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Das Zelt · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 220 (sequence 35)
Language
German
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JOSSET TR schrie wie ein Irrer, keine Fürstentochter hätte ihm diese Antwort geben dürfen. »Aber du besitzest in meinem Herzen einen Schild, der dich vor meinem Zorne beschützt«. BAR GOEL: Das ist er selber. DEBORAH: Mit diesen Worten war er verschwunden. Seitdem hat er sich nicht mehr sehen lassen. Das ist das ganze Erlebnis. Hast du etwas anderes gehört? BAR GOEL: Ich habe nichts davon gewußt. Hättest du mir das früher anvertraut, ich wäre ihm stracks nachgeritten, um mich mit ihm zu verständigen. Dadurch hättest du uns manches Leid erspart. DEBORAH: Mithin bin ich die Urheberin all des Jammers, meinst du. BAR GOEL: Meine Schwester will nicht mehr verstehen. DEBORAH (umarmt ihn): Und mein Bruder möchte den kleinen Wüterich zeigen. Doch es steht ihm schlecht an. BAR GOEL: Gib acht! Sieh, wer dort kommt. DEBORAH (ängstlich aufblickend): So viele Schritte! Gott, ob nicht die Feinde durchgebrochen sind. BAR GOEL (seine Waffe vorhaltend): Komme, wer kommen will! 4. AUFTRITT (Bar Goel, Deborah, Trumpeldor, Sulamith, Aharon und mehrere Chaluzim.) TRUMPELDOR : Schalom! BAR GOEL UND DEBORAH: Schalom! ALLE ÜBRIGEN: Schalom! TRUMPELDOR: Wo sind die Brüder? BAR GOEL: Jeder an seinem Platz. Genau wie dus angeordnet hast. TRUMPELDOR: Bis hierher scheint sich der Kampf nicht ausgedehnt zu haben. Wer weiß, ob sich das Unwetter nicht bald verziehen wird. BAR GOEL: Es hat an unseren Toren zweimal schon gepocht. DEBORAH : Da pocht es wieder. (Heftiges Podien an der Tür.) SCHMUEL (zum Tore gehend): Wer da? STIMME: Macht auf! SULAMITH (hereinstürzend): Nicht Öffnen! Ein bewaffneter Haufe steht vor dem Tore. Selbst hier im Wäldchen wimmelt es von Schatten und Gestalten. TRUMPELDOR (zu Aharon und zwei Anderen): Geht in den Schuppen vor dem Stall, und legt an: Alles, was verdächtig ist, wird angerufen. Was nicht Antwort stehen will, wird zum Teufel gejagt. (Aharon und zwei Andere links ab in den Stall.) SULAMITH: Ich gehe mit. TRUMPELDOR: Du bleibst. Frauen haben im Feuer nichts zu schaffen. SULAMITH: Ich trage keine Waffen, meinst du. DEBORAH: Wir sind ebenfalls verpflichtet, die Heimatscholle zu verteidigen wie ihr. SULAMITH: Ich geh in die Küche, Jossef, wo Ajala allein ist. TRUMPELDOR (ruft ihr nach): Wo du bist, sind deine Engel auch. Geh! 5. AUFTRITT (Trumpeldor Bar Goel, Schmuel und mehrere Chaluzim. Später 'Abd er rauf, der fremde Offizier mit Labib und einem anderen Knecht. Es klopft wieder.) SCHMUEL: Wer ists? STIMME: Ich, cAbd er ra'uf, komme mit Begleitung zu meinem Freunde Jossef. TRUMPELDOR: Macht auf! MEHRERE: Wie? TRUMPELDOR: Aufgemacht, sag ich. SCHMUEL: Und wenns Verstellung war? TRUMPELDOR: Wozu das »Wenn«? Ich kenne seine Stimme gut. Macht auf! BAR GOEL: Auf deine Verantwortung denn. (Er öffnet das Tor.) SCHECH (mit dem Offizier und seinen Knechten auftretend): Schalom, Kinder Israels! TRUMPELDOR: So spät wie ein Dieb in der Nacht? Warum nicht früher, Schech? SCHECH: Wollte Gott, ich wäre früher gekommen. Aber das Wild war so schnell nicht aufzutreiben. FREMDER OFFIZIER: Verdammt, nicht wahr? Es stellte sich heraus, daß das Wild ein kräftiges Geweih auf dem Haupte trug, das noch manchen kühnen Jäger in Grund und Boden spießen wird. TRUMPELDOR: Es scheint, daß Sie sehr kriegerisch gestimmt sind, Herr Offizier. FREMDER OFFIZIER : Das nicht, Herr Amtsbruder. Ich habe mich nur auf eine Antwort besonnen, die der Verdächtigung jenes Gevatters (auf Schmuel) gilt. SCHMUEL: Die Wahrheit hat man immer für eine Metze gehalten. Hoffentlich haben Sie die richtige Antwort bereit. Unvernünftiges Gerede hat so manchen Born fließen lassen, der besser unentdeckt geblieben wäre. FREMDER OFFIZIER: Dann ist es ratsamer, diese Springbrunnen zum Versiegen zu bringen. SCHMUEL: Darum also haben Sie so viele Straßenpflasterer mitgebracht? SCHECH: Wozu bedarf es so vieler Worte? Der Herr Offizier löse sein verpfändetes Ehrenwort. FREMDER OFFIZIER: Ohne jede Begleitung? SCHECH: Du hast ja deine Knechte. FREMDER OFFIZIER: Dennoch bedarf ich der Führung. DEBORAH: Ich bin bereit, die Führung zu übernehmen. SCHECH: Wie, du? FREMDER OFFIZIER (schelmisch): Ich danke für solche Ehre. SCHECH: Freilich, freilich! Der Wolf fühlt sich immer geschmeichelt, wenn er ein Lamm zur Seite hat. (Zu Bar Goel gewendet.) Wofür hältst du mich, Freund? BAR GOEL: Für einen Bruder. (Nimmt ihn beiseite.) Meine Schwester ist bewaffnet, Schech. 220

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