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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 178

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 178 (sequence 33)
Language
German
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JOSSET J. LIPCHITZ TORERO ANDERES M.: Der Nachkomme Adams. TRUMPELDOR: Wer hat euch dies alles beigebracht? ALLE DREI M.: Tante Ajala. KLEINSTE: Sie hat uns die Geschichte vom Väterchen Noah erzählt. TRUMPELDOR: Laß mich sie auch hören. KLEINSTE: Väterchen Noah hatte einen großen Weinberg, so groß wie der Garten dieses Hauses. TRUMPELDOR: Der ist recht groß in der Tat. <Die Knaben lachen.) ERSTES MÄDCHEN (wehrend): Warum lacht ihr denn? Laßt die Schwester weiter erzählen. TRUMPELDOR (zieht die verschüchterte Kleine zu sich): Fahre nur fort, kleine Lea. Was weißt du von Noahs Weinberg? KLEINSTE: Er pflanzte den Weinstock. Er wollte aber nicht recht gedeihen. TRUMPELDOR: Und warum nicht? KLEINSTE (verlegen): Das weiß ich nicht. TRUMPELDOR: War der Boden nicht gut? KLEINSTE: Nein. TRUMPELDOR: Sondern? KLEINSTE: Ich weiß es nicht. ERSTES: Sag, weil er vorher nicht gebetet hatte. TRUMPELDOR: Recht so, Dina. Für diese Antwort bekommst du ein Geschenk. KLEINSTE (lebhaft): Soll ich weiter erzählen? TRUMPELDOR: Selbstverständlich. KLEINSTE: Da kam der Teufel. Aber er trug keine Hörner, sonst hätte ihn Noah erkannt. (Knaben lachen wieder.) TRUMPELDOR (blickt die Lachenden an, daß sie alsbald verstummen — dann freundlich zur Kleinen): Was wollte der Teufel von ihm? KLEINSTE: Nichts wollte er. Er fragte nur Noah, warum er so traurig sei. Noah gab zur Antwort, weil der Wein nicht recht gedeihen will, den er seit Jahren gepflanzt. (Ajala erscheint im Eingang.) TRUMPELDOR: Was geschah dann? KLEINSTE: Laß dirs von Ajala erzählen. Sie kanns besser. TRUMPELDOR: Aber ich wills von dir hören. KLEINSTE: Die Geschichte ist zu Ende. Bekomme ich auch ein Geschenk? ERSTES UND ANDERE: Die Hälfte der Geschichte hast du ausgelassen. TRUMPELDOR (zum anderen Mädchen): Hilf du ihr, wenn dus kannst. ANDERES MÄDCHEN: Der Versucher sagte zu Noah: Folgst du meinem Rate, dann wirst du bald erfahren, wie man den edelsten Wein großzieht. ERSTES MÄDCHEN: Warum verschweigst du, daß Noah den Teufel nach seinem Namen gefragt, worauf dieser antwortete, daß er ein Gärtner sei? TRUMPELDOR: Und was für ein Künstler dabei. Wie lautete aber sein Rat? (Deborah und Wanderer werden hinter Ajala sichtbar.) ANDERES MÄDCHEN: ErgabNoahdenRat,die Erde mit dem Blute eines Lammes zu düngen. Da dies allein nicht zu genügen schien, mußte er noch das Blut eines reißenden Tieres vergießen. Und als dies geschehen war, meinte der Teufel, daß der Boden nur noch nach dem Blute eines Schweines lechze, zum Zeichen dafür, daß, wer sich dem Genuß des Weines ergibt, anfangs sanft wie ein Lamm zu sein scheint, allmählich aber fürchterlich wie ein Tiger wird und zuletzt bis auf die Stufe eines Schweines herabsinkt. DIE KNABEN: Pfui! — eines Schweines. TRUMPELDOR: Aber sag, warum weinst du, Lea? KLEINSTE (schluchzend): Dies alles habe ich auch gewußt. TRUMPELDOR: Dies glaube ich dir.Du hast ja auch das Meiste erzählt. 178

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