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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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MITTEILUNGEN Vollkommener Entgeistung des Lebens aber bei gänzlichem Abbrechen der Brücken nicht minder. Daß Kon» fession im gewöhnlichen Wortsinne und Kirche nicht Religion sind, zeigt Wiener in besonnener, feiner, tiefer Weise. Er hält ein gemeinsames Erleben im Gebet, Ritus und Kult für unmöglich,- ich nicht. Nicht nur die Religiösen vereinen sich unter dem Zeichen von Wort>, Tat= und Sachsymbolen, sondern es gibt hunderte Anlässe, bei welchen sich Massen im suggestiven Zwang gemeinsamen Erlebens wenigstens für kurze Zeit dem AlUEinen nahe fühlen. Das allerdings, was die Massen Religion zu nennen pflegen und als solche üben, ist, wie Wiener schön und überzeugend darstellt, Entstellung und häufig Blasphemie, wenn nicht gar Gefahr und Plage. Was Wiener dabei im Auge hat, ist leicht denkbar. »Religion ist die größte Kühnheit, die je mit Sieg endete.« Das ist ein lapidarer Satz, den man unterschreiben kann. Dem gegenüber kann aber gesagt werden, Religion ist die größte Demut, die erstrebt werden kann. Wiener findet sie auch bei den echten Chassidim, die innerlich den großen Mystikern aller Zeiten nahe stehen. »Kultus hat mit eigentlicher Religion nichts zu tun.« Das ist wiederum eine Wahrheit, der sich kein wirklich Religiöser verschließen wird, ohne zuzugeben, daß wir deshalb jeden Kultus beseitigen müßten. Man müßte die Gestirne vernichten, weil sie angebetet werden. Wiener gesteht auch, daß im Judentum das Zeremonial, der Ritus und das Gebet »Gott und das Sein erlösen und erfüllen«. Sicher »Religion wird erlitten, nicht getan«. »Angewandte« Religion ist keine wahre Religion. »Wissenschaftliche Religion ist ein Widerspruch. Ein Satz aus dem Kapitel »Vision« erklärt die Grundanschauung Wieners vom Judentum in seiner Stellung zu allen behandelten Fragen und in seiner Gegenüberstellung zu Europa: »Die Orientalen haben die tiefste Weisheit erschaut, doch findet man bei ihnen kein Bestreben, das Erschaute auch übersichtlich und klar darzustellen.« »Sie begrenzen nichts, weil ihr Schauen schrankenlos ist.« Wieners Buch ist ein Buch für Denker. D. F. Der neue Motor. Von Otto Boeßn. Sc&au* spief in drei Aufzügen. fDeutscß^österreicßiscber Perfag, Wien=Leipzig.J »Was sollen neue Ideen, wenn es nicht neue Menschen gibt?« Diesem, dem Stücke vorausgesetzten Motto wird der Autor insoferne gerecht, als der Erfinder — Idealist und Sozialist — der durch seinen neuen Motor der Gesamtheit dienen will, an der Gewinngier und an dem Unverstände seiner Mitarbeiter, die er zur Verwertung seiner Erfindung heranzuziehen gezwungen ist, scheitert. — Die lebhafte und plastische Handlung mit gut gezeichneten Zeittypen deckt die Schwächen der gegenwärtigen heterogen zusammengesetzten Gesellschaft auf und beweist gleichzeitig die Unmöglichkeit der Stellung des geistig schaff enden, werktätigen Menschen als Bindeglied zwischen einem entarteten Kapitalismus und einem irregeleiteten Sozialismus. I. H. BÜCHEREINLAUT: Max Brod: Sternenhimmel,- Orbis-Verlag, Prag. —- Osdar Neumann: Zwischen zwei Welten,- S. Steiner^ Verlag, Bratislava. Ossendowshi: Tiere, Menschen und Götter,- Frankfurter Sozietätsdruckerei, Frankfurt. — Dr. Oskar Donath: Ziele a zidovstvi v ceske literatufe. Verlag Pisa, Brünn. — Ernst Mannheimer: Die Nächte um Gina,- Gundolfe Verlag, Wien. — Lips: Ferdinand Lassalle/ Verlag »Das Zelt«, Berlin. M I T T E I Gewisse technische Satzschwierigkeiten brachten es mit sich, daß das Versmaß des im Aprilheft erschienenen Gedichtes von Jehudah Halevi »Frau Welt« verzerrt wurde. Wir bringen daher das Gedicht hier nochmals, dieses Mal in der Zeilen^ und Silbeneinteilung des Originales. FRAU WELT VON JEHUDAH HALEVI Verwehrt Gemahl ward dieser Erde Ball mir, dieweil dies Selbst ward teurer als das All mir. Nun teilt sie ihre Herrlichkeit an Andre/ sie sah, nur Ein Teil noch, mein Gott, gefall' mir. Soll sie mich wählen, und ich bin ihr Todfeind? ich wählen sie, die ward zum Sündenfall mir? Ich Pflichtgemahl verschmäh sie; aus den Schuh zieht sie mir, sprüht ins Gesicht des Speichels Schwall mir. <DEUTSCH VON FRANZ ROSENZWEIG) LUNGEN Die Zeichnung von Efse Lasßer=Schüfer und die von Pascin und Levy erschienen mit Genehmigung des Verlages Flechtheim, Frankfurt. Den Ankauf der Originale, der in diesem Hefte public zierten Bilder und Plastiken — soweit sie verkäuflich sind — vermittelt der Verlag »Das Zelt«, Wien, IL, Taborstraße 1—3. Redaktion und Verlag übernimmt die Haftung nur für Einsendungen, die an sie adressiert sind. — Unverlangten Sendungen aller Art, deren eventuelle Rücksendung erwartet wird, sind entsprechende Postmarken beizulegen. Redaktionsschluß 15. Mai 1924. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zelt* Verlag, G.m.b.H. - Verantwortlicher Redakteur: Eugen Hoe flieh, Wien, XVI., Feßtgasse 17. — Druck: Gesellschaft für graphische Industrie A.=G. (verantwortlich Karl Wrba>, Wien, III., Rüdengasse 11

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