Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 214 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JOSSET TRUMPELDOR SCHMUEL: Nun welchen? War er nicht unser täglicher Gast? Haben wir ihn nicht stets wie einen Bruder behandelt? Warum sticht sein heutiges Benehmen so grell von seinem früheren ab? FARKAS: Du scheinst mir nicht genug in sein Wesen eingedrungen zu sein. SCHMUEL: Möglich, daß ich bisher blind gewesen bin. Bitte, öffne mir die Augen. FARKAS: Kann nicht die Liebe etwa ihn derart verwandelt haben? MEHRERE: Die Liebe? Oh! SCHMUEL: Inwiefern die Liebe? FARKAS: Der junge Schech scheint in Bar Goels Schwester verliebt zu sein. MEHRERE: Ah! AHARON: Das habt ihr nicht gewußt? ZUSCHAUER: Darum also hat er so eifrig Hebräisch gelernt? SCHMUEL: Mein Gott, wie rasen die Ereignisse an uns vorbei, ohne daß wir ihren inneren Zusammenhang erraten . . . Diese Nachricht hat mich völlig verwandelt. Eine innere Stimme klagt mich der Ungerechtigkeit und Härte an. Dieser junge Schech ist mir plötzlich so lieb und wert geworden, daß ich ihn gern aufsuchen möchte, um eine Verständigung herbeizuführen. FARKAS: Das hat schon Trumpeldor vor dir getan. SCHMUEL: Recht so, Jossef. Nur zu! Deine Entschlossenheit wird dich einst zum Ziele führen. Wenn Jeder von uns sein Scherflein dazu beitrüge, bald würden wir die Hetzer mit unserer stillen Arbeit besiegen und das brüderliche Verhältnis zwischen uns und den arabischen Nachbarn festigen. ZUSCHAUER (zu Farkas): Erzähle uns doch mehr vom Schech und unserem Hauptmann. FARKAS: Fragt ihn selber, wenn er kommt. AHARON: Dort seh ich ihn mit seiner Braut. SCHMUEL: Endlich. 6. AUFTRITT (Die Vorigen. Sulamith und Trumpeldor, der ein Paket mit Briefen und Zeitungen in der Hand hält, treten Arm in Arm auf.) TRUMPELDOR und SULAMITH: Schalom, Brüder! ALLE: Schalom, Jossef! SCHMUEL: Im Soldatenschmuck? Darf man Glück wünschen? TRUMPELDOR: Ihr habt ja die Antwort auf den Tischen bereit. ROCHEBETH: Empfange meinen herzlichsten Glückwunsch, Schwester Sulamith. SULAMITH: Dank, Rochebeth. (Sie umarmen sich. Alles drängt sich herzu, um das Brautpaar zu beglückwünschen.) FARKAS (zu Trumpeldor): Was hältst du in der Hand? TRUMPELDOR: Die Post. Alle (durcheinander): Die Post? Hab ich was? — Hab ich was? TRUMPELDOR (lesend): Farkas ur! Hier hast du deine Zeitung. Rochebeth, eine Postkarte. ROCHEBETH: Endlich wieder nach so langer Zeit! AHARON: Nichts für mich? TRUMPELDOR: Leider nichts. ZUSCHAUER: Vielleicht doch ein Säckchen voll Hoffnungen. AHARON (spöttisch): Begnüge mich mit einer Tasche voll. TRUMPELDOR: Hier ist ein Brief an einen Bruder Levi. MELA MUTER LANDSCHAFT 214