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Das Zelt · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 219 (sequence 34)
Language
German
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JOSSET 7RUMPELDOR 2. AUFTRITT BAR GOEL: Wer ists? STIMME (von draußen): Wir sinds. Mach uns auf. BAR GOEL: Wer seid ihr? Ich kenne euch nicht. STIMME: Freunde! Mach auf! BAR GOEL: Euere Stimme klingt fremd. Ich kenne euch nicht. STIMME: Wir kommen im Namen unseres Schechs. BAR GOEL: Ja, wenn die Kugeln nicht soeben ihren Warnungsruf erlassen hätten. Geht! Hier ist keine Herberge für euch. 3. AUFTRITT (Bar Goel, Deborah.) BAR GOEL: Ist Mei'r schon zurück? DEBORAH: Ja, Bruder. Er war nur auf Erkun* digung aus. Ajalas Angst wird begreiflich, wenn mans so schauerlich durch die Bäume rauschen hört, als ob ein unsichtbares Heer von Feinden darin versteckt wäre. BAR GOEL: Warum nicht ein Heer von Streitern Gottes, wie es Elisa vor Samaria gesehn. Komm, setz dich zu mir. (Setzt sich auf die Stiege). DEBORAH: Es ist zu naß. BAR GOEL: Das heißt, du möchtest nicht gern neben mir sitzen. DEBORAH: Aus welchem Grunde nicht? (SiA zu ihm setzend). BAR GOEL: Einst hast du mir das viele Fragen erspart, weil dir schon meine Augen verrieten, wie es in meinem Innern aussah. Heute scheinst du diese Kunst mit einer anderen vertauscht zu haben. DEBORAH: Mit welcher denn? BAR GOEL: Mit der des Versteckspiels. DEBORAH: Sag, Bruder, hab ich diesen Tadel wirklich verdient? BAR GOEL: Was ist das denn für ein Gerücht, das nach Sted^mückenart von Einem zum Anderen wandert, ohne mich berührt zu haben? DEBORAH: Welches Gerücht meinst du? Doch nicht die Bege« benheit mit cAbd er ra'uf? BARGOEL:Eben diese meine ich. Du hättest sie mir nicht verschweigensollen. DEBORAH: Ja, wenn ich ihr soviel Wichtigkeit beigemessen hätte. Außerdem glaube ich, daß sie dir bekannt sein muß. BAR GOEL: Du bist also der Meinung, daß ich alles durch die Beduinen hätte erfahren müssen, mit denen ich draußen in Berührung stehe. DEBORAH (steht auf): Du scheinst erbittert zu sein. Mich bedünkt, daß es ratsamer ist, die Auseinandersetzung solange aufzuschieben, bis die verdrießliche Laune bei dir vorbei ist. BAR GOEL: Mir geschieht recht? (Erstehtaufund geht heftig auf und ab.) Das einzige Wesen, das ich von Grund meines Herzens liebe und verehre, soll mich mit Steinen bewerfen, wenn ich ihm mit einer Bitte nahe. DEBORAH: Du tust mir unrecht, behauptest du dies. BAR GOEL: Wenn du ahntest, was man sich in die Ohren tuschelt, dann würdest du meine Aufregung begreifen. DEBORAH: Das Tuscheln ist nicht die Art unserer Ansiedler. BAR GOEL: Dann hab ichs also doch durch die Beduinen erfahren, daß du von cAbd er ra'uf behelligt wurdest. DEBORAH: Das verträgt sich nicht mit der Wahrheit. Der Schech stand eines Tages vor mir unter dem Olivenbaum und lächelte mich an. Plötzlich warf er Spielkarten mir zu Füßen und bat mich, sie ihm zu schütteln. Ich tat ihm den Gefallen und reichte sie ihm zurück. Schnell breitete er sie vor mir aus und, auf den jungen Mann weisend, der neben dem Mädchen liegt, rief er: Das bin ich und das bist du! BAR GOEL: Eine stille Liebeserklärung also. DEBORAH: Ich fühlte das Blut in meine Wangen schießen. Als ich mich aber erheben wollte, warf er sich vor mir auf den Boden und rief flehentlieh: Verzeih mir meine Ungeschicklichkeit, Deborah. Die Kunst um die Hand eines geliebten Wesens zu werben, habe ich nirgends gelernt. Wäre jedoch, daß dieses Herz in deinem Banne steht, wie der Nachtwandler im Banne des Mondes. BAR GOEL: Poesie. DEBORAH: Nun folgt der Dolch mit seiner Ich bot ihm die Hand mit den dO^^^r^i <2^Lfr I^JLk. ' CA^f JU^£e^ yo^M t ^-^H- " ^e'ie^h//^?t^^s> /y^^ Q.«*?*><~*> ^J»A '(^^T ' SS<:zZ^&S^-° <ALIS DER SAMMLUNG A. SCHWADRON)?> ^9* Hand mit Worten, er sei ein guter, lieber Mensch, aber derartige Lebensfragen könnten nicht plötzlich entschieden werden. BAR GOEL: Trefflich. Mir ist, als hört ich die Stimme der Mut« ter wieder. DEBORAH: Auf diese Antwort war er nicht gefaßt. Mit roU lenden Augen hielt er mich am Arme fest und 219

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