Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 193 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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EUGEN ZAK natürlich, die es in der Blütezeit der Malerei nicht waren und erst mit dem beginnenden Zerfall der Kunst werden konnten. Seit Poussin, seit dem Greco von Toledo war die Erhebung des Menschen im figuralen Bilde zu einer Allegorie verloren gegangen. Ingres hatte sie wiedergefunden und Chasseriau, aber nur, daß sie bei ihren Nachfolgern, den Akademikern, an die Photographie ausgeliefert werde. Und das ist doch nicht der Sinn der Kunst, die Leben auf einer höheren, auf einer dichterischen Ebene sein soll: Allegorie, Ihr wohnt auch die Größe inne, die der spießerische Chardin noch besessen hat, und die erst Cezanne im Alltag wiedergefunden hat, weil er ein Narr von Gottes Gnaden war und den Menschen in sein Gleichnis zwang. Der Mensch, das ist das Problem, und nicht die Flötenbläserin oder die Geige der Kubisren. Denn im Menschen ist jede Grundform vorhanden, und in seiner Einfügung in den Raum, in die Landschaft liegt das von Zak gelöste Problem der Geometrie in der Kunst. Eine mystische und dennoch innig klare Geometrie ist es, denn sie wird nur dem Gläubigen fühlbar, der in Beziehung zu jedem Ding, jedem Leben oder Dasein in.der Natur ist. Und das ist der Sinn der Arbeit dieses klassischen Naturalisten, der toter Natur durch den einsamen Menschen in ihr wieder Leben zu geben gewußt hat. Ich habe in diesen Blättern einmal von Kisling geschrien ben, den Andre Salmon den Entdecker des organisierenden Naturalismus genannt hat. Ihm, Kisling, fehlt der letzte Hauch, eben die Erhebung des Menschen ins Allegorische, daß er ein Klassiker werde. Zak hat schon diesen belebenden Atemzug Gottes. Wenn er den Menschen zum Vorbild nimmt, den Menschen allein, nicht den in die Beziehung zur Außenwelt gestellten, welche Gewalt liegt da im Werk! Ich spreche nicht vom glänzenden technischen Können Zaks. Ich will es nur streifen. In einer simplen Tuschzeichnung tritt die Kraft des Künstlers klar zutage. Beide Kräfte: die physische und die metaphysische. Die physische — sie liegt in der vollendeten Beherrschung der Schwarzweißvaleurs, der Ton= EUGEN ZAK werte im Kontrast. Bei keinem Maler außer dem Wiener Georg Merkel sah ich je das Weiß des Papieres so für die Zeichnung ausgenützt. Hier ist das Licht schon in der Abstufung der Farben. Lind die metaphysische Kraft — sie ist nicht darin allein enthalten, daß das als Modell dienende Weib durch Gesichtszüge und wie zum Amphorentragen erhobenen Arm klassischen Eindruck hervorruft. Indes sich der andere Arm in die Hüfte stützt, um das Gleichgewicht der Gestalt und in ihr das der Zeichnung zu erhalten, wird das Modell zur griechischen Idee, zu unserer Vorstellung vom Klassischen, zur — Allegorie. Sein »Fischer«, der »Müller«, ein mit unsagbarer Kraft gezeichneter Kopf, das Selbstbildnis des Malers in seiner ganzen unakademischen Meisterschaft, alle diese Bilder verraten den klassischen Naturalisten. Gewiß! Mit bösem Willen kann man Zak einen Eklektiker nennen. Wahrhaftig, man kann es wie DER FISCHER 193