Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 218 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JOSSET TRUMPELDOR RUDOLF LEVy LANDSCHAFT TRUMPELDOR: Aber es scheint, daß du das Schaukeln der Wiege nicht vergessen kannst. (Er wirft sie dabei sanft auf Rochebeth zu. Diese stößt sie ebenso sanft zurück. So entsteht der Pendeltanz, bei dem die Wanduhr, die sechs anzeigen will, den Takt schlägt. Beim ersten Glockenschlag hört der Tanz im Hintergrund auf. Da die Uhr nicht aufhören will zu schlagen, setzt sich der Tanz von selbst fort.) CHALUZ : Das ist ja höchst sonderbar. Statt jeder Begleitung haben sie den Glodtenschlag, der so unheimlich tönt. SCHMUEL: Ist das Zufall oder ein Fingerzeig der Vorsehung? AHARON: Wir haben sie letzthin aufzuziehn vergessen. Laßt sie aber weiter schlagen. Mir gefällt dieser eigenartige Pendeltanz. (Kleine Pause. Ein Schuß fällt hinter der Szene. Alles hält erwartungsvoll inne.) MEHRERE: Was war das? SULAMITH (blaß): Oh, ich muß mich setzen. TRUMPELDOR: Fürchte dich nicht, Sulamith! Wahrscheinlich wird ein Fest in der Chalsa gefeiert. SCHMUEL: Täuschen wir uns nicht. Der Schuß wird nichts Gutes bedeuten. TRUMPELDOR: Was kann er in dieser Dunkelheit bedeuten, wo das Gewitter im Begriffe ist, sich zu entladen? (Ein zweiter Schuß fällt.) SCHMUEL (aufspringend): Jossef, eine furchtbare Antwort ist das. ROCHEBETH: Seht euch nach Sulamith um. (Gruppe.) TRUMPELDOR (besorgt): Sprich, was ist dir, mein Kind? SULAMITH: Ich weiß nicht, wie mir zu Mute ist. Habt ihr ihn nicht gesehen? MEHRERE: Wen denn? SULAMITH: Ihn, den greisen Wanderer? Sein trauriger Blick war so eigen und stets auf dich gerichtet, Jossef. TRUMPELDOR: Auf mich! (Zwei Schüsse fallen hintereinander.) SULAMITH: Da ist er ja wieder. (Fällt in Ohnmacht.) TRUMPELDOR (laut): Zu den Waffen! (Große Bewegung. Vorhang.) 3. AKT TeUChaj (Ein ausgedehnter Hof. Im Hintergrund führt eine hölzerne Treppe schräg zur Dachstube hinauf. Neben der Treppe sieht man eine mannshohe Wölbung, die zum Backofen und zur Küche führt. Links im Mittelgrund führt eine Treppe in den Stall der Ansiedlung. Rechts vorn befindet sich der Haupt» eingang, dessen Tor verriegelt ist. Finstere Nacht. Verziehender Donner. Regen.) (Links und rechts vom Schauspieler.) 1. AUFTRITT (Bar Goel und seine Schwester. Später Ajala.) BAR GOEL: Zünddas Licht wieder an, Schwester. Ich muß doch sehen, wenn ich im Hof herumgehen muß. DEBORAH (eine Laterne an der Treppe anzündend): Es dauert keine fünf Minuten und es löscht wieder aus. Es regnet zu stark. BAR GOEL: Merkst du nicht, wie der Regen immer schwächer wird? Bald hört er ganz auf, dann kann es lange brennen. AJALA (erscheint in der Wölbung im Hintergrund.): Ist Mei'r bei euch, Deborah? DEBORAH: Nein, Ajala. AJALA: Mir ist, als ob ein Schatten vor den Küchenfenstern auf und ab ginge. BAR GOEL: Vielleicht ist ers selber. AJALA: Es ist nicht sein Schritt. Es überläuft mich kalt bei dem Gedanken, mutterseelen allein zu sein. DEBORAH: Komm, ich leiste dir Gesellschaft. 218