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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 177

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 177 (sequence 32)
Language
German
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JOSSET TRUMPELDOR n. AUFTRITT (Trumpeldor, Sulamith.) TRUMPELDOR: Bist du von deinem Methusalem zurück? SULAMITH: Ich hätte auch früher zurück sein können. Ich wollte aber nicht stören. TRUMPELDOR: So hast du unserem Gespräche gelauscht. SULAMITH: Nimmst dus mir übel, wenn ichs in guter Absicht tat? Als ich dich von oben allein mit ihm stehen sah, krampfte sich mein Herz vor Angst um dich zusammen. Doch als er in versöhnlicher Stimmung von dir schied, atmete ich erleichtert auf. TRUMPELDOR: Wovor ängstigst du dich? SULAMITH: Davor, daß die Geduld bei dir risse, und dann wäre es zu Blitz und Donner^ schlag gekommen. Doch nun stehst du unendlich höher in meinen Augen, weil du unerschütterlich in deinem Entgegenkommen geblieben bist. Nur ein Großer, der sich seiner eigenen Stärke bewußt ist, kann sich so beherrschen wie du. TRUMPELDOR: Weißt du, welcher Kummer das Herz des jungen Häuptlings bedrückt? SULAMITH: Er hat um die Hand eines Mädchens gebeten und ist abgewiesen worden. TRUMPELDOR: Sollte ihn das wirklich so verwandelt haben? Er sprach von diesem Geheimnis mit einer Erregung, die mich in Erstaunen versetzte. SULAMITH: Weißt du nicht, was unerhörte Liebe bedeutet, besonders für einen Menschen, wie eAbd er racuf, der sich stolz zu dem edlen Stamm der Asra bekennt? TRUMPELDOR: Wer ist die Schwester, die ihn abgewiesen? SULAMITH: Deborah. TRUMPELDOR: Sie hat gehandelt, wie ihr Herz ihr vorgeschrieben hat. Doch halte ich dafür, daß ein Mann wie cAbd er ra'uf auch diesen Schmerz verwinden wird. SULAMITH: So schnell nicht, sonst hätte er nicht von Herzen geliebt. * TRUMPELDOR: Ist er nicht zu bemitleiden? Wie schwer ist es, daß sich die zusammengehörigen Herzhälften unter den Millionen endlich finden, um sich für immer zu vereinigen. SULAMITH: Wenn sie sich jedoch zusammen^ gefunden, da sprießt im Paradies die Blume ihrer Hoffnung, die mit ihrem freundlichen Leuchten die Engel im Himmel erfreut. TRUMPELDOR: Wie zwitschert mein Vöglein so süß in seinem goldenen Käfig. Der Lockruf meiner Turteltaube erschallt wie der rauschende Born lebendigen Wassers. O, es hat mich der Lenz in den Nußgarten getrieben, um nachzusehen, ob der Weinstock sproßte, ob auch mein Granatbaum blühte. SULAMITH <an seiner Brust): Mein Freund ist mein und ich bin sein, der unter den Rosen weidet. (Kuß. Ferner Kindergesang.) 12. AUFTRITT (Bar=Goel zu den Vorigen.) BAR-GOEL: Wer ist der Mann, mit dem sich meine Schwester unterhält? SULAMITH: Der Greis, dem du vorhin begegnet bist. BAR^GOEL: Kommt doch und seht das ergötz^ liehe Bild. Da sitzt sie gedankenverloren zu seinen Füßen, als wäre sie in ihn verliebt. TRUMPELDOR: Eile denn, Sulamith! Nimm die Schlüssel und beraube den Schrein äll seiner Schätze. Wer weiß, ob wir heute nicht eine Doppelverlobung feiern werden. BAR GÖEL: Ein Greis und eine Blume? Das wird nichts Gutes bedeuten. TRUMPELDOR: Warum ihr gerade heute vom Geist des Aberglaubens besessen sein. SULAMITH: Du etwa nicht? Hast du den Alten anfangs nicht für deinen Doppelgänger halten wollen? (Sulamith und Bar=Goel ab.) 13. AUFTRITT (Trumpeldor allein. Kindergesang dicht hinter der Szene.) TRUMPELDOR: Ich weiß nicht, warum mir die Versöhnung unseres Erzvaters Jakob mit Esau in den Sinn kommt. Wie zitterte er, als er die Kunde erhielt, daß sein älterer Bruder ihm mit vierhundert Mann entgegenkomme! Was erzählt die Schrift? »Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küßte ihn,- und sie weinten.« — Wer weiß, ob sich in unseren Tagen nicht eine ähnliche Versöhnung wiederholt. 14. AUFTRITT (Mit der deutlich und kraftvoll gesungenen letzten Strophe des Liedes »Jeruschalajim« treten drei Knaben und drei Mädchen von etwa zehn Jahren und darunter auf. Die Knaben tragen Holzbündel, ein Mädchen hält ein Körbchen mit Trauben in der Hand, das andere Feigen, das jüngste Blumen.) ALLE: Schalom, Jossef! - TRUMPELDOR (drückt jedem Einzelnen die Hand): Schalom! schalom! Wem bringt ihr alles mit? KNABEN: Unser Holz und Reisig gehört in die Küche. TRUMPELDOR: Und ihr? Was trägt ihr? (Zu den Mädchen.) ERSTES MÄDCHEN: Ich pflückte reife Trauben zum Nachtisch. ANDERES M.: Ich habe dagegen Feigen gepflückt: schwarze, weiße und honigfarbene. Nimm und iß die honigfarbenen sind die süßesten. KLEINSTE: Ist es wahr, daß wir nicht viel Trauben essen dürfen? TRUMPELDOR (lächelnd): Wer behauptet das? KLEINSTE: So hörte ich es. TRUMPELDOR: Aber aus welchem Grunde nicht? KLEINSTE: Weil Väterchen Noah es verboten? TRUMPELDOR (überrascht): Wer ist Väterchen Noah? 177

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