Mannheim
Compact Memory

Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 187 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3139318-3133277-3133282--239-3133543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

BUCH, KUNST UND KÜNSTLER NEUE BÜCHER Besprocßen von Dr. D. TeucBtwang, Josef Haßn, Eugen HoeffiS und Josef Ka fmer. Zeichnungen von Max Ließermann. Herausgegeben von Hans Wolff. Max Ließermanns grapßiscße Kunst. Heraus» gegeben von Max J. Friedländer. (Beide im Verlag Ernst Arnold, Dresden.) Das Schaffen eines nun schon Siebenundsiebzigjährigen von zwei Seiten zu beleuchten, hat der bekannte Kunstverlag in seiner Serie graphischer Bücher unternommen. Mit nicht hoch genug anzurechnender Einfühlungskraft haben die Herausgeber Professor Friedländer und Wolff sich in die Materie hineingearbeitet. So weit, daß man — was nirgends gesagt ist — an Freundschaft mit Liebermann glauben muß, denn nur diese konnte die Präzision solcher Werke ergeben. — Was man vor der Lektüre befürchten könnte, daß nämlich auf Liebermann als Maler nicht genügend Gewicht gelegt oder gar von diesem Arbeits» zweig des Meisters abstrahiert sei, trifft nicht zu. Im Gegenteil: während Friedländer sich eingehend mit den Techniken des Graphikers beschäftigt, weiß Wolff das organische Wachstum und die Entwicklung des Menschen Liebermann zum Künstler zu gestalten. — Wenn noch gesagt wird, daß die beiden Bände mit über zweihundert Reproduktionen nach charakteristischesten Werken des Meisters versehen sind und das edelste Kunstdruckpapier sich zu geschmackvoll einfacher Ausstattung der Bände gesellt, wird es klar sein, daß diese Liebermann» Publikationen ästhetische Ereignisse bedeuten. — In einem der nächsten Hefte soll ausführlich auf diese beiden hervorragenden Publikationen unter gleichzeitiger Würdi» gung Liebermanns zurückgekommen werden. J. K. Afexander Kocßs Hanäßucß neuzeitfießer Woßnungskuftur „Scßfafzimmer", III. Tofge. Mit 2oo Aßßifdungen, ein* und meßrfarßige Kunstßeifagen. CVerfagsanstaft A [exander Kocß, Darmstadt.J Der seit geraumer Zeit vergriffene Band der Hand» bücher neuzeitlicher Wohnungskultur »Schlafzimmer« ist in neuer Folge, vermehrt um eine große Anzahl von Abbildungen, neu aufgelegt worden. Drucktechnisch und illustrativ auf der Höhe, bietet dieses Buch eine Zusammen» fassung von Arbeiten deutscher und österreichischer Raumkünstler. (Englische Architekten sind unbegreiflicher» weise sehr schwach vertreten). Überragend — unter vielen guten Lösungen der Sammlung — die Arbeiten der Wiener Architektengruppe unter Führung Prof. Oskar Strnads <Frank, Gorge, Wlach). Die Werke dieser Künstler, weitab von Schablone, Type und Originalitäts» sucht, zweckmäßig, organisch entwickelt und zielbewußt bis ins kleinste Detail aufgebaut, bilden sie W o h n» räume im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes einzelne Stück des Schlafzimmers ist ein vom Künstler gestaltetes beseeltes Gebilde, duftig, leicht beweglich, vorzüglich in der Wahl des Materials und dessen Bearbeitung, klar in der Linienführung, Flächen» und Massenverteilung, verständnisvoll und sinnreich den Erfordernissen angepaßt, jeder Gegenstand atmet Geist — gedanklicher Zusammen» hang belebt den Raum. Zu wenig gewürdigt und ver» standen eilt diese Architektengruppe ihrer Zeit voraus. So wie diese Künstler Räume gestalten, wird man wohnen. — Und deshalb ist dieses Buch beachtenswert und der weitesten Verbreitung würdig. Interessant auch die Arbeiten der Wiener Architekten Kaym und Hetmanek, sowie diejenigen wenigen englischer Architekten. LH. Heßräiscß. Von Prof. Dr. Carf Wiffing- Methode Toussaint=Langenscßeidt. CLangen* seßeidtseße Verfagsßucßßandfung Berfin=Scßöneßergj In der bekannten vorzüglichen Ausstattung der Langen» scheidtschen Unterrichtsbriefe ist nun der Lehrgang für Hebräisch erschienen, eine der erfreulichsten Neuerschei» nungen, die an dieser Stelle registriert wurden. Zum ersten» mal wird dem Deutschlesenden Gelegenheit gegeben, systematisch, leichtfaßlich und ohne die kindlichen Mätzchen, die beinahe jedes Lehrbuch der hebräischen Sprache für den erwachsenen Studierenden unleidlich machen, sich in die unendlich starken Schönheiten des klassischen Hebräisch zu versenken — und wirklich zu lernen. Es handelt sich hier um das klassische Hebräisch, ohne das jede Beschäftigung mit dem modern gesprochenen Hebräisch, Kauderwelsch bleibt. — Die bekannte Gründ» lichkeit des deutschen Hebraisten, der trotz der bis ins Letzte gehenden Genauigkeit es versteht, jeder Trocken» heit und Langweile aus dem Wege zu gehen und stets das Interesse zu fesseln, macht das Studium auf Grund dieser Briefe zu einem Vergnügen, dem nachzugehen, Jedem zu empfehlen ist, der wirklich Hebräisch, also Alt» und Neuhebräisch lernen will. E. H. Das Lied der triumpßierenden Ließe. Von Iwan Turgenieiv. Mit seeßzeßn ZeiSnungen von W. Masjufin. Cjufius Hoffmann, Verfag, Stuft" gartj Von Alexander Eliasberg schön ins Deutsche über» tragen, erscheint diese nicht sehr bedeutende Erzählung Turgeniews in einer geschmackvollen Ausgabe. Reinlicher Druck, typographisch anständig, manche der Zeichnungen ungeheuer phantastisch, Manifestationen eines starken Talents. Der Waschzettel, der dem Buche beiliegt, hat ausnahmsweise recht: ein harmonisches Druckwerk. I. H. Von den Symßofen. Von Meir Wiener. Zeßn Kapitef üßer den AusdruaS des Geistes. fBenj'amin Harz= Verfag, Berfin= Wien I924.J Der Verfasser behandelt in diesem sinnigen, geist» vollen, tiefen Buche folgende Themata: Vision, Meta» pher, Gebet, Legende, Gesetz, Kunst, Religion, Theo» logie, Kultus, Dichtung. Er ist Mystiker und Dichter, dringt aber mit scharfem Verstände und sicherer Ana» lyse in die Tiefen des Erkennens und Erlebens ein. Es ist klar, daß in den zehn Kapiteln die Dinge nir» gendwo ganz erledigt werden, sondern nur aphoristisch besprochen werden konnten, zumal die Fülle des Stoffes und der Fragen eine ganze Reihe großer Werke beschäf» tigen müßte und in allen Zeiten beschäftigt hat. Letztes und Endgültiges läßt sich darüber überhaupt nicht sagen. Grundanschauungen des Verfassers treten überall zutage. Ich will mich auf die Kapitel »Gebet«, »Religion«, »Kultus« beschränken. Es ist charakteristisch für Wiener, daß er sich mit Vorliebe auf Angelus Silesius beruft, den fein» sinnigen Mystiker und wahrhaft Frommen. Im Gebet» ritual sieht er mit Recht eine Zwecksetzung dieses Ver» suches, sich dem AlUEinen zu vereinen, die mit dem Grundwesen des Gebetes im Widerspruch steht. Wie jeder sichtbare Kult oft genug dem wahrhaften Charakter tiefer Religiosität Eintrag tuen kann. Ein Versäumnis ist es aber, die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit zu betonen, durch Gebet, Ritus und Kultus eine leicht gangbare Brücke zu schlagen in das Reich des Geistigen und Transzendenten und die oft und oft bestehende Unmöglichkeit der Auffindung eines anderen Weges. Die Gefahr der Verkörperlichung besteht sicher, die Gefahr 187

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.