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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 176 (sequence 31)
Language
German
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JOSSET TRUMPELDOR aber solche schändliche Entehrung mußte ich erst hier am eigenen Leibe erfahren. SCHECH: Ich kann deine Empörung begreifen. Wann ist dies alles geschehen, Hauptmann? TRUMPELDOR: Gerade einen Tag nach deiner Abreise. Als ob sich die Buben verabredet hätten, deine Abwesenheit auszunützen. SCHECH (seufzt tief auf und raucht schweigend. Kleine Pause). TRUMPELDOR: Was ist dir? Ist es der Unmut, der dein Antlitz verfinstert? SCHECH: Es ist der Schatten einer traurigen Erinnerung, die deine Worte hervorgezaubert haben. TRUMPELDOR: O nenne mir den Grund, der dich so tief bewegt. SCHECH: Aus meinem Munde wirst du es nie erfahren. (Mit bewegter Stimme:) Es ist ein Geheimnis, das mein Herz in seiner tiefsten Kammer vergraben hat. Aber das Eine habt ihr alle gefühlt, daß ich euch wie meine Brüder geliebt habe. Diese Liebe hat mich veranlaßt, euer schönes, kräftiges Hebräisch in wenigen Monaten zu erlernen. Bei eurem Anblick jauchzte stets mein Herz vor Freude auf, bis jener Riß durch mein Innerstes fuhr und mich schier an den Strand der Verzweiflung schleuderte. TRUMPELDOR (ergriffen): Deine Worte gleichen Feuerpfeilen, die mein Herz treffen. Ich beschwöre dich, Bruder, mir dein Leid anzuvertrauen. Einen verschwiegeneren Busen triffst du unter dieser Sonne nicht. SCHECH: Nimmermehr. Aber sonderbar bleibt, daß der Fall von Umständen begleitet war, die geeignet schienen, die Entfremdung zwischen uns zu vertiefen. TRUMPELDOR: Ich bitte dich, deutlicher zu sein. SCHECH: Es kommt mir eben jener fremde Offizier in den Sinn, und gleich taucht die Frage auf: Wie vermochte er sich bei euch einzuschmeicheln? TRUMPELDOR: Was hast du gegen ihn? SCHECH: Welche Frage! Erübrigt sich da nicht jede Antwort von selbst, wenn ich an die Saat der Zwietracht erinnere, die er zwischen uns geworfen hat? TRUMPELDOR: Warum hat aber diese böse Saat den geeigneten Boden bei uns gefunden? SCHECH: Ja, wenn wir nicht allen vier Winden ausgesetzt wären. Wir Alle glauben an die Vorbestimmung des Schidtsals. Es kann kein Blatt vom Baume ohne Kismet fallen. Allein es heißt: Wehe dem, durch den das Ärgernis hereinbricht. Ein solcher Teufel ist der fremde Mann. Hab ich doch selbst seinen Knecht ertappt, wie er allerlei Hetzschriften unter dem Volke verbreitete. TRUMPELDOR: Hab Dank für diese Aufklärung, Schech. Was ist nun die Meinung der Bevölkerung? Sie ist von wesentlicher Bedeutung für uns. SCHECH: Die Meinung ist durch die falschen Gerüchte vergiftet, die jener Satansbube mit seinen Helfershelfern verbreitet. Aber was mich J. LIPCHITZ TIERSTUDIE besonders empört, sind jene Verleumdungen, die geeignet sind, ewige Blutfehde zwischen uns aufzurufen. TRUMPELDOR: Verleumdungen welcher Art? SCHECH: Jene, die von unterirdischen Verschanzungen und versteckten Waffen zu berichten wissen, als wolltet ihr einen großen Schlag vorbereiten, um über Nacht das ganze Land von Dan bis nach Berseba unter eure Botmäßigkeit zu bringen. TRUMPELDOR: Was ist nun deine Meinung von uns? SCHECH: Die alte, Freund, die euch für Ehrenmänner hält. Allein die traurigen Vorfälle der letzten Tage können auch den unerschütterlichsten Glauben zum Wanken bringen. TRUMPELDOR: Begreiflich. Aber unsere Taten sollen redlich Zeugnis für unsere Gesinnung ablegen. Eine Bitte hätte ich an dich. SCHECH: Welche, Hauptmann? TRUMPELDOR: Könntest du nicht in deiner Eigenschaft als Schech den fremden Offizier auffordern, dir unsere Verschanzungen zu zeigen? SCHECH: Das könnte ich allerdings. (Erhebt sich.) Wenn er sich aber weigert. Was dann? TRUMPELDOR: Dann hat er sich selbst gerichtet. SCHECH: Wohlan, nichts soll mich mehr anspornen, als der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen. (Ergreift seine Hand.) Saläm aleikum! TRUMPELDOR: Schalom, Schech! ('Abd er ra uf ab.) Nun gleichst du, Seele, dem Schiff mit geblähten Segeln. Der Wind der Hoffnung trägt dich auf seinen Fittichen bis zu den Sternen empor. 176

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