: Seit wann ist der Offizier euer Schech geworden? DER EINE: Wir warten auf dich. SCHECH: Ich habe keinen Gefolgsmann gerufen. SULAMITH (erscheint im Hintergrund): Es sind Männer erschienen, die Abendbrot verlangen. SCHMUEL: Wüßt ichs doch, daß wir heute ein Gelage haben werden. Es wanken zu viele lebendige Flaschen umher. TRUMPELDOR (von der Treppe aus): Sind wir im eigenen Hause belagert, Schech? SCHECH: Ich schwöre dir bei Allah, Jossef, daß mir erst jetzt die Augen aufgehen,- mit Schaudern werd ich gewahr, was dieser Teufel angezettelt hat. Laß sie alle hinauswerfen, wenns die Umstände erheischen. TRUMPELDOR (die Treppe niedersteigend, zu einem Chaluz): Sag dem Aharon, daß er nicht länger zaudern soll. (Chaluz ab.) (Blitz und Donnerschlag.) SCHMUEL: Nun spricht unser Herr und Gott auch. SCHECH: Gepriesen sei sein Name. TRUMPELDOR: Wie lange soll das Tor offen stehen? BAR GOEL (packt einen): Hinaus, hört ihr nicht? (Der Beduine wehrt sich,- es entsteht ein Getümmel am Tor, an dem sich Schmuel und Trumpeldor beteiligen. Der Haufe wird hinausgedrängt.) GEORG EHRLICH MÄDCHENBILDNIS VIELE STIMMEN (draußen): Schließt und verriegelt! Jede Herausforderung hat ihre Antwort. 7. AUFTRITT (Offizier, Deborah und die Knechte zu den Vorigen zurück.) SCHECH: Nun, Herr, was haben Sie alles entdeckt? FREMDER OFFIZIER: Daß meine Begleiterin noch schweigsamer ist, als der Engel des Todes. BAR GOEL (lacht). SCHMUEL: Ein Beweis dafür, daß Sie hoch im Ansehen stehn. FREMDER OFFIZIER: Bei den Arabern fühle ich mich wohler als hier. SCHMUEL: Vor kurzem noch haben Sie das Gegenteil behauptet. LABIB: Verlassen wir den Ort, Herr Offizier, ehe der Berg von Sodom und Gommorrah zum Ausbruch gelangt. FREMDER OFFIZIER: Vernimmst du sein Getöse schon? SULAMITH (erscheint wieder im Hintergrund): Jossef, draußen wird vor der Küche gerungen. 221